Ex-Profi beim Volksbank-Cup Torkrokodil Sean Dundee freut sich auf Delmenhorst

Beißt er auch in Delmenhorst zu? „Torkrokodil“ Sean Dundee (hier im Trikot des VfB Stuttgart) war Ende der 1990er Jahre einer der besten Torjäger der Bundesliga.Foto: ImagoBeißt er auch in Delmenhorst zu? „Torkrokodil“ Sean Dundee (hier im Trikot des VfB Stuttgart) war Ende der 1990er Jahre einer der besten Torjäger der Bundesliga.Foto: Imago

Delmenhorst. Sean Dundee war einst der Shootingstar der Bundesliga und schoss sich in das Notizbuch von Berti Vogts. Ein halbes Jahr noch kickt der Mittelstürmer in der badischen Kreisklasse A – dann will der 42-Jährige seine bewegte Karriere beenden.

Nein, Delmenhorst kenne er nicht, sagt Sean Dundee. „Ich habe mir nur Bilder und Videos angeguckt.“ Auch vom SV Atlas habe er noch nie etwas gehört. Ob der frühere Bundesliga-Stürmer nach diesem Wochenende wirklich mehr von der Stadt Delmenhorst zu sehen bekommen hat, darf bezweifelt werden. Aber zumindest kann Dundee dann behaupten, schon einmal in Delmenhorst gewesen zu sein. Denn der Goalgetter ist der prominenteste Spieler im Ex-Profi-Team, das am Samstag ab 16 Uhr beim Hallenkick um den Volksbank-Cup in der Stadionhalle aufläuft.

Beim Budenzauber wollen die Zuschauer vor allem eins sehen: Tore, Tore, Tore. Dafür ist Dundee, der in 162 Bundesliga-Spielen immerhin 61 Treffer erzielte, eigentlich prädestiniert. Oder? „Das müssen wir abwarten“, erklärt Dundee im dk-Gespräch. „Der klassische Hallenspieler war ich nie. Aber mir hat das Spiel immer viel Spaß gemacht.“

Fest steht: Fit wird Dundee auf jeden Fall sein. Denn der Rechtsfuß kickt auch mit 42 Jahren noch immer gegen den Ball – und zwar beim badischen VSV Büchig in der Kreisklasse A, dem Heimatverein seines Sohnes. Dazu besucht Dundee regelmäßig das Fitnessstudio. „Natürlich merke ich das Alter“, sagt er. „Mittlerweile sind meine Gegenspieler viel jünger und spritziger als ich.“ Dundee weiß also, wie er sich im Zweikampf verhalten muss, wenn er gegen potenzielle Qualifikanten wie die Kreisligisten SV Baris Delmenhorst, VfL Stenum oder TV Munderloh spielen muss. „In den Zweikämpfen in der Halle muss man manchmal schon vorsichtig sein“, sagt Dundee. „Ich setze da auf meine Erfahrung und werde viel mit Auge spielen.“

Vom No-Name zum Shooting-Star

Das hatte der junge Sean Dundee vor fast zwei Jahrzehnten noch nicht nötig, als der Stern des Ex-Zweitliga-Spielers in der Saison 1995/1996 beim Karlsruher SC fast kometenhaft aufging. „Ich wurde am neunten Spieltag zur Halbzeit gegen Uerdingen eingewechselt und habe beide Tore zum 2:0-Sieg geschossen“, erinnerte sich der bullige Mittelstürmer noch ganz genau über seine ersten Bundesliga-Treffer.

Danach startete Dundee voll durch, erzielte in den nächsten drei Spielen jeweils ein Tor und hatte am Ende der Saison 16 Treffer auf dem Konto. In der darauffolgenden Spielzeit markierte der 1,87 Meter große Stürmer sogar 17 Tore (in nur 29 Spielen). Dundee stand in diesen zwei Serien dort, wo ein Torjäger stehen muss: immer goldrichtig. Vorher ein No-Name, hatte die Bundesliga plötzlich einen neuen Shooting-Star. Der Boulevard taufte ihn in „das Torkrokodil“.

