Volleyball-Relegation VG Delmenhorst-Stenum greift den letzten Strohhalm

Unabsteigbar – zumindest dieses Mal: Die VG Delmenhorst-Stenum rettete sich in der Relegation. Foto: SchalkUnabsteigbar – zumindest dieses Mal: Die VG Delmenhorst-Stenum rettete sich in der Relegation. Foto: Schalk

Delmenhorst. Die VG Delmenhorst-Stenum übersteht die Relegation und bleibt Volleyball-Oberligist. Eine schwache Saison nimmt für die Mannschaft von Susanne Schalk ein emotionales Ende. Für die Trainerin ist noch nicht Schluss.

Die Diskothek La Viva an der berüchtigten Bremer Meile unweit des Hauptbahnhofs hat durchaus seine Geschichte, was feiernde Sportler betrifft. Fußball-Profi Aaron Hunt wurde in seiner Werder-Zeit ebenso auf der Tanzfläche gesichtet wie Teamkollege Marko Arnautovic, der einst sogar vor der Ausgangstür in eine legendäre Handgreiflichkeit verwickelt war. Am frühen Sonntagmorgen reihte sich nun der harte Kern der VG Delmenhorst-Stenum in diese Gesellschaft ein, die Oberliga-Volleyballer stießen in der Disco auf ihre lange Saison an, die Stunden zuvor ein so glückliches Ende genommen hatte.

Schwächen nur in Satz zwei

Mit 3:1 (25:14, 19:25, 25:17, 25:13) hatte Delmenhorst-Stenum sein Relegationsspiel beim Verbandsliga-Vizemeister VfL Lintorf II gewonnen und damit einen Klassenerhalt geschafft, den noch vor einem Monat kaum jemand für möglich gehalten hätte. „Wir haben immer dran geglaubt“, sagte Trainerin Susanne Schalk. „Ich war mir sicher, dass wir gewinnen würden.“

Die VG-Männer hatten die Relegation überhaupt nur erreicht, weil sie im letzten Saisonspiel dem TV Baden II die Meisterschaft vermiest und Schützenhilfe bekommen hatten. Das war ihnen offenbar auch spannend genug gewesen, denn in Lintorf ließ Schalks Team überhaupt nichts anbrennen. Der erste Satz war für die mit Bus und Fanunterstützung angereisten Gäste beim Zwischenstand von 17:8 praktisch schon entschieden, ein Durchhänger im zweiten wirkte dann wie ein Weckruf. „Lintorf hatte da eine gute Aufschlagserie“, erklärte Schalk. „Diese Inkonstanz war schon während der gesamten Saison unser Problem.“

Rettungsparty im Vereinsheim

Nach dem 25:17 im dritten Durchgang stürmte ihr Team aber schnörkellos dem Sieg entgegen. 3:2, 9:3 und 18:9 hießen die Stationen zum erlösenden Klassenerhalt. „Wir waren eindeutig die bessere Mannschaft“, befand Schalk. Nach der anderthalbstündigen Rückfahrt begann die Rettungsparty im Vereinsheim, wo schon die zweite Damenmannschaft den Aufstieg in die Bezirksliga feierte und die dritte Herrenmannschaft ihr verlorenes Relegationsspiel aufarbeitete. Schalks Nacht endete gegen 1 Uhr, da waren etliche ihrer Spieler, wie erwähnt, noch nicht ganz ausgelastet.

Zum Ausnüchtern bleibt nun eine ganze Weile. Drei bis vier Wochen Trainingspause hat Schalk verordnet, um eine Saison sacken zu lassen, die auch an ihren Nerven empfindlich gezerrt hat. „Es ist vieles nicht richtig gelaufen“, fand sie und meinte unter anderem die vier deutlichen Niederlagen zum Auftakt, die die ohnehin vage Hoffnung auf einen erneuten Angriff auf die Aufstiegsrelegation schon im Oktober platzen ließ.

Stimmungswandel als Schlüssel

Stattdessen gab es sechs Monate Abstiegskampf mit insgesamt neun Niederlagen aus 16 Spielen – die direkte Rettung war am Ende satte zehn Punkte entfernt. Es war das erste Mal seit sieben Jahren, dass einem Oberligisten fünf Siege in der regulären Saison zum Klassenerhalt reichten. Schalk erzählt aber auch, wie sehr sich die Stimmung in den vergangenen Wochen gewandelt hat: „Wir haben am vorletzten Spieltag zuhause gespielt, da habe ich gemerkt, dass sich plötzlich alle zusammengerissen haben. Es hat nicht alles geklappt, aber die Jungs wollten diesen Abstieg mit aller Macht verhindern.“ Der Oberliga-Platz sei elementar für ihren Verein: „Die anderen Mannschaften haben uns auch gesagt, dass wir da hingehören. Die Spieler sind heiß drauf, es nächstes Jahr wieder zu versuchen.“

Schalk will noch keinen Ruhestand

Dann wird der Kader etwas anders aussehen, auch wenn Schalk selbst noch nicht weiß, wie genau. „Es ist der eine oder andere Wackelkandidat dabei“, sagt die Trainerin. Sie selbst gehört nicht dazu – sie wird auch nach mehr als 15 Jahren auf der Bank der höchsten Delmenhorster Volleyball-Mannschaft bleiben. „Ich kann mich jetzt nicht zur Ruhe setzen. Wenn ich gehe, will ich dem Nachfolger etwas hinterlassen, das kann ich nach dieser Saison nur bedingt sagen“, erklärt sie. Ihre Partynacht im La Viva hatten sich ihre Spieler aber trotzdem redlich verdient.


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