Handball-Oberliga HSG Delmenhorst feiert Coup gegen VfL Fredenbeck

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Ließ sich nicht aufhalten und sorgte so für eine Überraschung: Der Oberliga-Aufsteiger HSG Delmenhorst um den sechsfachen Torschützen Tim Coors (links) bezwang den bis dahin verlustpunktfreien Drittliga-Absteiger VfL Fredenbeck mit Torben Sauff. Die HSG feierte einen 37:32 (19:16)-Heimsieg. Foto: Rolf TobisLieß sich nicht aufhalten und sorgte so für eine Überraschung: Der Oberliga-Aufsteiger HSG Delmenhorst um den sechsfachen Torschützen Tim Coors (links) bezwang den bis dahin verlustpunktfreien Drittliga-Absteiger VfL Fredenbeck mit Torben Sauff. Die HSG feierte einen 37:32 (19:16)-Heimsieg. Foto: Rolf Tobis

Delmenhorst. Dank einer grandiosen Leistung haben die Oberliga-Handballer der HSG Delmenhorst am Samstag einen überraschenden Heimsieg gefeiert. Der Aufsteiger bezwang am fünften Spieltag 2018/19 nach einem hochklassigen Spiel vor 330 Zuschauern den bis dahin verlustpunktfreien Drittliga-Absteiger VfL Fredenbeck mit 37:32 (19:16).

Eine überragende Mannschaftsleistung zeigt sich auch darin, dass alle Beteiligten ein Gefühl dafür haben, dass es trotzdem herausragender Einzelspieler bedarf, um Unerwartetes zu vollbringen. Dieses Gespür bewiesen am Samstagabend in der Stadionhalle zwölf Oberliga-Handballer der HSG Delmenhorst, als sie nach dem Schlusspfiff des Heimspiels gegen den VfL Fredenbeck kurz die Faust ballten oder die Arme hochrissen und sich dann sofort im Sprint in Richtung ihres Sechsmeterraums aufmachten. Dort trafen sie sich, um untermalt vom in diesen Situationen immer wieder angebrachten Klassiker „Oh, wie ist das schön“ aus den Hallenlautsprechern sich und vor allem ihren in der zweiten Halbzeit glänzenden Torwart Deni Prvonožac zu feiern. Fast genauso oft wurde HSG-Rückraumspieler Jörn Janßen umarmt, der ebenfalls als treibende Kraft dazu beigetragen hatte, dass der Aufsteiger am Samstag vor 330 Zuschauern (darunter 60 Gästefans) nach einem hochklassigen Spiel dem Drittliga-Absteiger und Meisterschaftsanwärter mit dem 37:32 (19:16) am fünften Spieltag 2018/19 die erste Saisonniederlage zugefügt hatte.

HSG-Torwart Deni Prvonožac lobt seine Vorderleute

Prvonožac bewies wenig später den Teamgeist, der die HSG in den 60 Spielminuten stark gemacht hatte. „Ohne die Mannschaft wäre das nicht möglich gewesen“, sagte der 25-Jährige über seine zwölf Teamkollegen. Er war erst ganz kurz vor Saisonbeginn, nachdem er zuletzt beim CS Chênois Genève (Schweizer Nationalliga B) gespielt hatte, nach Delmenhorst gekommen. „Die Abwehr hat so gut gearbeitet. Das macht es einem Torwart viel, viel leichter, Würfe abzuwehren.“ Prvonožac, der fand, dass die erste Halbzeit „nicht so gut“ war, biss sich nach dem Seitenwechsel in die Begegnung. 15 Paraden gelangen ihm in den 30 Minuten, darunter einige gegen Fredenbecker, die den HSG-Defensivblock überwunden hatten. Damit verhinderte er immer wieder, dass den Gästen der Ausgleich gelang, und er sorgte dafür, dass das Selbstvertrauen seiner Vorderleute, das im Verlauf der ersten Halbzeit mächtig gewachsen war, groß blieb.

Delmenhorster überzeugen in 6:0-Abwehr

HSG-Trainer Jörg Rademacher hatte seine Mannschaft in einer 6:0-Aufstellung an die Abwehrarbeit geschickt, da er nach den zurückliegenden drei Partien, die verloren gegangen waren, mit der 3-2-1-Formation nicht zufrieden war. Die defensivere Formation passte zum Angriffsspiel des VfL. „Wir waren sehr gut vorbereitet, die Taktik hat gestimmt – und die Jungs haben sie diesmal auch perfekt umgesetzt“, lobte Rademacher. In der Tat. Mit großem Engagement und ganz viel Geschick arbeitete im HSG-Bollwerk einer für den anderen. „Die Abwehr und unser Torwart haben den Grundstein gelegt“, meinte der HSG-Trainer. Dass in der Partie trotzdem 69 Tore fielen, lag an der hohen Qualität, mit der beide Mannschaften in der Offensive agierten. Sie spielten Hochgeschwindigkeitshandball, in dem sich klasse Kombinationen und starke Individualleistungen abwechselten.

