Eine königliche Geschäftsidee Wie Real Madrids Fußballschule in Delmenhorst arbeitet

Meine Nachrichten

Um das Thema Lokalsport Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Posen wie die Großen: Die Real-Madrid-Fußballschule ist zu Gast beim TV Jahn, 32 Kinder aus Delmenhorst und dem Umland trainieren teilweise mit Profi-Methoden – und zu einem stolzen Preis. Foto: Rolf TobisPosen wie die Großen: Die Real-Madrid-Fußballschule ist zu Gast beim TV Jahn, 32 Kinder aus Delmenhorst und dem Umland trainieren teilweise mit Profi-Methoden – und zu einem stolzen Preis. Foto: Rolf Tobis

Delmenhorst. Die Real-Madrid-Fußballschule ist zu Gast beim TV Jahn Delmenhorst – ohne Spanier, aber mit Profi-Equipment. Zu einem stolzen Preis trainieren 32 Kinder in Delmenhorst im Zeichen des Nobelclubs. Diese Art der Markenbildung haben aber auch die lokalen Branchenreisen erkannt.

Wer den Dreitagebart des Gareth Bale schon immer mal in all seiner Pracht bewundern wollte, hat dazu im Trainingslager der walisischen Nationalmannschaft in Cardiff eine gute Gelegenheit – eine bessere gibt es aber aktuell wohl am Delmenhorster Brendelweg. In Überlebensgröße blickt der Angreifer dort neben seinen Clubkollegen Toni Kroos und Marcelo von einem Werbebanner auf die Anlage des TV Jahn herab und auf die Kinder, die in Shirts mit dem Logo seines Vereins über den Rasen wuseln. Die Real-Madrid-Fußballschule gibt sich noch bis Freitag die Ehre und bringt ihr Wissen unter die Leute, in diesem Fall 32 Kinder aus Delmenhorst und dem Umland. Gesprochen wird weder spanisch noch walisisch – die Trainer sind waschechte Hamburger. Dafür ist der Preis wahrhaft königlich: 239 Euro kosten die fünf Tage.

Camps in acht Ländern

Dahinter steckt eine geniale Geschäftsidee, die in Norddeutschland entstand und international funktioniert: Der Hamburger Stefan Kohfahl konzipierte 2013 den Plan für ein Camp, das sieben- bis 14-Jährige Teilnehmer nach den neuesten Trainings-Erkenntnissen weiterbringt, und wurde bei zehn Topvereinen vorstellig – viele waren interessiert, Real Madrid war letztlich der größte Name.

In acht Ländern darf die Firma, die offiziell Fundación Real Madrid Clinic heißt, den Namen des 13-fachen Champions-League-Siegers für ihre Camps verwenden. Inzwischen ist Real in diesem Geschäftszweig in Europa die Nummer eins, 250 Camps gibt es jedes Jahr – die Übungen, sagt der festangestellte Trainer Piet Wiehle, sind mit der Real-Akademie abgesprochen: „Da gibt es einen häufigen Austausch. Wir reisen mehrmals im Jahr nach Madrid.“

Wer ihm und seinem Kollegen Jan Collet, einem von vielen B-Lizenz-Inhabern im Trainerpool, in Delmenhorst mal zusieht, versteht den Erfolg des Unternehmens noch besser. Jedes Kind bekommt direkt ein Real-Shirt mit Nummer und Namen nach Wahl – manche nehmen den eigenen, manche Kroos oder Ronaldo, auch wenn der längst woanders spielt. Neben ballorientierten Übungen und Spielformen hat Wiehle, nebenbei auch Coach des Hamburger Oberligisten TuS Osdorf, eine Kamera mitgebracht, die von einem rund vier Meter hohen Stativ die Felder filmt. Eine Software analysiert die wichtigsten Werte jedes Spielers – Laufleistung, Geschwindigkeit, Passquote und so weiter – und spuckt am Ende des Camps individuelle Daten aus.

HSV und Werder etwas günstiger

„Die Real-Schule hat einen guten Ruf. Ich wurde auch von Eltern aus Bremen und Rastede angesprochen“, sagt Jahns Abteilungsleiter Marco Castiglione. „Viele Kinder machen nicht nur einmal mit.“ Wobei ihm die Sache mit dem Preis durchaus auf den Magen schlug: „Ich habe mich schon gefragt, ob das funktioniert hier in der Stadt. Scheinbar ja.“

Diese Art der Markenbildung ist natürlich nicht neu. Auch Werder Bremens Fußballschule geht in den Herbstferien auf Tournee. Am Wochenende steigt ein Camp beim FSV Beilrode in der sächsischen Provinz, ebenfalls für drei Tage und im Vergleich zu Real zum Schnäppchenpreis von 134 Euro. Dafür kann man Werder-Legende Dieter Eilts treffen, auch wenn unter den Kindern wohl nicht mehr allen dieser Name etwas sagen wird.

Beste 32 spielen im Bernabeu

Der Hamburger SV hat seine Fußballschule schon 2003 gegründet und wirbt ebenfalls mit Trainingsinhalten, die so oder so ähnlich auch in den Nachwuchsteams eingesetzt werden. „Freude, Leidenschaft und Ehrgeiz werden großgeschrieben“, heißt es auf der Internetseite – nur böse Zungen würden behaupten, dass die Fußballschule dem Profiteam damit manchmal einiges voraus hat. Allein im Oktober gibt es Camps in 20 verschiedenen Orten in und um Hamburg, die meisten fünf Tage lang und zum Preis von 187 Euro ausgebucht – ob die Ähnlichkeit zum HSV-Gründungsjahr 1887 gewollt ist oder Zufall, ließ sich nicht klären.

Real bietet aber noch einen Bonus, mit dem kein deutscher Nordclub mithalten kann. Der jeweils stärkste Spieler eines Camps wird zur zweiten Runde eingeladen, die 32 Besten qualifizieren sich für eine Reise nach Madrid und ein Training im Estadio Santiago Bernabéu. „Man kann es mit uns also vom Delmenhorster Brendelweg ins Bernabeu bringen“, meint Wiehle. Und für alle, die es nicht schaffen, hat er immerhin das Bild davon auf einem Werbebanner dabei.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN