Ehrung für Heinrich Conrads Großes Ju-Jutsu Seminar in Delmenhorst

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Delmenhorst. Das siebte Delmenhorster Ju-Jutsu-Seminar war sowohl für die Veranstalter als auch für die Kinder ein voller Erfolg. Das Highlight war die Verleihung des neunten Dans an Heinrich Conrads, der viel für den Sport in Niedersachsen geleistet hat.

Das siebte Delmenhorster Ju-Jutsu-Seminar war in vielen Bereichen ein voller Erfolg. Zum ersten Mal waren über 400 Teilnehmer gemeldet. Der Delmenhorster TV (DTV), der diese Veranstaltung auf die Beine gestellt hatte, ist mehr als zufrieden. Das liegt nicht nur an dem breiten Interesse, sondern auch an einem Mann: Heinrich Conrads. In mitten der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen bekam der Ehrenpräsident des Niedersächsischen Ju-Jutsu Verbandes (NJJV) den neunten Dan verliehen. „Er war sehr gerührt. Er hatte Tränen in den Augen, genau wie seine Frau“, erinnert sich Reiner Sonntag, Abteilungsleiter des DTV. Sonntag wusste seit Anfang des Jahres Bescheid, dass Conrads diese Ehrung zuteil wird. Immerhin gehört Sonntag mit zum Gesamtvorstand, in dem solche Angelegenheiten beschlossen werden. „Es ist mehr als nur gerechtfertigt, dass Heinrich den bekommt. Er hat in Norddeutschland das Ju-Jutsu aufgebaut“, sagt Sonntag. Conrads war für ihn die treibende Kraft, in dem Verband aktiv zu werden und die Jugend zu unterstützen. Er erinnert sich auch noch genau an das erste Treffen. 2004 lernte Sonntag den damaligen NJJV-Präsidenten auf einem Lehrgang kennen, nachdem er im Jahr zuvor erst mit Ju-Jutsu angefangen hatte. „Ich war ein junger Ju-Jutsuka von 40 Jahren.“, erzählt Sonntag schmunzelnd, „Ich lernte ihn kennen und dachte: Er ist zum einen ein guter Ju-Jutsuka und zum anderen ein sehr lieber Mensch.“

Durch den Bundesgrenzschutz zum Ju-Jutsu

Viele wussten von dem Beschluss und bewahrten Stillschweigen. Auch Conrads Tochter, ebenfalls Ju-Jutsuka, wusste Bescheid und gab den Verantwortlichen hinter seinem Rücken Daten durch. „Es war eine totale Überraschung. Ich bin da hingekommen, weil ich seit Jahren da bin und es immer ein gemütliches Beisammensein ist“, sagt Conrads. Als die Laudatio für seine Ehrung begann, schenkte er ihr keine größere Bedeutung, denn er registrierte die ganzen Informationen nicht. „Erst als ich den 29. Januar 1940 hörte, habe ich begriffen, dass es um mich geht“, erzählt er. Denn dieses Datum ist sein Geburtstag. Seine ersten Gedanken, nachdem ihm bewusst geworden war, dass er gerade den neunten Dan verliehen bekam, weiß er nicht mehr: „Der ganze Samstag ging an mir vorbei. Den neunten Dan bekommt man normal mit 90 verliehen.“ Alleine daran sieht man, welche Ehre diese Verleihung ist. Aber die hat sich Conrads mit seinem Engagement verdient. Nachdem er 1964 das erste Mal durch einen Selbstverteidigungskurs, der von seiner Arbeitsstelle des Bundesgrenzschutzes ausging, mit Ju-Jutsu konfrontiert worden war, absolvierte er 1970 alle Prüfungen zum dritten Dan nacheinander. Er gründete mehrere Vereine, vor allem in seinem Wohnort Duderstadt. Zudem war er der Initiator für die Gründung des NJJV am 7. Juli 1991, der zu den drei stärksten Landesverbänden im Deutschen Ju-Jutsu Verband gehört. Dort war er bis zum März dieses Jahres Präsident. Aus gesundheitlichen Gründen trat er nach 20 Jahren zurück.

Kein Leben ohne Ju-Jutsu

Conrads gründete nicht nur. Er kümmerte sich auch aktiv um die Ju-Jutsuka, denn er war unter anderem Trainer und Prüferreferent. Vor vielen dieser Ju-Jutsuka wurde Conrads während des Seminars geehrt. „Das Besondere war die Kulisse. Da waren so viele Menschen, mit denen ich zusammen gearbeitet habe“, sagt der 75-Jährige. 2009 erhielt er den achten Dan, aber damals waren nur Vorstandsmitglieder anwesend gewesen. Daher habe die in Delmenhorst eine ganz andere Bedeutung. Eine Emotionalere. Auch für seine Frau Hilde. Sie steht dem Sport „angenehm“ gegenüber, gibt Conrads schmunzelnd zu, eben weil die Familie fest mit dem Ju-Jutsu verbunden ist. Aktiv ist sie allerdings nicht. „Ich habe einmal versucht, mit ihr zu trainieren. Sie stand da in Sportkleidung und es kamen Kollegen von der Bundespolizei rein. Da ist sie weggelaufen“, erinnert sich Conrads amüsiert. Aber auch wenn sie selbst nicht aktiv ist, begleitet sie ihn oft. Der 75-Jährige dagegen ist immer noch aktiv. Er trainiert jeden Mittwoch für vier Stunden. „Ich höre erst auf, wenn ich nicht mehr gehen kann. Es geht nicht ohne Ju-Jutsu“, erklärt er.

Gesteigertes Selbstwertgefühl durch Ju-Jutsu

Gerade Kinder und Jugendliche erfahren durch Ju-Jutsu mehr Selbstwertgefühl, und das freut Conrads: „Wenn nun etwas ist, drehen sie sich nicht um und laufen weg, sondern stellen sich dem.“ Dafür war auch das Seminar gut geeignet. Dort lernten die Teilnehmer in verschiedenen Lehrgängen unter anderem die Handlungskomplexe Hebeln, Würgen und Werfen oder konnten sich auf Prüfungen vorbereiten. Selbst ein Halloween-Turnier für die U10 bis U15 Teilnehmer wurde ausgetragen. Viele Helferinnen und Helfer machten diese Veranstaltung möglich. „Es war eine Teamleistung des Delmenhorster TV“, sagt Sonntag zufrieden. „Die vergangenen Jahre waren es immer zwischen 300 und 370 Teilnehmer. Dieses Jahr waren es 400.“ Sowohl den Veranstaltern als auch den sportlichen Leitern hat das Seminar gefallen. Und vor allem eben den Kindern. „Der Sport steht immer im Vordergrund“, sagt Conrads. Das tat er auch dieses Mal, auch wenn die Verleihung des neunten Dans das Highlight war. Vor allem ein Persönliches für den 75-Jährigen. Vielleicht bekommt er seinen zehnten Dan wieder unter solchen Voraussetzungen verliehen. „Ich würde wohl weglaufen und mich verstecken.“, scherzt er. Dennoch denkt er nicht an eine solche Ehre: „Franz-Josef Gresch ist der Einzige, der den zehnten Dan haben sollte.“ Gresch ist einer der Mitbegründer des deutschen Ju-Jutsus. Aber da würde es doch passen, immerhin hat Conrads den Ju-Jutsu in Norddeutschland erst groß gemacht. Bis es vielleicht irgendwann soweit ist, trainiert er weiter und kümmert sich um die Jugend: „Ich fühl mich wohl, wenn ich auf der Matte stehen und mich bewegen darf.“ Und das wird er hoffentlich noch lange tun.


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