Im Eilverfahren eingebürgert

Seine Trefferquote machte Dundee auch für den damaligen Bundestrainer Berti Vogts interessant. Der Angreifer sollte die Torflaute in der Nationalelf beheben. Im Eilverfahren wurde der Karlsruher Anfang 1997 als erster Ausländer eingebürgert, damit er für die Nationalmannschaft spielberechtigt ist. Drei Mal wurde Dundee für die DFB-Auswahl berufen. zu einem Einsatz kam es jedoch nicht, „weil ich immer zu den ungünstigsten Momenten verletzt war“ (Dundee). Seine Entscheidung, für Deutschland zu spielen und nicht für sein Heimatland, bereut der Stürmer nicht. „Ich würde es genau so wieder machen.“

Mehr Schlagzeilen neben als auf dem Platz

Seinem rasanten Aufstieg, folgte ein fast ebenso steiler Abstieg. Dundee produzierte in seiner dritten Karlsruher Saison mehr Schlagzeilen neben als auf dem Platz – unter anderem, weil seine Berater mit dem KSC um eine satte Gehaltserhöhung pokerten. „Ich hatte die falschen Freunde und habe in dieser Zeit sehr viele Fehler gemacht“, gesteht Dundee rückblickend.

Die Konsequenz: Er wechselte für damals fünf Millionen Mark vom Wildpark zum FC Liverpool. „Es war ein Traum, dort zu spielen“, sagt Dundee rückblickend. Obwohl ausgerechnet der FC Everton – Liverpools Stadtrivale – als Kind Dundees Lieblingsklub war. Doch an der Anfield Road kam Dundee nicht zurecht – inmitten starker Spieler wie den jungen Michael Owen und Steven Gerrad oder Paul Ince, Steve McManaman und Karl-Heinz Riedle. „Es war eine schwierige Zeit. Ich war lange verletzt, der Verein steckte in einer sportlichen Krise und verschliss in dieser Saison zwei Trainer“, sagt Dundee über seinen kurzen Stopp auf der Insel.

Nach nur drei Kurzeinsätzen wechselte Dundee zurück nach Deutschland zum VfB Stuttgart. Dort blühte Dundee unter Trainer Felix Magath wieder auf, spielte vier ordentliche Jahre (25 Tore in 77 Spielen) , ehe er seine Profi-Laufbahn nach und nach in unteren Profi-Ligen ausklingen ließ – und schließlich in Büchig landete.

Dundee ist mit der Welt und sich im Reinen

„Meine Laufbahn war ein ständiges Auf und Ab“, meint Dundee heute. „Natürlich hätte ich noch viel mehr aus mir rausholen müssen.“ Doch der 42-Jährige blickt ohne Wehmut zurück, ist mit sich und der Welt im Reinen. „Ich bin vom Kopf her frei, ich habe kein schlechtes Gewissen.“

Ein halbes Jahr will Dundee in Büchig spielen, dann beendet er seine Karriere. Sein Fokus liege dann auf seiner Fußballschule, die er in Karlsruhe aufbauen will. Welche Tipps gibt er den Kindern, wenn sie Profi-Fußballer werden wollen? „Sie müssen sich viel Zeit für den Fußball nehmen, Extra-Schichten machen und sollen vor allem den richtigen Leuten vertrauen.“ Und ganz vielleicht erzählt Dundee ihnen auch von seinen Toren beim Delmenhorster Hallen-Kick.


Sean Dundee wurde am 7. Dezember 1972 im südafrikanischen Durban geboren. Der 42-Jährige hat in der Fußball-Bundesliga in 162 Spielen 61 Tore für den Karlsruher SC und dem VfB Stuttgart erzielt. Er spielte noch für die Stuttgarter Kickers, FC Liverpool, Kickenbacher Offenbach, Austria Wien und AmaZulu FC. Aktuell kickt er für den VSV Büchig (Baden) in der Kreisklasse A.

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