Fußball-Kreisliga Der TuS Hasbergen jagt sich selbst

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Schwer zu überwinden: Dauerläufer Jonas Müller und der TuS Hasbergen um Trainer Andreas Lersch (rechts). Foto: Rolf TobisSchwer zu überwinden: Dauerläufer Jonas Müller und der TuS Hasbergen um Trainer Andreas Lersch (rechts). Foto: Rolf Tobis

Delmenhorst. Die Fußballer der TuS Hasbergen spielen ihre beste Kreisliga-Saison seit einem Vierteljahrhundert. Das Trainerduo Müller und Lersch ergänzt sich hervorragend. Die Vereinsrekorde nimmt man erstaunlich nüchtern zur Kenntnis.

1994 sah die Welt in vielen wesentlichen Dingen noch etwas anders aus, Helmut Kohl war zum Beispiel Bundeskanzler, Michael Schumacher zum ersten Mal Formel-1-Weltmeister und die Playstation gerade erst erfunden. Manches Mitglied des TuS Hasbergen wird sich an dieses Jahr vielleicht auch erinnern; so dicht vor der Meisterschaft in der Kreisliga stand ihr Verein seitdem nämlich nie wieder – am Ende wurde der Verein aus dem erst 20 Jahre zuvor eingemeideten Delmenhorster Stadtteil Dritter.

Drei Viertel des aktuellen Hasberger Kaders war damals noch nicht geboren; allerdings ist die Mannschaft 2019 auf gutem Weg, in die Fußstapfen der alten Helden zu treten. Der momentane achte Platz nach dem ersten Teil der Saison mit acht Siegen, einem Unentschieden und acht Niederlagen klingt unspektakulär, ist aber tatsächlich die beste Bilanz seit einem Vierteljahrhundert.

Taktikfuchs Müller und Routinier Lersch

Man könnte meinen, dass das Trainergespann Tim Müller und Andreas Lersch daraus irgendetwas für sich ziehen könnte, eine Bestätigung der bald dreijährigen Zusammenarbeit zum Beispiel, doch die Begeisterung hält sich doch erstaunlich in Grenzen. „Ob wir nun die beste Saison seit 128 Jahren spielen oder nicht, ist jetzt nicht so wichtig“, sagt Müller zum Beispiel. Die Entwicklung der Mannschaft und ihrer Bestandteile sei dann doch wichtiger, findet er – ein Satz, der auch auf jeder Bundesliga-Pressekonferenz fallen könnte.

„Eigentlich ein Jahr hinter dem Plan“

Müller hat sich in seiner Laufbahn als Trainer einen Ruf als Taktikfuchs erarbeitet, der weniger die Beine als den Kopf der Spieler weiterentwickelt. Sein Ziel sei es immer, „jedem Einzelnen etwas beizubringen, das er in seiner weiteren Laufbahn brauchen kann – egal wie lange die Leute letztlich tatsächlich Fußball spielen“. Seitdem er Routinier und Motivator Andreas Lersch unterstützt, haben die Spieler nicht zuletzt das Gewinnen gelernt. Nach einer Saison Anlauf stieg der TuS im vergangenen Jahr mit der historischen Bilanz von 86 Punkten und 28 Siegen aus der 1. Kreisklasse auf. In der Kreisliga jagen die Hasberger nun weiter Rekorde – auch wenn es nur noch Vereinsbestmarken sind. Es klingt schon fast pedantisch, dass Müller da anmerkt, „dass wir eigentlich ein Jahr hinter dem Plan liegen. Wir wollten schon im ersten Jahr aufsteigen.“

Als Müller und Lersch anfingen, gemeinsame Sache zu machen, krempelten sie die Mannschaft mehr als nur ein bisschen um; beide brachten Spieler aus zuvor von ihnen trainierten Jugendmannschaften mit. Zusammen schrieben sie sich eine Spielidee auf die Fahne: Offensivfußball mit Köpfchen, könnte man es vielleicht zusammenfassen. „Wir sind uns einig, dass es mehr Spaß macht, wenn man nach vorne spielt“, sagt Müller. „Die Jungs dürfen auch mal Fehler machen. Das ist menschlich und verzeihlich.“

Erstes Pokalfinale seit 13 Jahren winkt

Zum ersten Mal in ihrer gemeinsamen Amtszeit können Müller und Lersch gerade ohne Druck arbeiten. Mit dem Abstieg wird Hasbergen ziemlich sicher nichts mehr zu tun bekommen, die Spitze ist längst enteilt, also wird die Rückrunde bereits zur Probierphase erklärt. Im ersten Testspiel gab es am Dienstagabend ein 1:2 beim TuS Varrel, dessen Ergebnis Müller „völlig egal“ nannte. Die Pflichtspiele starten am 1. März auswärts beim abstiegsbedrohten FC Huntlosen, 13 Partien stehen insgesamt noch an. In denen will der TuS auch vieles ausprobieren, zum Beispiel Spieler positionsfremd einsetzen, um mögliche verborgene Talente zu entdecken. „Irgendwann wollen wir auch etwas Größeres anpacken. Und dafür müssen wir uns optimal aufstellen“, sagt Müller. „Mancher Spieler könnte auf einer anderen Position noch besser funktionieren, auch wenn er erstmal Fehler macht. Die Zukunft ist da auch wichtiger als irgendein Vereinsrekord in dieser Saison.“ Was die Statistik bestätigt: Die Klasse als Neuling ein Jahr zu halten, ist keine außergewöhnliche Leistung, nur zwei der letzten 15 Kreisliga-Aufsteiger sind direkt wieder abgestiegen. Schwerer wird es in den Jahren danach.

An einem Termin dürfte das Rumprobieren aber verboten sein. Am 1. Mai trifft Hasbergen im Kreispokal-Halbfinale auf den TSV Ganderkesee, es winkt die erste Endspielteilnahme seit der Gründung des Kreises Oldenburg-Land/Delmenhorst. Pokalsiege gab es beim TuS allerdings schon, den letzten im Delmenhorster Wettbewerb 2006 durch ein 2:1 gegen den TuS Heidkrug II. Mittelfeldmann Jan Giza stand damals sogar in der Startelf – und ist einer der wenigen Hasberger, die auch 1994 schon auf der Welt waren.


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