Kraftsport Vier Delmenhorster stemmen WM-Goldmedaillen

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Vier Delmenhorster Kraftsport-Weltmeister und ihr Fanclub: Arne Stanner, Klaus Rodewyk, Frank Deneke, Steven Körner, Manfred Cebulla und Anna Dierks. Foto: Lars PingelVier Delmenhorster Kraftsport-Weltmeister und ihr Fanclub: Arne Stanner, Klaus Rodewyk, Frank Deneke, Steven Körner, Manfred Cebulla und Anna Dierks. Foto: Lars Pingel

Delmenhorst. Bankdrücken, Kreuzheben und Kniebeugen – das sind die Disziplinen, in denen die Delmenhorster Anna Dierks, Steven Körner, Klaus Rodewyk und Manfred Cebulla erfolgreich sind. Die Kraftsportler gewannen bei der Weltmeisterschaft 2018 des Verbands WPU in Derby Goldmedaillen und stellten Weltrekorde auf.

Klaus Rodewyk lacht. „Eigentlich“, sagt er dann, „eigentlich bin ich nur zum Abnehmen hierher gekommen.“ Hier, das ist das „Fit & Chic Sportstudio“ an der Jägerstraße in Delmenhorst. In dem sitzt der 64-Jährige entspannt vor einem Becher Kaffee an einem Tisch neben dem Anmeldetresen und plaudert mit drei anderen Kraftsport-Weltmeistern nach den Regeln des Verbands WPU (World Powerlifting Union). Am letzten Oktober-Wochenende waren er, Anna Dierks, Manfred Cebulla und Steven Körner bei den Titelkämpfen im englischen Derby erfolgreich. Nach den Disziplinen Bankdrücken, Kreuzheben und Kniebeugen hatten Dierks, Rodewyk und Körner dort im Dreikampf mit Bankdrücken, Kniebeugen und Kreuzheben in ihren Alters- und Gewichtsklassen das beste Ergebnis, also die höchste Kilogrammzahl, erzielt. Cebulla startete „nur“ im Bankdrücken und Kreuzheben.

Zwei Fans reisen mit

Die Erfolge der Delmenhorster sorgten auch bei Arne Stanner und Frank Deneke für mächtig Freude. Sie hatten sich zu den Vier gesellt, um noch einmal von den Tagen in Derby und vor allem von der schönen Party in einem Pub nach dem letzten Wettkampf zu schwärmen. Sie sind der Fanclub des Quartetts, vor allem aber von Rodewyk wie ihre T-Shirts verraten. Sie haben sich für ihn kurzerhand das auch durch eine Fastfoodkette bekannte Kürzel „KFC“ zu eigen gemacht: Klaus’ Fan Club. „Das war eine spontane Idee“, erzählen sie. „Wir haben gesagt, wenn sich Klaus für die WM qualifiziert, fahren wir hin.“ Das war Ende Juni, Klaus Rodewyk bereitete sich auf die WPU-Europameisterschaft vor. Er holte dann am ersten Juli-Wochenende in der Nähe von Amsterdam den Titel – und hatte sich das WM-Startrecht gesichert. Stanner und Deneke begannen daher ebenfalls, ihre Reise nach Großbritannien zu planen. Das galt auch für Dierks, Cebulla und Körner, denn auch sie hatten EM-Titel gewonnen. Zuvor waren die vier Delmenhorster schon bei der Meisterschaft ihres deutschen Verbands, der GPU (German Powerlifting Union), erfolgreich gewesen.

Drei Jahre ist es her, dass er mit dem Plan, ein bisschen Kraft- und Cardiotraining zu machen, zum ersten Mal durch die Eingangstür des Studios gegangen war, erzählt Rodewyk. „Ich wog damals 125 Kilogramm und hatte mir zum Ziel gesetzt, auf 100 zu kommen.“ Kreislaufprobleme, zu hoher Blutdruck und ein Sohn, der mit Nachdruck darauf hinwies, dass dies besonders gut durch Sport in den Griff zu bekommen ist, waren die Auslöser. Rodewyk erreichte schnell sein Ziel. „Ja, auf jeden Fall. Ich fühle mich wieder großartig“, sagt er. Und auch sein Wunschgewicht erreichte er im Grunde. Dass er es derzeit um fünf Kilogramm übertrifft, dürfte an Manfred Cebulla liegen. „Du hast aber 20 Kilo abgenommen“, merkt der grinsend an. Er nimmt bereits seit 2003 erfolgreich an Wettkämpfen teil, hat zudem viele Sportler dafür vorbereitet. Er war 15 Jahre lang Inhaber des Studios, das inzwischen von Andreas Oestmann übernommen wurde. Als Cebulla sah, wie Rodewyk trainierte, sprach er ihn an. Rodewyk reizte die Idee, er setzte sie in die Tat um. In Derby stemmte er im Bankdrücken 120 Kilogramm, im Kreuzheben kam er auf 180 Kilogramm und beim Kniebeugen ebenfalls auf 180 Kilogramm. Damit wurde er Weltmeister der Altersklasse M(aster) 5 in der Gewichtsklasse bis 110 Kilogramm.

