42 Marathon-Läufe in sechs Jahren Marion Schumacher läuft dort, wo andere Urlaub machen


Delmenhorst. Die Delmenhorsterin Marion Schumacher hat in den vergangenen Jahren eine Leidenschaft für den Marathon-Lauf entwickelt. Ihr Highlight in diesem Jahr war der Start in New York. Ihr nächster großer Traum ist ein Lauf in Kapstadt.

Reykjavík, New York, Barcelona. Dort, wo andere Leute Urlaub machen, nimmt die Delmenhorsterin Marion Schumacher an Marathonläufen teil. Sie sieht atemberaubende Ausblicke in New York, wenn sie über den Hudson River auf South Manhattan und Brooklyn blickt. Sie passiert auf der Höhe von 2632 Metern über dem Meer die Keschhütte in der Schweiz. Oder sie kämpft sich durch reißende Flussbetten beim Ultra-Trail in Island.

Vor sechs Jahren entwickelte sich Schumachers Begeisterung für die 42,195 Kilometer langen Läufe, als sie Günter Tewes kennenlernte. „Ich bin vorher mehrere Halbmarathons gelaufen. Als ich Günter dann 2009 traf, habe ich gedacht: Damit kann man schon angeben“, sagt die 55-Jährige. Doch wirklich beeindruckt war ihr Gegenüber, der mittlerweile ihr Lebensgefährte ist, nicht: Denn Tewes hatte bis zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 100 Marathons beendet. Der Garreler weckte Schumachers Interesse, gemeinsam bei einem Marathon zu starten.

Schumacher stellte daraufhin ihren Trainings- und Ernährungsplan um. An ihren ersten Marathon in Islands Hauptstadt Reykjavík erinnert sich Schumacher noch genau: „Wir sind bei knapp 40 Grad von Düsseldorf mit dem Flugzeug losgeflogen. Nachts kamen wir dann in Reykjavík an. Da waren nur drei Grad und wir liefen in kurzen Klamotten rum.“ Schumacher und Tewes besorgten sich deshalb als erstes Mützen und Handschuhe. Der Marathon selbst fand bei Regen und maximal zwölf Grad statt. Schumacher beendete den Lauf trotz der widrigen Bedingungen – und schon war auch ihre Leidenschaft für den Marathon geweckt.

Schumacher und Tewes laufen trotz Absage ihren eigenen New-York-Marathon

„Ich bin in vielen Sachen wohl der Spur meines Freundes gefolgt“, erklärt Schumacher. Denn Günther Tewes beendete in einem Jahr mal 33 Marathonläufe. Sein persönliches Highlight war die Teilnahme am Everest-Marathon 2007. Dieser gilt mit einer Starthöhe von 5356 Metern über dem Meeresspiegel als der höchstgelegene der Welt. „Er lief auch schon auf der Chinesischen Mauer“, erzählt Schumacher. Sie ließ sich von seiner Begeisterung anstecken und hat seitdem viele Läufe absolviert.

Schumachers Lauf-Highlight war in diesem Jahr der Marathon in New York (wir berichteten) . Bereits 2012 wollten Schumacher und Tewes im „Big Apple“ starten. „Wir waren schon einige Tage früher in den Staaten und haben eine Rundreise gemacht“, erinnert sich die 55-Jährige. Das Paar befand sich noch nicht in New York, als Hurrikan Sandy wütete. „Als wir dort ankamen, waren wir überrascht, dass der Marathon nicht abgesagt wurde.“ In ihrem Hotel hatte noch Licht gebrannt, doch ab einem bestimmten Stadtteil war alles „zappenduster“. Viele Leute waren noch angereist, um am Marathon teilzunehmen. Schließlich wurde er doch abgesagt. „Wir wollten trotzdem laufen“, sagt Schumacher. „Es war bereits alles abgesperrt. Die Dixiklos und Paletten mit Wasser standen herum.“ Mit einer Freundin aus der Schweiz lief das Paar die Strecke dennoch ab. Später fand die Schumacher heraus, dass rund 20.000 Läufer die selbe Idee hatten. „Meinen ersten New-York-Marathon hatte ich damit eigentlich schon 2012. Wenn auch inoffiziell“, meint die Lehrerin und schmunzelt.

Marion Schumacher träumt von Teilnahme am Two-Oceans-Marathon in Kapstadt

Besonders gerne erinnert sich Schumacher an den Ultra-Marathon K78, der zum Swiss-Alpin-Marathon gehört. „Das war ein Wahnsinns-Erlebnis“, schwärmt sie. „Beim Start hatten wir sommerliche 15 Grad und dann ging es ins Hochgebirge. Da gab es im Juli bei zwei Grad Schneeregen.“

Schumacher setzt sich keine Ziele für ihre Läufe. „In meiner Altersklasse versucht man nicht mehr, vorne mitzulaufen. Sicher ist der Reiz da, zu gucken: was geht da. Aber ich will das Laufen mehr genießen und gut ankommen. Mir soll es danach auch gut gehen“, erklärt sie. Ein Traum sei es, den Two-Oceans-Marathon im südafrikanischen Kapstadt zu laufen. 56 Kilometer ist der Ultra-Marathon lang, er muss in einer Zeit von sieben Stunden bewältigt werden. Wegen der Ausblicke wie zum Beispiel vom Cape Point – dem Kliff am Südende der Kap-Halbinsel in Südafrika –, gilt der Two Oceans als einer der schönsten Läufe weltweit. Schumachers Ziel: der Start 2017 in Kapstadt. „Dafür muss ich aber schneller werden“, gibt sie zu.

Bisher läuft Schumacher vier Mal die Woche unterschiedlich lange Strecken, 42 bis 50 Kilometer kommen so Woche für Woche zusammen. Seit vergangenem Jahr trainiert sie beim Lauftreff Ganderkesee. Neben dem Laufen geht sie aus „Pflichtbewusstsein“ einmal die Woche zur Damengymnastik. Mit ihrem Freund tanzt sie außerdem Standard Latein im Tanzsportzentrum Delmenhorst. „Aber nur zum Spaß. Wir nehmen an keinen Turnieren teil“, sagt Schumacher. Damit sie sich nicht zwischen dem Tanzen und Laufen entscheiden müsse. Oft wird Schumacher gefragt, vor wem sie weglaufen würde. „Ich sage dann: Ich laufe nicht weg. Ich laufe wo hin.“ Zum Beispiel dort, wo andere Urlaub machen.


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