Fußball-Oberliga SV Atlas hakt Sieg gegen BV Cloppenburg schnell ab

Meine Nachrichten

Um das Thema Lokalsport Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Sieht gefährlich aus, wurde es aber nicht: Atlas-Angreifer Marco Prießner (rechts) erwischte gegen Cloppenburg keinen guten Tag. Foto: Rolf TobisSieht gefährlich aus, wurde es aber nicht: Atlas-Angreifer Marco Prießner (rechts) erwischte gegen Cloppenburg keinen guten Tag. Foto: Rolf Tobis

Delmenhorst. Mit einem historischen Heimerfolg hat der SV Atlas Delmenhorst seinen Negativlauf in der Fußball-Oberliga gegen den BV Cloppenburg gestoppt. Ein Erfolgsfaktor war die stabilere Defensive, die erstmals seit vier Spielen gegentorlos blieb.

Florian Urbainski schüttelte kurz beide Fäuste, pustete seine Backen durch und war nach dem Schlusspfiff des Oberliga-Heimspiels gegen den BV Cloppenburg schon auf dem Weg in Richtung Torwarttrainer Henry Kampert, als der Keeper des SV Atlas Delmenhorst von drei jungen Fans aufgehalten wurde. Aus einem guten Grund: Urbainski sollte nach dem nach 90 Minuten hochverdienten 3:0 (0:0)-Erfolg seiner Elf Autogramme schreiben, was nach Spielen beim Fußball-Oberligisten durchaus öfter vorkommt.

Der Fannachwuchs bewies nach dem Spiel gegen einen biederen Gegner ein gutes Gespür für seine Spielerauswahl. Denn Urbainski hatte zum einen mit einer guten Parade bei einer Riesenchance für Cloppenburgs Derrick Ampofo einen frühen Rückstand vereitelt. Zum anderen hielt der Torwart zum ersten Mal nach vier Ligaspielen mit zuvor elf Gegentoren die Null, was ihm spürbar gut tat.

Bessere Kommunikation = kompaktere Abwehr

„Wir haben im Kollektiv gut verteidigt und besser kommuniziert. Deshalb standen wir in der Abwehr auch kompakter“, analysierte der SVA-Schlussmann das erste gegentorlose Spiel seit dem 4:0 beim TB Uphusen am 22. September. Tore schießt der SV Atlas Delmenhorst in der Regel in der Oberliga immer; dass die Blau-Gelben nun in der Abwehr wieder stabiler standen, war am Ende eines mäßigen Oberliga-Spiels ein Schlüssel zum Erfolg.

„Wir haben uns gut auf die vielen langen Bälle von Cloppenburg eingestellt“, sagten Urbainski, Abwehrchef Karlis Plendiskis und Trainer Jürgen Hahn nach Schlusspfiff unisono. Denn das Spiel der Gäste sah in der Vorwärtsbewegung meistens so aus: Cloppenburgs Abwehrspieler Kristian Westerveld schlug den Ball weit und hoch nach vorne, der dann aber in der Regel eine sichere Beute für die Delmenhorster Innenverteidiger Marlo Siech und Plendiskis sowie den umsichtigen Sechser Stefan Bruns war.

Cloppenburg zunächst mit Chancen, dann harmlos

Ganz so deutlich wie sich das Ergebnis anhört, war die Begegnung vor 700 Zuschauern in der ersten Halbzeit indes nicht. Das Chancenverhältnis betrug in den ersten 45 Minuten 4:4, die größte Möglichkeite hatte sogar Cloppenburg nach einem Missverständnis in der Atlas-Abwehr, als der freistehende Ampofo für den BVC das „1:0 hätte machen müssen“ (14.), wie Gäste-Trainer Olaf Blancke zähneknirschend anmerkte.

