Delmenhorster Turnverein Grotelüschen verspricht Verbesserungen im Ehrenamt

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Kerstin Froburg (links) diskutiert mit Astrid Grotelüschen über Ehrenamt im Sportverein. Foto: Marie BusseKerstin Froburg (links) diskutiert mit Astrid Grotelüschen über Ehrenamt im Sportverein. Foto: Marie Busse

Delmenhorst. Das Ehrenamt verlangt mitunter viel: Zeit, Engagement und manchmal auch Geld. Die örtliche Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen verspricht mehr Wertschätzung.

26 Jungen und Mädchen in weißen Ju-Jutsu-Anzügen liegen zusammengekauert auf den Matten der Sporthalle Am Stadtbad. Auf Kommando von Reiner Sonntag, dem Leiter der Ju-Jutsu-Abteilung, winden sich die Kinder von links nach rechts, von rechts nach links. Der Gegner soll sie nicht am Kopf fassen können. Vier Trainer und Sonntag beobachten die Übungen, drehen Kinder in die richtige Position oder binden den Gürtel wieder zu.

250 Ehrenamtliche im Verein engagiert

Sie sind fünf von insgesamt 250 Ehrenamtlichen, die den Delmenhorster Turnverein (DTV), den größten Delmenhorster Sportverein, am Laufen halten. Und sie investieren viel Zeit: In der Ju-Jutsu-Abteilung etwa acht Stunden die Woche, sagte Abteilungsleiter Sonntag. Ein Übungsleiter etwa beginne seine Schicht als Kraftfahrer extra um zwei Uhr morgens, um abends beim Training dabei zu sein. Sonntag: „Der Sport ist eine Auszeit für Übungsleiter und Teilnehmer. Von den Kindern und vom Verein bekommen wir sehr viel zurück.“

Dennoch, mehr Wertschätzung für das Ehrenamt wünscht sich Sonntag schon. Denn der Einsatz für die Mitmenschen sei nicht nur mit Zeit, sondern auch mit Aufwendungen wie Fahrtkosten verbunden. Von der Politik brauche es da mehr als warme Worte.

Geschäftsstelle übernimmt Verwaltungsaufgaben

Immerhin, im DTV übernimmt die Hauptgeschäftsstelle mit drei hauptamtlichen Mitarbeitern alle Verwaltungsaufgaben. Eine komfortable Situation, finden Vereinsvorsitzende Kerstin Frohburg und Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen (CDU), die anlässlich des Tages des Ehrenamts den Verein besuchte. Grotelüschen sieht darin eine Chance für kleinere Vereine: Sie könnten von den Erfahrungen des DTV profitieren, vielleicht sogar Verwaltungsaufgaben an größere Vereine mit Geschäftsstelle auslagern. Die Idee sei gut, aber die Arbeit mit der derzeitigen Besetzung nicht zu leisten, erklärte Frohburg. Erst vor Kurzem stockte eine Mitarbeiterin ihre Stunden auf, nur um die Anträge ihrer Mitglieder zu bewältigen. Ein Vorschlag der Bundestagsabgeordneten, um das Ehrenamt attraktiver zu machen: eine Bundesstiftung, die bei Anträgen Hilfe leistet.

Besonders aufwendig für die Verwaltung sei der Rehasport; jede Krankenkasse habe ihre eigenen Anträge, ihre eigenen Standards. Hier forderte Frohburg einfachere und einheitliche Anträge.

Weniger Nachwuchs beim Ehrenamt

Ein Thema, das dem DTV unter den Nägeln brennt, ist der Nachwuchsmangel. Frohburg führte als Beispiel zwei junge Einradfahrerinnen an, die zunächst keine Trainingsaufgaben übernehmen wollten, weil sie nicht wussten, wo sie nach der Schule hingehen. Nach einiger Überzeugungsarbeit entschieden sich die jungen Frauen, doch im Verein aktiv zu werden.

„Die mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Ehrenamt ist das größte Hindernis“, stellte die Vereinsvorsitzende klar. Ehrenamtliche müssten nicht gleich wie Feuerwehrleute freigestellt werden, aber ein wenig Entgegenkommen sei notwendig.

Grotelüschen verspricht steuerliche Entlastungen

Die Bundestagsabgeordnete stellte indes eine steuerliche Entlastung für Ehrenamtliche in Aussicht: „Das darf aber nicht zum Anreiz werden.“ Vielmehr könnte das verpflichtende freiwillige Jahr junge Menschen an Verantwortung in der Gesellschaft heranführen. Und es müsse gelingen, mehr Migranten für das Ehrenamt zu begeistern.

Vonseiten des DTV wurde überdies beklagt, dass die Genehmigung von Fördermitteln für die Sportstätten an zu hohen bürokratischen Hürden scheitere. „Es ist uns manchmal unangenehm, wenn andere Vereine bei Turnieren zu Gast sind“, gestand Frohburg ein und ergänzte: „Damit sind wir auch für Ehrenamtliche nicht attraktiv.“


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