Siezen in der Schule, duzen auf Platz Lehrer und Schüler: Ein ungewöhnliches Trainerduo

Alle hören auf ihr Kommando: Marcel Engelhardt (rechts) und Felix Kratz geben ihren Spielern von TuS Hasbergen Tipps.Foto: Frederik BöckmannAlle hören auf ihr Kommando: Marcel Engelhardt (rechts) und Felix Kratz geben ihren Spielern von TuS Hasbergen Tipps.Foto: Frederik Böckmann

Delmenhorst. Beim TuS Hasbergen betreuen Lehrer Marcel Engelhardt und Schüler Felix Kratz die 1. G-Jugend.

Sie schießen und flanken, sie passen und dribbeln, sie jubeln und meckern ein wenig: Am späten Montagnachmittag herrscht beim Fußball-Training der 1. G-Jugend des TuS Hasbergen auf der Anlage Am Tell das übliche Gewusel. Während die Spieler mit großem Eifer dem Ball hinterherjagen, sehen sich an der Seitenlinie ihre Trainer Marcel Engelhardt und Felix Kratz das Treiben an und geben immer wieder Instruktionen. Mal etwas leiser, mal etwas bestimmter, aber immer freundlich.

Während für die fünf- und sechsjährigen Kicker ihr Trainer-Duo die normalste Sache der Welt zu sein scheint, ist diese Hasberger Kombination doch etwas ungewöhnlich: Denn Engelhardt (31) und Kratz (14) sind nicht nur ein Trainer-Team. Nein, sie sind gleichzeitig auch Lehrer und Schüler am Delmenhorster Willms-Gymnasium – eine gewiss nicht alltägliche Konstellation.

„Im vergangenen Herbst brauchte ich einen neuen Co-Trainer und da ist mir aus meinem nahen Umfeld sofort Felix eingefallen“, erzählt Engelhardt. Der Pädagoge (Fächerkombination Erdkunde und Geschichte) und der Schüler kennen sich aus ihrer gemeinsamen Unterrichtszeit in der sechsten Klasse vor zwei Schuljahren. Engelhardt schätzt Kratz’ „zuverlässige und ruhige Art“. Da beide beim TuS Hasbergen aktiv sind, überlegte Felix Kratz nicht lange und sagte sofort zu.

Schule ist Schule, und Fußball ist Fußball

Aktuell unterrichtet Engelhardt den Achtklässler zwar nicht, doch eine Zusammenarbeit würden Lehrer und Schüler auch dann nicht ausschließen. Sie seien beide so professionell, meint Engelhardt, um sagen zu können: „Für die Klassenarbeit musste ich eine Fünf geben. Wir sehen uns dann heute Nachmittag beim Training.“ Wobei Engelhardt augenzwinkernd anmerkt, dass er als Lehrer dem 14-Jährigen vermutlich keine schlechte Note geben müsste – dafür sei Kratz eben ein zu guter Schüler.

Schüler Kratz betreut auch die Torhüter

Apropos Schule: Einige Sprüche musste sich Kratz wegen des Engagements mit seinem Ex-Lehrer anhören, sagt der 14-Jährige. Doch das nehmen die beiden Fußballer gelassen hin – wenngleich die Hasberger eine klare Trennung haben: In der Schule siezen sie sich, außerhalb des Unterrichtes sind sie per Du.

Während des Trainings haben Engelhardt und Kratz eine klare Aufgabenteilung. Engelhardt ist für die Spielformen zuständig, Kratz für die Torwartarbeit und sonstige Übungen. In ihrer Trainingsarbeit sprechen die beiden Trainer aber die gleiche Sprache: Den G-Jugendlichen soll Fußball vor allem Spaß machen, sie legen Wert auf die technischen Fertigkeiten ihrer Akteure, die nötige Disziplin sollen sie aber auch mitbringen. „Wenn ein Spieler nicht hört, dann muss er bei uns auch schon mal zehn Liegestützen machen“, sagt Kratz und ergänzt mit einem Lächeln: „Die vollen zehn Liegestützen hat aber noch niemand geschafft.“

Sechs Tage in der Woche auf dem Platz

Mit der Arbeit bei den jungen Kickern ist das Engagement des Trainer-Duos in Hasbergen aber noch lange nicht beendet. Engelhardt ist außerdem Co-Trainer bei der 2. D-Jugend des TuS, während Kratz bei der C-Jugend im Tor steht und nächste Saison in die B-Jugend der Spielgemeinschaft JDH wechselt. Beide Trainer haben außerdem vor kurzem den Schiedsrichter-Schein bestanden. „Wir stehen sechs Tage die Woche auf dem Fußballplatz“, sagt Kratz. Engelhardt ist außerdem Betreuer der Fußball-Schulmannschaft des Willms-Gymnasiums.

Engelhardts Liebe zum Trainerjob ist übrigens eine weitere Anekdote, die zu der ungewöhnlichen Trainer-Kombination passt. Denn der gebürtige Brandenburger spielte selber nie Fußball im Verein, „nur in der Freizeit“. Nachteile sieht er deswegen nicht. „Als Trainer kann ich mich heutzutage immer weiterbilden.“ Wie gut das klappt, wissen auch seine G-Jugendlichen und Trainer-Kollege Kratz zu schätzen.


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