dk-Serie: Sportliche Rückblicke Vor 30 Jahren: Cord Mysegaes startet mit EM-Gold durch

Von Katrin Brandes

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Der Vielseitigkeitsreiter Cord Mysegaes wurde vor 30 Jahren Junioren-Europameister. Der Delmenhorster gewann mit Mon Petit im englischen Rotherfield Park die Goldmedaille.

Delmenhorst. „Dass das wirklich schon 30 Jahre her ist“, sagt der Vielseitigkeitsreiter Cord Mysegaes schmunzelnd, als er auf seinen ersten großen internationalen Erfolg in der Vielseitigkeit angesprochen wird. Damals hieß diese Disziplin des Reitens noch „Military“. Im englischen Rotherfield Park wurden vom 29. August bis 2. September 1985 die Europameisterschaften der Junioren ausgetragen. Dort triumphierte ein 17-Jähriger vom Reiterverein Heiligenrode mit seinem Wallach Mon Petit: Cord Mysegaes gewann den EM-Titel im Einzel. „In England dem Herkunftsland des Military, das war schon beeindruckend“, erinnert er sich.

1992 folgt Olympia-Bronze

Die EM war der erste große Höhepunkt einer Karriere mit vielen Erfolgen in nationalen und internationalen Prüfungen und Championaten, die durch den Gewinn der Olympia-Bronzemedaille 1992 gekrönt wurde. Doch schon vor dem EM-Gold von 1985 hatte Mysegaes einen langen, anstrengenden Trainingsweg für diese Reitprüfungen absolviert, die aus Dressur, Geländeritt und Springen bestehen.

Der Delmenhorster aus einer reitsportbegeisterten Familie ritt schon „bevor ich laufen konnte“. Schnell zeigte sich sein Talent. Er nahm erfolgreich an Turnieren teil, startete zunächst bei den niedersächsischen Titelkämpfen und wenig später auch bei Deutschen Meisterschaften. Trainiert wurde er von seinem Vater Wilfried Mysegaes. Als Cord 16 Jahre alt war, stieg auch die Delmenhorster Vielseitigkeitslegende Horst Karsten in die Betreuung des Talents ein. Der damalige Bundestrainer überbrachte dem dann auch die Nachricht der Nominierung für die EM 1985. „Da war ich erst einmal platt“, sagt Cord Mysegaes. Er hatte sich auf den Sichtungen gut gezeigt. Daher hieß es im Sommer „ab ins Trainingslager“ in der Reiterstadt Warendorf. „Das war schon sehr unterhaltsam. Wir hatten viel Spaß. Mal von zuhause weg, in dem Alter“, erinnert er sich gerne. Mit ihm gehörten unter anderem Frank Minnemann und Torsten Tönjes vom RV Ganderkesee zum Kader der Deutschen Reiterlichen Vereinigung.

Minnemann patzt, Mysegaes wird Europameister

Gemeinsam ging es mit allen Pferden im Transporter über Nacht auf die Fähre nach England. „Alle Pferde sind zum Glück auf dem Wasser ruhig geblieben“, erzählt Mysegaes. Ihn war schon damals das Wohl der Tiere sich wichtig. Von Rotherfield sind ihm die große Burg und die Tatsache, dass die Pferde damals schon in Stallzelten untergebracht waren, besonders im Gedächtnis geblieben. „Wir waren sicher eine gute Woche da, kamen schon vor der Verfassungsprüfung der Pferde am Mittwoch an.“ Mit dabei immer der Warendorfer Stammpfleger Herbert: „Einfach ein toller Mensch!“

Cord Mysegaes’ Eltern und sein Bruder Bernd reisten separat an. „Das Turnier war sehr familiär. Wie der ganze Sport damals, noch nicht so profimäßig“, erzählt der inzwischen 47-Jährige. Er habe die Zeit genossen. „Heutzutage hat sich viel verändert, aber vor allem in Sachen Sicherheit wurde viel investiert. Damals machte man sich wenig Gedanken darum.“ Mysegaes begrüßt das, vor allem die Änderung zu den heutigen Kurzprüfungen: „Man kann mehr starten als früher, bekommt dadurch mehr Routine, die wichtig ist für die reiterliche Sicherheit.“

Zittern im Gelände

1985 in Rotherfield lag Mysegaes nach einer guten Dressur unter den ersten Zehn. Die Geländeprüfung, zweiter Teil des Wettbewerbs, hatte es in sich: „Gleich Sprung vier war ein großer Graben, und über Gräben mochte Mon Petit nie gerne springen.“ Der Wallach war auf einem anderen Turnier sogar über ein geparktes Auto ausgewichen, nur, um nicht über einen Graben springen zu müssen. Doch Mentor Horst Karsten „konnte schon immer gut motivieren. Er gab mir tolle technische Hinweise.“ Die halfen: Nach dem Geländeritt lag Mysegaes mit Mon Petit auf Rang zwei hinter seinem Freund Frank Minnemann. Im abschließenden Springen erlaubte der sich einen Abwurf; Cord Mysegaes blieb fehlerfrei – und war Europameister. „Das konnte ich gar nicht glauben. Bei der Ehrung war ich so aufgeregt, ich habe kein Wort rausbekommen und nur genickt.“ Schließlich wurde die Siegerehrung von Prinzessin Anne von Großbritannien, also von einem Mitglied der königlichen Familie, vorgenommen. „Da wollte man sich mit seinem Schulenglisch ja nicht blamieren“, erzählt Mysegaes und grinst. „Mit Englisch hatte ich es nicht so.“

Lehrer war selbst „länger in der Schule als geplant“

Grund zur Freude hatten in Rotherfield übrigens auch Minnemann und Tönjes. Minnemann holte Einzel-Silber. Tönjes gehörte mit Mysegaes zur deutschen Mannschaft, die Platz drei belegte.

Mysegaes’ Zeit war damals knapp. Oft standen die Pferde an erster Stelle, vor dem Unterricht. „So war ich etwas länger in der Schule als geplant.“ Doch schon damals wollte er Lehrer werden. Er studierte Kunst, Mathe und Sport und ist heute Leiter der Oberschule in Bassum. Reiten steht aber immer noch auf seinem Stundenplan: „Man kriegt den Kopf frei. Reiten ist definitiv mein Mittel der Wahl zum Abschalten.“

Aktuell ist Mysegaes, der inzwischen für den RV Ganderkesee antritt, mit der achtjährigen Oldenburger Stute Granuela im Wintertraining. Mit ihr war er 2014 beim renommierten Vielseitigkeitsturnier in Luhmühlen erfolgreich, „doch leider fiel sie dann lange Zeit krank aus“. Es geht aber wieder aufwärts. „Wir wollen nun unsere Form auf dem sogenannten Zwei-Sterne-Niveau festigen und in 2016 wieder erste Turniere gehen.“ Mysegaes trainiert weiterhin regelmäßig mit Horst Karsten und auf dem Geländeplatz der Familie Auffarth in Bergedorf. Die wenige freie Zeit verbringt er gern zuhause mit Ehefrau Anja. Dort fällt dann immer wieder mal ein Blick auf die gerahmten Fotos von damals und auf seine Bronzemedaille von Olympia 1992.


Alle 14 Tage blickt die dk-Sportredaktion samstags auf herausragende Ereignisse in der Stadt und im Landkreis Oldenburg oder auf große Erfolge von Sportlern zurück, die mindestens zehn Jahre zurückliegen. Heute: Vor 30 Jahren wurde der Delmenhorster Vielseitigkeitsreiter Cord Mysegaes mit seinem Wallach Mon Petit Junioren-Europameister.

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