Anna Dierks stellt Weltrekorde auf

Rodewyk wurde während des Wettkampfs nicht nur von seinem Fanclub angefeuert und gefeiert. Auch die anderen drei Delmenhorster sowie die zwölf weiteren deutschen Athleten sorgten für lautstarke moralische Unterstützung. „Einer unterstützt den andern, das ist eine tolle Gemeinschaft“, sagt Anna Dierks. Die 22-Jährige begann vor dreieinhalb Jahren mit dem Kraft- und Fitnesstraining, um „mal ein bisschen Sport zu treiben“. Auch sie fiel Cebulla auf, auch sie konnte er begeistern. „Das macht Spaß“, sagt Dierks über die Wettkämpfe, die auch mal mehr als 1000 Zuschauer verfolgen. Sie startet bei den Juniorinnen bis 75 Kilogramm. In Derby stellte sie zwei Weltrekorde auf: 130 Kilogramm im Kniebeugen und 147,5 Kilogramm im Kreuzheben. Dazu kamen 72,5 Kilogramm im Bankdrücken. Das Gesamtergebnis von 330 Kilogramm machte sie zur WPU-Weltmeisterin: „Das ist schon gewaltig und aufregend.“

Im WM-Wettkampf sei – wie bei allen anderen auch – viel taktiert worden. Das beginnt mit dem Einstiegsgewicht, denn in jeder Disziplin hat jeder Starter drei Versuche. Die Konkurrenz beeindrucken, aber noch Luft nach oben haben, ist das Motto. „Und dann sitzen wir mit einem Taschenrechner da und gucken, was die Konkurrenz macht“, erzählt Dierks. Die gehobene Leistung wird ins Verhältnis zum Körpergewicht gesetzt. Es gilt, zu errechnen, wie viel Gewicht beim nächsten Versuch auf die Hanteln gelegt wird, um in Führung zu gehen.

Klar, Titel zu gewinnen, ist eine große Motivation. Steven Körner gelang das im Februar, bei der DM, in seinem ersten Wettkampf. „Dann habe ich angegriffen“, sagt der 23-Jährige, der in Derby mit 540 Kilogramm den WM-Dreikampf der Junioren bis 90 Kilogramm gewann (Kniebeuge: 175; Kreuzheben: 235; Bankdrücken: 130). „Es auch ein Reiz immer stärker zu werden“, erklärt Körner und bekommt Zustimmung von Dierks: „Dass ich mal mehr als 140 Kilogramm im Kreuzheben schaffe, konnte ich mir vorher nicht vorstellen.“

Motivator Cebulla strahlt, wenn seine drei Mitstreiter von ihren Erfolgen erzählen. Und er selbst. „Bankdrücken war nicht gut“, antwortet er. Das Kreuzheben um so besser: 280 Kilogramm Titel und Weltrekord in Klasse M4 (50 bis 55 Jahre) bis 100 Kilogramm.

Delmenhorster werden mit Mannschaft Vizeweltmeister

Die Delmenhorster gehörten außerdem zum neunköpfigen Team (Männer und Frauen), das hinter Gastgeber und Rekordweltmeister Großbritannien Silber gewann. „Nächstes Jahr gewinnen wir“, meint Cebulla. Arne Stanner und Frank Deneke, der KFC, werden also wieder Reisen planen und organisieren können, denn Cebullas Satz beinhaltet ja auch das Versprechen, dass er, Dierks, Körner und Rodewyk weiter leistungs- und wettkampforientiert trainieren wollen. Deshalb kommen sie vier- bis fünfmal pro Woche in ihr Studio. Meistens gilt dann ein Motto. „Mehr als fünf Wiederholungen sind Cardio-Training“, sagt Klaus Rodewyk – und grinst in die Kaffeerunde.


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