Fußball-Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst Schiedsrichter berichten von Erlebnissen bei Gehörlosen-DM

Von Klaus Erdmann

Leitete gemeinsam mit weiteren Unparteiischen aus dem Fußball-Kreis die Deutsche Gehörlosen-Futsalmeisterschaft: Schiedsrichter Michael Koch. Archivfoto: Rolf TobisLeitete gemeinsam mit weiteren Unparteiischen aus dem Fußball-Kreis die Deutsche Gehörlosen-Futsalmeisterschaft: Schiedsrichter Michael Koch. Archivfoto: Rolf Tobis

Delmenhorst. Spielleiter Michael Koch und fünf weitere Unparteiische aus dem Fußball-Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst haben bei der Gehörlosen-DM der Frauen mitgewirkt. Sie berichten von ihren ungewöhnlichen Erlebnissen und den unterschieden zum gewöhnlichen Fußball.

Schiedsrichter Michael Koch gilt als Futsal-Experte. Das hat er am Sonntag bei der Kreismeisterschaft der Frauen einmal mehr unter Beweis gestellt. Tags zuvor betrat Koch, der im Fußball-Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst als 2. Vorsitzender fungiert, Neuland. Gemeinsam mit fünf weiteren Kreis-Vertretern kam er bei der Deutschen Gehörlosen-Futsalmeisterschaft in Bremen zum Einsatz. (Weiterlesen: Fußball-Kreis wehrt sich: „Robust, aber nicht unfair“)

Premiere für Kreis-Schiedsrichter

„Da die Schiedsrichter unseres Kreises einen guten Ruf haben, sind wir vom Bremer Verband angefordert worden“, sagt Koch, der dem SV Rethorn angehört. Nicht nur für ihn, sondern auch für seine fünf Kollegen Tobias Böden (VfR Wardenburg), Fabian Hüneke (TV Falkenburg), Jendrik Asche (SF Littel), Kevin Stoyke (FC Huntlosen) und Nico Menke (TV Munderloh) bedeutete die Leitung von Begegnungen mit Gehörlosen-Teams eine Premiere.

Vor den Titelkämpfen, die in zwei Huchtinger Hallen auf dem Programm standen, erfolgte eine Einweisung. „Zum Team gehörte immer ein Schiedsrichter des Deutschen Gehörlosen-Sportverbandes, der etwas hören konnte“, berichtete Koch. Der Kontakt sei gut gewesen und man habe sich gut verständigen können.

Atmosphäre für Koch gewöhnungsbedürftig

Der größte Unterschied zum gewöhnlichen Fußballsport liegt in der Kommunikation mit dem Unparteiischen. „Wir haben die Spiele ohne Pfeife geleitet“, sagt Koch. „Entscheidungen haben wir mit der Schiedsrichter-Fahne angezeigt.“ Die Atmosphäre, ergänzt er, habe dafür gesorgt, dass es ihm kalt den Rücken runtergelaufen sei. Man hätte eine Stecknadel zu Boden fallen hören. Koch: „Das Faszinierendste war die Siegerehrung. Es wurde nicht geklatscht, sondern die Arme wurden hochgereckt.“

Beim Spiel Stuttgart gegen Karlsruhe (2:1) sei es „heiß hergegangen“. Eine Stuttgarterin habe ihre Gegnerin heftig gestoßen. „Ich musste ihr die Rote Karte zeigen“, so Koch. Auch nach dem Abpfiff hätten sich die Beteiligten nicht beruhigt.

Koch: „Sport schult die sozialen Fähigkeiten“

Im Finale siegte Essen gegen Freiburg mit 4:0. Dritter wurde Dresden (7:1 über Stuttgart). Rund 55 Vereine mit mehr als 100 Mannschaften und über 2000 Spielern sind im Gehörlosenfußball aktiv. Viele Teams spielen in den regulären Ligen der DFB-Landesverbände mit. Koch nach seinem Einsatz bei der Futsal-DM der Frauen: „Sport verbindet. Sport schult die sozialen Fähigkeiten.“


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