Adrenalin-Kick auf Buckelpisten Vier Talente aus dem Landkreis geben für MSC Moor Gas

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Stenum. Miriam Ahrens, Madeline Ohsmer, Henning Stöver und Sha’re Stöver starten für den MSC Moor. Der Schönemoorer Verein mit Sitz in Stenum freut sich über die erfolgreichen jungen Autocross-Fahrer. In ihren Rennen ist die PS-Zahl der selbst vorbereiteten Autos „nicht so entscheidend“.

Plötzlich wollte Miriam Ahrens alles hinschmeißen. „Ich hatte wirklich die Schnauze voll“, sagt die 22-Jährige und lacht. Sie, die fröhliche Powerfrau, die erfolgreiche Nachwuchsfahrerin des Motorsportclubs (MSC) Moor zweifelte plötzlich an ihrem Können. Während des Norddeutschen ADAC Autocross Cups (NAX) lief in dieser Saison in der für sie neuen Klasse 2 zunächst wenig zusammen. Die ersten beiden der sechs Rennen musste sie absagen, weil es technische Probleme mit ihrem Wagen gab. In den Rennen drei in Hoope und vier in Uelzen fuhr Miriam Ahrens dann nur hinterher – statt wie üblich vorneweg.

Sie hatte zum einen (noch) kein konkurrenzfähiges Auto. Und auch ihre Leistungen stimmten nicht. Als die Ganderkeseerin dann einmal das Gas- mit dem Bremspedal verwechselte, „habe ich wirklich überlegt, ob das wirklich alles noch Sinn macht. Ich habe so viel Zeit und Geduld in mein Hobby gesteckt. Und jetzt dachte ich wirklich: Ich habe das Fahren verlernt.“

Großer Erfolg in der Lüneburger Heide

Hatte sie aber nicht. Denn Miriam Ahrens drehte zum Saisonende im NAX-Cup so richtig auf. In Mölln siegte sie im Klassenfinale und wurde Dritte im Superfinale. Das übertraf die 22-Jährige beim letzten Rennen am Uhlenköper-Ring in Uelzen sogar. Dort fuhr sie nach Platz zwei im Klassenfinale noch zum überraschend-überragenden Sieg im Superfinale. „Einfach super toll“ sei das Gefühl nach dem rauschenden Saisonfinish in der Lüneburger Heide gewesen, erzählt Miriam Ahrens rückblickend mit einem Lächeln im Gesicht.

Die Physiotherapeutin ist neben Madeline Ohsmer, Sha’re Stöver und Henning Stöver einer der Nachwuchscracks des MSC Moor, der nach seinem Hallenbrand im Februar 2015 mit vielen zerstörten Autos wieder positiv in die Zukunft blickt. Der MSC mit seiner wieder aufgebauten Halle am Steenhafer Berg in Stenum ist vor allem ein familiärer Club – und so sind auch Miriam Ahrens und Co in die Motorsportszene reingerutscht. „Wir sind alle über unsere Eltern oder Verwandten zum Motorsport gekommen“, sagt Ahrens und erzählt lachend: „Ich glaube, die ersten Geräusche, die ich als Baby wahrgenommen habe, waren Motorengeräusche.“

Stenumer Familienduelle auf sandigen Pisten

Den Eltern, Verwandten und Bekannten sah Ahrens vom Streckenrand aus schon als Kleinkind immer zu. Und es reizte sie und ihre Mitstreiter natürlich, auch selbst einmal über die sandigen, buckeligen Pisten im Gelände mit einem der umgebauten Wagen zu steuern. „Das gibt schon ab dem Start einen besonderen Adrenalin-Kick“, sagt der 18-jährige Henning Stöver. „Und es macht natürlich Spaß, wenn es auf der Strecke zu Familienduellen kommt.“ Zum Beispiel gegen seine Cousine Sha‘re, gegen die er in der Jugendklasse fuhr. Und die 17-jährige Sha‘re Stöver findet es „natürlich auch spannend, mal die Jungs ärgern zu können“. Denn im NAX-Cup gibt es nur gemeinsame Konkurrenzen, nicht nach Geschlechtern getrennt.

Mit Vollgas um die Kurve: Sha’re Stöver vom MSC Moor (vorne rechts) fährt vorne weg. Foto: Hartmut Steiner

Mit bis zu 100 Stundenkilometern rasen die MSC-Nachwuchscracks je nach Begebenheiten der Strecke über die Piste. „Man muss konzentriert und mit Köpfchen fahren, um zu gucken, wo man überholen kann“, sagt Ahrens. „Die PS-Zahl ist dabei nicht so entscheidend.“

Kleinere Unfälle passieren auf den Strecken trotz aller Sicherheitsvorkehrungen schon. Angst vor Verletzungen habe sie allerdings nicht. Ein gewisser Respekt vor Strecken und Gegnern sei aber wichtig, betont Miriam Ahrens. Sieben Mal hat sie sich in ihrer Karriere seit dem Start 2011 bislang überschlagen, bis auf kleinere Verletzungen ist aber immer alles glimpflich ausgegangen. Sie betont mit einem Schmunzeln: „Ich war beim Fußball häufiger und schwerer verletzt als beim Autocross.“ Ahrens kickte zu Jugendzeiten beim Nachbarverein VfL Stenum.

Im Fahrerlager geht es familiär zu

Doch kleinere Wehwehchen und Blessuren nehmen die MSC-Fahrer gerne in Kauf. Denn die sechs langen Wochenenden zwischen April und Oktober, an denen die Rennen stattfinden, entschädigen für vieles. Dabei geht es nicht nur um den sportlichen Ehrgeiz bei den Rennen um schnelle Zeiten und Pokale, sondern auch um das familiäre Flair. Von freitags bis sonntagabends schlagen sie ausgestattet mit ihren Trailern ihr Fahrerlager auf. Es wird gesungen, gegrillt und geschnackt. „Das hat etwas von Festival-Atmosphäre“, schwärmt Ahrens. „Wir Motorsportler sind trotz aller Konkurrenz eine große Rennplatz-Familie.“

Autocross ist ein kostspieliges und zeitintensives Hobby. Die jungen MSC-Sportler wissen es deshalb sehr zu schätzen, dass sie von ihren Familien stark unterstützt werden. Miriam Ahrens kaufte ihren Honda Civic zusammen mit ihrem Vater extra in der Schweiz, ehe der ihn an unzähligen Abenden im Vereinsheim „schlachtete“, um ihn fahrtüchtig zu machen.

Dieser Arbeitsaufwand sollte sich indes lohnen. Ende November tauschten die Motorsportler ihre Overalls gegen schicke Abendkleidung bei der Jahresabschlussfeier des NAX-Cups. Obwohl Miriam Ahrens eigentlich nur bei den letzten Reihen gepunktet hatte, belegte sie in der Erwachsenen-Klasse in der Gesamtwertung noch Rang sechs. Und dürfte sich sicherlich noch einmal schmunzelnd daran erinnert haben, dass sie ihre Laufbahn eigentlich schon beenden wollte. Was sie dann zum Glück aber doch nicht tat.


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