„Der größte Sprung“ VfL Wildeshausen und das Abenteuer Landesliga

Von Klaus Erdmann

Auf geht’s ins Abenteuer Landesliga: die VfL-Trainer Marcel Bragula (links) und Marco Elia. Foto: Rolf TobisAuf geht’s ins Abenteuer Landesliga: die VfL-Trainer Marcel Bragula (links) und Marco Elia. Foto: Rolf Tobis

Wildeshausen. Wildeshausens Trainer Marcel Bragula hat viel Respekt vor der Landesliga. Im Gespräch lobt er sein Team und den SV Atlas.

Ein Bilderbuch-Sommerabend. In der Wildeshauser Innenstadt herrscht reges Treiben. Marcel Bragula, Trainer des frischgebackenen Fußball-Landesligisten VfL Wittekind, kommt mit dem Fahrrad zum vereinbarten Treffpunkt. In der „Brasserie“ fand am 22. Mai das letzte Treffen statt – sieben Tage vor dem großen Endspiel. In den zehn Wochen danach ist viel passiert: 1:1 gegen Atlas vor 4000 Zuschauern (Bragula: „Mit diesem Spiel haben wir viele Freunde dazugewonnen“), Meistertitel in der Bezirksliga, ausgiebige Feiern, Vorbereitung auf die Landesliga-Saison, die am Sonntag mit dem Heimspiel gegen Vorwärts Nordhorn beginnt (15 Uhr). Eine intensive Vorbereitung, die die Trainer Bragula und Marco Elia jetzt beenden.

Treffen mit Atlas auf Mallorca

Die Zeit, um die Aneinanderreihung von Highlights Revue passieren zu lassen, war knapp. „Wir haben die Saison analysiert“, sagt Bragula. „Erst einmal aber haben wir uns selber hinterfragt.“ Auf Mallorca waren sie auch, 19 Leute. Man traf, na klar, Vertreter des SV Atlas. Bragula wird nachdenklich: „Das, was Atlas widerfahren ist, hat mich beschäftigt.“

Zurück zum VfL. „Vier Spieler über 30 sind nicht mehr dabei. Da ist ein Stück Erfahrung verloren gegangen“, führt Bragula aus. Daniel Pasker sei „Teil des Gerüsts“ gewesen, „Abwehrchef“, „zweikampfstärkster Spieler der Liga“. Kai Schmale habe in der Rückrunde wichtige Tore erzielt. Matthias Ruhle sei ein wichtiger Defensivspieler gewesen und Nikolai Koch ein guter Torwart („Er wird aber durch Lauren Riedel gut ersetzt“). Ansonsten, so der Trainer, sei man stolz darauf, andere Leistungsträger gehalten zu haben: „So ein Aufstieg weckt nämlich Begehrlichkeiten.“ Das Team sei in dieser Zusammensetzung etwas Besonderes: „Ich rechne den Spielern hoch an, dass sie auf Landesliga-Niveau ohne Geld Fußball spielen. Das sucht seinesgleichen. Die Identifikation ist hoch.“

„Zu viele Wildeshauser spielen woanders“

Thema Abgänge. Wildeshausen setzt auf junge Leute. Bragula spricht von „sportlicher Herausforderung“, „Integration“, „fußballerischer Ausbildung“. Einige Spieler müssten Geduld haben, sich in der U23 empfehlen. Es gebe hier sechs, sieben Perspektivspieler, die zum erweiterten Kader der Ersten gehörten. Etwas beschäftigt Bragula: „Zu viele Wildeshauser spielen woanders. Das gefällt mir nicht. Die Tür steht jederzeit offen.“

Hält die Aufstiegseuphorie noch an? Der Coach lässt daran keinen Zweifel: „Die Euphorie steht noch. Es ist eine junge Truppe, die heiß und hungrig ist.“ Die Mannschaft habe sich taktisch weiterentwickelt, sei in der Rückrunde in der Defensive stärker und bei Standards gefährlicher geworden. Das Umschaltspiel müsse in der Landesliga noch besser werden. Und: „Wir müssen die Spielidee und damit den Hurra-Fußball etwas abändern.“ In der Landesliga gebe es weniger Schwachpunkte als in der Bezirksliga.“ Und überhaupt: „Von der Bezirks- in die Landesliga – das ist der größte Sprung. Dieser Sprung ist größer als der von der Landes- in die Oberliga oder von der Kreis- in die Bezirksliga“. Wildeshausen steht vor der Landung.

Bragula: Kein „Sie“ auf dem Platz

Bragula und Elia, die einander seit über 20 Jahren kennen, bilden ein bewährtes Gespann. Ein Vertrauensverhältnis. Wie ist das Verhältnis zu den Spielern? Duzen Sie ihren Trainer? Ja, sagt Bragula, auf den Fußballplatz gehöre kein „Sie“. Mit der richtigen Balance zwischen Nähe und Distanz habe er kein Problem: „Mein Vorteil ist, dass ich im Dienst täglich vor 150 Mann, vor einer Kompanie, stehe.“ Bragula ist seit sieben Jahren Spieß bei der Bundeswehr.

Es verwundet angesichts seiner großen Fußball-Begeisterung nicht, dass sich auch die Familienmitglieder dem Fußball verschrieben haben. Die 14-jährige Tochter Carolin spielt in der B-, der vier Jahre jüngere Sohn Ben-Erik in der E-Jugend. Seine Frau Manuela sei bei Spielen dabei, sagt Bragula, und: „Sie kennt das nicht anders. Meine Frau wusste, welche Riesenrolle der Fußball für mich spielt.“

Lieblingsklub BVB

Bragula ist gut vernetzt, steht mit vielen Spielern und Funktionären in ständigem Kontakt. Zu ihnen gehört Atlas-Manager Bastian Fuhrken. „Ich habe ihm versprochen, bei einem Auswärtsspiel mal im Bus mitzufahren“, verrät der Wildeshauser, der den SVA-Kollegen Jürgen Hahn lobt: „Man erkennt sofort seine Handschrift. Die Mannschaft ist gut organisiert.“ 2016/17 spiele der VfL wieder gegen Atlas – in der Landesliga.

Der Zeitplan von Bragula, der die von ihm favorisierten Eigenschaften Teamgeist, Einstellung und Fleiß vorlebt, ist prall gefüllt: „Es gibt nicht viele Momente, in denen ich zu Hause auf der Couch liege“. In einem dieser seltenen Momente verfolgt er die Spiele von Borussia Dortmund mit besonderer Aufmerksamkeit. Wo steht seine Lieblingsmannschaft am Ende der Spielzeit? Er überlegt kurz und meint dann: „Platz vier bis sechs.“ Ganz wichtig sei, dass Dortmund vor Schalke stehe, sagt Marcel Bragula.