Aber: Atlas war schon in der ersten Halbzeit gegen limitierte Cloppenburger die fußballerisch bessere Elf – und legte nach dem Wechsel einen Zahn zu. „Wir hatten mehr Zug zum Tor und sind als Team besser aufgetreten“, erklärte Plendiskis die Leistungssteigerung. Das galt besonders für die Defensive. Denn der BVC verzeichnete in Hälfte zwei keinen Torschuss, keine Ecke und berührte den Ball im Atlas-Strafraum genau ein Mal. Mit dem Schlusspfiff.

Atlas’ Eckenvariante erneut erfolgreich

Auch im Angriff war Atlas in Halbzeit zwei zielstrebiger; unter anderem deshalb, weil die eingewechselten Oliver Rauh und Leon Lingerski neuen Schwung brachten. Doch zur Führung musste ein Standardtor herhalten: Karlis Plendiskis köpfte eine Mooy-Ecke im Fünf-Meter-Raum ein (61.). Kurios: Der SVA traf im dritten Spiel hintereinander gegen Cloppenburg per Kopf nach der Variante, wo die Ecke bewusst scharf zum Fünf-Meter-Raum geschlagen wurde – und BVC-Schlussmann Diederik Bangma sah dabei zum dritten Mal in Folge schlecht aus. Apropos Torwart: Cloppenburgs Ersatzkeeper Janne-Ole Kay sah Rot (73.), weil er während des Aufwärmens neben dem eigenen Tor Schiedsrichter Philip Roedig (Hannover) als „Witzbold“ bezeichnet hatte.

Wer dachte, Cloppenburg würde nach dem Rückstand zur Schlussoffensive ansetzen, sah sich getäuscht. Stattdessen machte Atlas mit zwei Treffern innerhalb von zwei Minuten alles klar. Der schnelle Oliver Rauh wurde nach einem Alleingang von Nico Thoben geschubst, den fälligen Elfmeter verwandelte Karlis Plendiskis – zu seinem ersten Tor-Doppelpack überhaupt – sicher (82.). Dann grätschte Musa Karli nach einem Konter eine klasse Vorarbeit von Lingerski über die Linie (83.).

„Das dürfte mein erster Doppelpack im Herrenbereich gewesen sein. Ich war in der E- oder F-Jugend Stürmer, da habe ich vielleicht mal zwei Tore erzielt“ (Atlas-Abwehrchef Karlis Plendiskis)

Allzu lange wollten sich Hahn und seine Spieler mit dem historischen ersten Heimsieg über Cloppenburg seit fast 44 Jahren (am 8. Dezember 1974 gab es vor 6000 Zuschauern ein 5:2) aber nicht beschäftigen. Zum einen war der BV Cloppenburg der bislang schwächste Gegner und dürfte in dieser Verfassung wohl nur um den Klassenerhalt spielen. Zum anderen wartet auf den SV Atlas bereits am Mittwoch eine „ganz andere Hausnummer“ (Plendiskis): Denn ab 14 Uhr läuft der Tabellendritte TuS Bersenbrück, der am Sonntag überraschend mit 0:1 gegen MTV Gifhorn verlor, im Stadion auf. Dann wird sich Torwart Florian Urbainski auch höchstwahrscheinlich wieder häufiger auszeichnen dürfen.


Atlas Delmenhorst: Urbainski - Köster, Plendiskis, Siech, Vollmer - Mutlu, Bruns (86. Morikami), Mooy, Schmidt (63. Lingerski) - Karli - Prießner (72. Rauh).

Cloppenburg: Bangma - Hennig, Westerveld, Plaggenborg - Dreher (78. Kanjo), Lohe, Neldner, Muric, Thoben - Demaj, Ampofo (90. Luniku).

Tore: 1:0, 2:0 Plendiskis (61./82., Elfmeter nach Foul an Rauh) , 3:0 Karli (83.).

Rote Karte: Cloppenburgs Ersatztorwart Kay bezeichnet Schiedsrichter Philip Roedig als „Witzbold“ (73.).

Zuschauer: 700.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN