Werder-Spieler im Nationalteam Emre Karagöz debütiert im Schnee Moldawiens für die Türkei

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Kapitän von Werder Bremens U16 – und Jung-Nationalspieler: der Delmenhorster Emre Karagöz. Foto: Daniel NiebuhrKapitän von Werder Bremens U16 – und Jung-Nationalspieler: der Delmenhorster Emre Karagöz. Foto: Daniel Niebuhr

Bremen. Der Delmenhorster Emre Karagöz feiert seinen Einstand für das türkische U16-Nationalteam. Der Verteidiger von Werder Bremen gewinnt seine ersten beiden Länderspiele für die Türkei. Im Schulalltag wartete danach erst einmal eine Physik-Arbeit.

Es lag eigentlich überall Schnee, als Emre Karagöz den bisher größten Augenblick seiner Fußballer-Karriere erlebte – auf dem Tribünendach, auf den Häusern drum herum und an der Seitenlinie, wo sich regelrechte weiße Dünen auftürmten. Es waren minus sechs Grad in Vadul lui Voda, als Karagöz mit der türkischen U16-Nationalmannschaft auf Moldawien traf – es ehrte Karagöz, dass er zumindest zur Nationalhymne noch keine Handschuhe trug. „Es war relativ kalt“, befand der 15-Jährige. „Die Temperaturen waren ähnlich wie in Deutschland. Das war für mich keine große Umstellung.“

In dieser etwas unwirklichen Umgebung – im 5000-Einwohner-Ort vor den Toren von Moldawiens Hauptstadt Chisinau – stand der Delmenhorster am 23. November erstmals in der Startelf des türkischen Teams. Karagöz lief in der Innenverteidigung auf und gewann sein zweites Länderspiel mit 1:0, tags zuvor war er beim 9:2 bereits in der 68. Minute eingewechselt worden. Immerhin war Karagöz als Norddeutscher in der Kälte klar im Vorteil gegenüber seinen Teamkollegen – 15 der 20 Nationalspieler spielen in der Türkei.

Debütant: Emre Karagöz (rechts) bei der Nationalhymne vor dem Spiel in Moldawien mit den Teamkollegen Samet Halvaci von Galatasaray und Furkan Yasa von Kasimpasa. Foto: Mesut Karagöz

Sein Debüt in Moldawien war das letzte große Kapitel in einem Jahr, das Karagöz so schnell nicht vergessen wird. Der Sohn von Ex-Profi Mesut Karagöz war zuvor als Kapitän schon mit Werder Bremens U15 Regionalliga-Meister und Landespokalsieger geworden und beim Lehrgang der deutschen U15-Nationalmannschaft dabei gewesen. Auch der türkische Verband hatte ihn längst auf dem Schirm –  und nominierte ihn für die U16. „Ich habe nach dem Länderspiel natürlich Glückwünsche von meinen Freunden bekommen“, sagt Karagöz. „Meine Familie hat mich auch immer unterstützt.“

Inzwischen ist er wieder im Alltag angekommen, sportlich in der B-Jugend-Regionalliga und schulisch am Delmenhorster Gymnasium an der Willmsstraße, wo er nach seiner Rückkehr erst einmal eine Physik-Arbeit nachschreiben musste – am Samstag und trotz des traditionellen Willms-Weihnachtsbasars.

Karagöz trug es mit Fassung, überhaupt ist er keiner, der allzu häufig die Stimme erhebt – dennoch hat Werder ihn zum Spielführer der U16 gemacht. Als einziger Bremer Spieler hat er noch keine Liga-Minute verpasst; um seine weiße Weste zu retten und die Partie gegen den JFV Nordwest nicht zu verpassen, hat er sogar seinen Flug zum Nationalteam nach Istanbul verschoben. „Ich wollte meiner Mannschaft helfen“, sagt er. Beim 3:0-Sieg ist das auch gelungen.

Nervenstark in ungewohnter Länderspiel-Atmosphäre

Die Ruhe, die er ausstrahlt, half ihm auch bei seiner Reise nach Moldawien. Manch einem gehen in ungewohnter Länderspiel-Atmosphäre die Nerven durch – Karagöz dagegen war verblüffend entspannt. „Es ist natürlich schon etwas Besonderes mit der Nationalmannschaft und allem“, sagt er. Aber: „Ich war nicht sonderlich aufgeregt, für mich war es ein normales Spiel. Es ist dennoch etwas Besonderes für die Nationalmannschaft aufzulaufen.“ Wobei seine Startelf-Premiere doch ein Gänsehaut-Moment war: „Das zweite Spiel war schon spezieller.“ Etwas Pech hatte er allerdings auch: Nach einem Pferdekuss musste er in der 38. Minute raus – eine Vorsichtsmaßnahme.

Seinem Club war die Nominierung für die Türkei natürlich trotz der leichten Verletzung recht. Werder darf sich mit einem guten Dutzend Junioren-Nationalspieler verschiedener Jahrgänge schmücken, die meisten davon spielen für Deutschland.

Das Ziel mit Werder? Meister werden!

Nach seiner Rückkehr akklimatisierte sich Karagöz schnell und gewann mit Werder beim Tuspo Surheide mit 2:1. Die Grün-Weißen sind Tabellenzweiter und punktgleich mit Spitzenreiter Hamburger SV II. Überhaupt ist die Regionalliga voll mit Profi-Nachwuchs, der VfL Wolfsburg und Holstein Kiel sind ebenfalls mit U16-Teams dabei, Eintracht Braunschweig, der VfL Osnabrück und der SV Meppen sind mit ihrer U17 vertreten. „Es ist schon hart als jüngerer Jahrgang“, findet Karagöz.

Doch das macht ihn nur noch ehrgeiziger: „Unser Ziel ist es, Meister zu werden.“ Aufsteigen können die Bremer nicht, weil darüber nur noch die Bundesliga kommt, und in der spielt bereits Werders U17.

Die wird auch für Emre Karagöz der nächste große Schritt sein. Gut möglich, dass zu seiner Vita 2019 seine Bundesliga-Premiere dazu kommt – vielleicht sogar eine weitere Länderspiel-Reise, wenn der türkische Verband wieder anruft. Zumindest seine Widerstandsfähigkeit hat er im Schnee Moldawiens ja schon nachdrücklich bewiesen.


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