Jugendfußball in Delmenhorst Fußballvereine auf Nachwuchssuche

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Beim TuS Hasbergen läuft es gut in Sachen Jugendarbeit. Auch andere Klubs machen Fortschritte. Foto: TobisBeim TuS Hasbergen läuft es gut in Sachen Jugendarbeit. Auch andere Klubs machen Fortschritte. Foto: Tobis

Delmenhorst. Der Fußball-Kreis verliert massiv an männlichen Jugendteams – in Delmenhorst gibt es aber positive Beispiele, wie es gehen kann.

Man kann Cemil Basar wahrlich nicht vorwerfen, dass es ihm an Leidenschaft für seinen Sport oder seinen Verein fehlt. Fußball und der SV Baris sich Kernstücke in Basars Leben, der 24-Jährige ist Jugendobmann – ein ziemlich erfolgreicher sogar – und schrieb seine Bachelorarbeit über den Nachwuchs in Delmenhorster Migrantenvereinen. Es ist also nicht böse gemeint, wenn Basar stöhnt: „Bei Baris sind wir limitiert, das ärgert mich manchmal.“ Denn diese Kritik ist eigentlich ein Kompliment.

Der SV Baris hat seine Anlage an der Delmenhorster Lerchenstraße und verfügt dort über zwei Plätze. Zur kommenden Saison tummeln sich in dem Kreisliga-Klub aber neben drei Herren- und zwei Seniorenmannschaften auch sieben Jugendteams – und Basar musste verkünden: „Wir sind voll, mehr geht nicht.“

Fast zehn Prozent Mitgliederschwund bei den Jungs

Natürlich ist dem Nachwuchschef bewusst, dass es sich hier um ein Luxusproblem handelt; denn insgesamt geht die Tendenz in Sachen Nachwuchskicker eher in die gegenteilige Richtung – jedenfalls bei den Jungs. In zwei Jahren hat der Fußball-Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst im Jugendbereich fast zehn Prozent seiner männlichen Mitglieder verloren; 2014 spielten 3710 Jungs in diesem Einzugsbereich Fußball, 2012 waren es noch 4096. Die Zahl der Mannschaften ist von 266 auf 232 zurückgegangen. „Das ist eine Menge“, findet Basar.

Stadtteilvereine mit vielen Teams, Baris und Atlas auf gutem Weg

In Delmenhorst gibt es allerdings einige Vereine, die dem Trend eindrucksvoll trotzen. Neben Baris sind das zum Beispiel die Stadtteilvereine TuS Hasbergen und TuS Heidkrug, die die meisten Mannschaften stellen. Der SV Atlas hat den Nachwuchs zur Vorstandssache erklärt und ein Budget dafür freigestellet. „Dazu zählt zum Beispiel auch die Weiterbildung der Trainer“, wie der Vorsitzende Jörg Borkus erklärt. In der kommenden Saison werden mindestens sechs Teams in Blau-Gelb auflaufen, je zwei davon in der G- und der E-Jugend. „Wir wollen die Pyramide von der richtigen Seite aufbauen“, sagt Borkus. Nach der Wiedergründung 2012 hatten die Nachbarvereine Atlas in der Frühphase Abwerbeaktionen in der Jugend vorgeworfen, nicht immer unberechtigt, wie Borkus einräumt. Davon allerdings sei der neue Vorstand weit entfernt: „Wir wollen niemandem die Spieler wegnehmen, sondern kontinuierlich arbeiten. Wer gerne zu uns kommen will, ist selbstverständlich willkommen.“

Breitenfußball vs. Leistungsfußball

In den höheren Jahrgängen könnte es im Sommer durchaus zu Verschiebungen kommen. Die Zukunft der Spielgemeinschaft JDH Delmenhorst, an der Hasbergen, der Delmenhorster TB und der TV Jahn beteiligt sind, ist ungewiss. Der DTB steigt aus, die beiden verbliebenen Partner machen weiter, erleben aber mit dem erschreckenden Auftritt der Landesliga-A-Jugend speziell in der Rückrunde und dem wahrscheinlichen Abstieg der B-Jugend eine schwarze Saison. Es wird allgemein vermutet, dass es einige Abgänge geben wird. Wichtig wäre es, die größten Talente überhaupt in Delmenhorst zu halten, findet Borkus: „Wir haben hier viel Potenzial.“ Allerdings, ergänzt Baris-Obmann Basar, kann zu viel Leistungszwang auch abschreckende Wirkung haben. „Ich kann nur für uns sprechen, aber bei Baris geht es vor allem um den Spaß“, sagt er. „Wir setzen auf Breitenfußball ohne Druck, der irgendwann zum Leistungsfußball werden kann. Bei uns funktioniert es super.“ Vielleicht mal abgesehen von den Platzproblemen.


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