Die Delmenhorster brauchten zunächst ein paar Minuten, um die Verunsicherung der drei Niederlagen aus den Knochen und Köpfen zu bekommen. Sie gerieten, weil sie klare Chancen vergaben, mit 1:5 in Rückstand (6.). Doch dann begannen die Rädchen in der Abwehr ineinanderzugreifen. Die Ballgewinne gaben Sicherheit für die Angriffe. Innerhalb von acht Minuten stürmte die HSG mit einem 8:1-Lauf zum 9:6 (14.), brachte damit ihre Fans in die Stimmung, die es auf der Tribüne für solch einen Coup eben auch braucht. Und der VfL? Er war sichtlich überrascht, hielt aber dagegen. Lars Kratzenberg traf zum 14:13 für die Fredenbecker, die danach aber nie wieder nach vorn kamen. „Wir haben endlich die Fehlerquote fast auf Null minimiert“, erklärte Rademacher: „So ab der siebten, achten Minute habe ich gesehen, dass die Jungs daran glauben, dass sie ihre Chance bekommen werden“. Dieser Glaube war mit der 19:16-Pausenführung sicher gewachsen.

Rückraumspieler Jörn Janßen führt HSG auf Siegerstraße

Der VfL versuchte mit aller Macht, die Partie zu drehen. Trainer Florian Marotzke wechselte viel. Spielmacher Torben Sauff, mit sieben Toren erfolgreichster VfL-Werfer, hielt die Hoffnung darauf lange am Leben. Er traf zum 21:22 (38.), zum 23:24 (42.) und zum 25:26 (46.). Doch der Ausgleich gelang Fredenbeck eben nicht. „Wir sind zu oft am Torwart gescheitert“, lobte und erklärte Marotzke. „Außerdem haben wir in der Abwehr die Halben der HSG nicht in den Griff bekommen“, monierte er. Das galt vor allem für Jörn Janßen im linken Rückraum der Delmenhorster. Er warf sieben seiner zehn Tore in der zweiten Halbzeit: Das 29:26 (50.) brachte die HSG ganz weit auf die Siegerstraße, nach dem 33:29 (56.) beschlossen die meisten Delmenhorster Fans schon, den Rest der Partie im Stehen zu verfolgen, und Janßens 35:30 (58.) vertrieb auch die allerletzten, ganz leisen Restzweifel.

Prvonožac war schon nach dem 29. Treffer optimistisch, erzählte er: „So nach 20 Minuten der zweiten Halbzeit habe ich gedacht, dass wir gewinnen werden. Dieser Sieg bedeutet uns als Mannschaft sehr viel. Wir haben hart dafür gearbeitet.“ Das sah auch sein Trainer so. „Er ist vier Punkte wert“, ergänzte Rademacher. „Ich bleibe bei dem, was ich vor der Partie gesagt habe: Der VfL ist ein Meisterschaftsanwärter. Er wird in dieser Saison nicht mehr viele Spiele verlieren. Die Mannschaft hat große Qualität.“ Umso begeisterter war er natürlich von der Leistung, die seine Spieler geboten hatten. „Die Mannschaft hat so gespielt, wie sie trainiert hat. Daher hatte ich vorher das Gefühl, dass wir eine Minichance bekommen könnten. Dass es dann so kommt, kann man aber natürlich nicht vorhersagen.“

Am 20. Oktober tritt die HSG bei der TSG Hatten-Sandkrug an

Der zweite Saisonsieg sei auch deshalb wichtig, weil das nächste Punktspiel für die HSG erst am 20. Oktober ansteht, erklärte Rademacher. „Jetzt haben wir vier Punkte, gehen mit einem guten Gefühl in die Pause und haben Zeit, etwas Luft zu holen.“ Der HSG-Trainer ist zuversichtlich, dass in sich in den drei Wochen bis zum Derby bei der TSG Hatten-Sandkrug die Personalsituation in seinem Kader entspannt. „Ich denke, dass Lasse Till und Michael Thies dann dabei sein können.“


Statistik:

HSG Delmenhorst: Prvonožac, Littmann, Schröder; Meissner, Goyert 3, Sudau 6, Timmermann, Coors 6, Oetken 8/4, Markowski, Janßen 10/1, Ludwig 1, Freese 3.

VfL Fredenbeck: Piatke, Peveling; Steinscherer 6/4, Buhrfeind 6, Mbanefo 2, Köksal, Kratzenberg 4, Lens, Eschweiler, Sauff 7, Richter 2, Bohmann, Thomsen, Stancic.

Schiedsrichter: Hustedt, Voigt (TSV Daverden, HSG Hude/Falkenburg).

Zeitstrafen: HSG 2 – VfL 2.

Siebenmeter: HSG 6/5 – VfL 4/4.

Zuschauer: 330.

Spielfilm: 1:5 (6.), 9:6 (14.), 9:9 (17.), 13:14 (23.), 19:16 – 20:16 (31.), 22:21 (38.), 26:25 (46.), 29:27 (52.), 32:28 (56.), 37:32.

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