Keine Klarheit in der Trainerfrage SV Atlas Delmenhorst muss weitersuchen

Von Klaus Erdmann und Daniel Niebuhr

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Ist und bleibt ein Wildeshauser: Marcel Bragula sagte dem SV Atlas ab, was VfL-Abteilungsleiter Ottmar Jöckel (rechts) freute. Foto: Richard SchmidIst und bleibt ein Wildeshauser: Marcel Bragula sagte dem SV Atlas ab, was VfL-Abteilungsleiter Ottmar Jöckel (rechts) freute. Foto: Richard Schmid

Wildeshausen. Die Absage von Marcel Bragula erhöht den Zeitdruck in der Trainerfrage für den Fußball-Oberligisten SV Atlas Delmenhorst. Bis zum Jahresende soll Klarheit herrschen.

Ausgerechnet am 29. Mai 2015, diesem bittersten Abend in der Geschichte des neuen SV Atlas, gab es einen magischen Moment, in dem man kurz die Zukunft des Delmenhorster Fußball-Projekts gesehen zu haben glaubte. Gerade hatte Marcel Bragula mit dem VfL Wildeshausen Atlas am letzten Bezirksliga-Spieltag vor 4000 Zuschauern das legendärste 1:1 der Clubhistorie abgetrotzt und dem hohen Favoriten den Landesliga-Aufstieg weggeschnappt. Direkt danach kämpfte er sich durch die Wildeshauser Zuschauer, die den Platz im Krandelstadion gestürmt hatten, bis hin zum Delmenhorster Anhang. In der Stunde des größten Triumphes bedankte sich Bragula bei den Fans des Gegners – und man war plötzlich sicher, dass dieser Mann irgendwann bei Atlas auf der Bank sitzen würde.

Fuhrken lobt Bragulas Loyalität

Zumindest in dieser Saison wird das wohl nicht mehr passieren. Wunschkandidat Bragula hat das Angebot des inzwischen in der Fußball-Oberliga spielenden SV Atlas abgelehnt und wechselt nicht im Winter von Wildeshausen nach Delmenhorst. „Wir vertreten Werte wie Loyalität, Anstand und Verlässlichkeit. Ein Wechsel zu diesem Zeitpunkt steht damit nicht im Einklang“, sagte der Coach. Viele seiner Spieler hätten auch schon Angebote abgelehnt, „um meinen Idealen zu folgen. Meine Entscheidung fiel aus Respekt vor meinen Spielern.“

Den Ausschlag gaben wohl interne Gespräche mit Spielern und Funktionären um Abteilungsleiter Ottmar Jöckel beim VfL am Dienstagabend. Danach überbrachte Bragula dem befreundeten Atlas-Leistungsfußball-Leiter Bastian Fuhrken seine Absage. Und Fuhrken verkündete am Mittwochmorgen: „Es zeichnet Marcel als Typ aus, dass er das gegebene Wort hält. Für uns und die Entwicklung von Marcel ist es allerdings schade.“

Die Lage für Atlas ist damit verzwickter denn je. Schon die überraschende Trennung von Trainer Jürgen Hahn, der mit dem Team dreimal aufgestiegen und zum Zeitpunkt seiner Entlassung Oberliga-Vierter war, war nicht allen einfach zu vermitteln. Mit dem öffentlich gemachten Angebot für Bragula ging der Club nun erneut ins Risiko – ohne Erfolg. „Ich gehe damit sportlich um“, sagte Fuhrken. „Ich wusste, dass es schwierig ist, einen Trainer, der einen laufenden Vertrag besitzt, zu bekommen. Ich kenne die Verbundenheit und Gemeinschaft in Wildeshausen. Ich musste damit rechnen, eher eine Absage als eine Zusage zu bekommen.“

Rückrunde wird richtungsweisend für den Verein

Genauso kam es nun, womit Fuhrken nicht nur das Team – zusammen mit Reserve-Coach Daniel von Seggern und Manager Benno Urbainski – auf das schwere Auswärtsspiel beim VfV Hildesheim am Sonntag vorbereiten, sondern auch das Trainer-Casting weiterführen muss. Kandidaten gibt es genügend, rund 40 haben sich selbst beim Verein gemeldet. Man hörte prominente Namen wie Weltmeister Günter Hermann und Werder-Legende Frank Neubarth, der zuletzt auch Zaungast bei Atlas-Spielen war. „Wir haben uns mit einer Vielzahl von Trainern beschäftigt“, sagte Fuhrken, der am Sonntag allerdings noch bekannte, noch mit keinem außer Bragula verhandelt zu haben. So oder so wächst der Zeitdruck: „Bis zum Ende des Jahres wollen wir Klarheit haben.“

Der neue Mann an der Linie sollte in jedem Fall stressresistent sein, denn dem Club steht ein richtungsweisendes Frühjahr bevor. Im Niedersachsenpokal-Halbfinale (und dem möglichen Endspiel) geht es um viel Geld, in der Oberliga um die womöglich einmalig günstige Gelegenheit, um den Regionalliga-Aufstieg mitzuspielen. Bragula verfolgt den Weg nun aus der Ferne – als „bekennender Fan mit Bratwurst und Bier im Stadion. Atlas wird seine Erfolgsgeschichte weiterschreiben. Weil gute Arbeit immer belohnt wird.“


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