Routinier des VfL Wildeshausen Sebastian Pundsack ist Kapitän, Torwart, Papa und noch mehr

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Sebastian Pundsack (vorne) mag der Team-Opa des VfL Wildeshausen sein – der sportliche Wert des 32-Jährigen ist allerdings unbestritten. Foto: Daniel NiebuhrSebastian Pundsack (vorne) mag der Team-Opa des VfL Wildeshausen sein – der sportliche Wert des 32-Jährigen ist allerdings unbestritten. Foto: Daniel Niebuhr

Wildeshausen. Sebastian Pundsack ist der einzige Vater in der Mannschaft des Fußball-Bezirksligisten VfL Wildeshausen – und vieles mehr. Der 32-Jährige ist der Älteste in einem Team, das gerade einen Generationswechsel vollzieht. Aktuell spielt in seinem Leben aber mal nicht der Fußball die Hauptrolle.

Zuschauerzahlen sind im Amateurfußball seit Generationen ein herrliches Spekulationsthema, weil es so selten belastbare Zahlen dazu gibt. Es kann zum Beispiel niemand genau sagen, ob beim Bezirksligaspiel des VfL Wildeshausen am vergangenen Sonntag nun 350 Zuschauer im Krandelstadion waren, 400 oder doch nur 300. Es wird Sebastian Pundsack vermutlich auch egal sein, denn die Anwesenheit des wichtigsten Fans konnte von Augenzeugen bestätigt werden. Sein Sohn Noah erlebte zwar nicht die vollen 90 Minuten gegen den VfL Stenum – und hatte aus dem Kinderwagen auch ungünstige Sicht auf die Paraden seines Vaters im Wildeshauser Tor –, war aber als moralische Unterstützung vermutlich mehr wert als alle anderen Schaulustigen zusammen. Wie viele es auch immer gewesen sein mochten.

„Meine Frau hält mir den Rücken frei“

Sebastian Pundsack hat zweifellos eine besondere Rolle in der Mannschaft des Bezirksliga-Zweiten. Er ist als Torwart eine Institution in der Kreisstadt, in dessen Diensten er als Mitarbeiter der Verwaltung auch hauptberuflich steht. Er ist mit 32 Jahren der Älteste und nun auch einziger Vater in einem Team, das sich ansonsten stetig verjüngt. Zweieinhalb Monate ist sein Sohn inzwischen alt, der Alltag in der Familie Pundsack steht seitdem auf dem Kopf. „Das Leben ändert sich komplett“, sagt der Wildeshauser Schlussmann. Seine Frau Miriam spielte einst für die HSG Harpstedt/Wildeshausen Handball und ist aktuell in Elternzeit. „Sie hält mir toll den Rücken frei. Dank ihr laufe ich nicht ständig mit Augenringen herum“, sagt Vater Pundsack.

Dass sich die Prioritäten dennoch verschieben, liegt auf der Hand – und so ist Fußball plötzlich tatsächlich mal zu der Nebensache geworden, die er in Wildeshausen eigentlich nie ist. „Ich bin die letzten Wochen schon etwas kürzer getreten“, erzählt Pundsack. Trainer Marcel Bragula ist selbst Familienvater und hat Verständnis, „wenn ich dann eben nicht zu jedem Training komme. Ich gebe mir Mühe, so oft wie möglich da zu sein.“

„Ein Haufen Freunde, die Bock auf Fußball haben“

Noah Pundsacks Geburt unterstreicht nebenbei auch unfreiwillig den Status seines Vaters als Stammesältester, der aber ohnehin unumstritten war. „Wir sind immer noch ein Haufen Freunde, der einfach Bock auf Fußball hat. Aber ich bin halt der Team-Opa. Die Themen sind für mich manchmal andere als für die Jungs“, sagt Pundsack senior, der offen bekennt, „dass mir schon mal der Gedanke kommt, wie lange ich das noch mache“.

Was seine Mitspieler mit Sorge hören werden, denn Pundsacks Wert ist für den VfL, der am Sonntag ab 11 Uhr beim ESV Wilhelmshaven spielt, im Titelrennen unumstritten. Gegen Stenum sprang er für den Torwart-Kollegen Felix Dittrich ein, der sich beim Aufwärmen verletzt hatte. „Das hat mir für Felix total leidgetan“, sagt Pundsack, der als Aushilfe tadellos hielt und in seinem vierten Einsatz zum dritten Mal zu Null spielte. Mehr oder weniger vor den Augen seines Sohnes.


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