Sportliche Rückblicke Karlheinz Meiniger prägt 13 Jahre lang den SV Atlas

Von Klaus Erdmann

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Delmenhorst. Der 65-jährige Ex-Profi Karlheinz Meininger arbeitet heute in einer Fußballschule im niederbayerischen Zwiesel. Er war von 1981 bis 1994 als Spieler, Co-Trainer und Manager für den SV Atlas aktiv. Seine Rückkehr in die Stadt nach 20 Jahren weckt viele Erinnerungen.

Der Mann hat bei Werder und beim Club gespielt. Seine Gegner waren Franz Beckenbauer und Jupp Heynckes. 13 Jahre seiner Karriere hat er dem alten SV Atlas gewidmet, bei dem er von 1981 bis 1994 als Spieler, Co-Trainer und Manager zu den prägenden Figuren gehörte. Die Rede ist von Karlheinz Meininger, den sie alle „Charly“ nennen, und der in den letzten Tagen mit seiner Frau Tatjana eine Reise in die Vergangenheit unternahm. Natürlich war Delmenhorst eine der Stationen.

„Ja, mir geht‘s gut. Gesundheitlich ist alles okay“, beantwortet er die entsprechende Frage. „Seit dem 1. September bin ich Rentner und jetzt erhalte ich das erste Gehalt als Rentner“, fügt der 65-jährige schmunzelnd hinzu. Meininger hielt sich lange nicht mehr in Delmenhorst auf. „Ich war vor rund 20 Jahren zuletzt hier. Aber es ist, als wäre ich nie weg gewesen. Ich kenne alles und brauche kein Navi“. Die sechstägige Rückkehr mit Mittelpunkt Bremen und einigen Terminen weckt bei Meininger viele Erinnerungen. Die, die mit Delmenhorst und dem SV Atlas verbunden sind, gehören zu den angenehmsten: „Es war hier eine schöne Zeit.“ Diesen Satz sagt er während des Gesprächs im Markt Eins mehr als einmal.

Karlheinz Meininger erzielte in seinem ersten Bundesliga-Jahr zwölf Tore

Er hat spät angefangen mit dem Fußball. 1965, als Zwölfjähriger, ging er zum SC Zwiesel (Niederbayern), dessen Trikot er bis 1972 trug. „Als ich in der B-Jugend war, spielte der Fischer Klaus in der A-Jugend“, blickt Meininger zurück. Der 45-fache Nationalspieler und Torjäger Fischer galt als Spezialist, wenn es um Fallrückzieher ging. „Ich habe mal mit Werder gegen Schalke und Fischer gespielt. Wir haben jeder ein Tor geschossen und das Spiel endete 1:1“, berichtet Meininger. Heute helfe er dem Fischer Klaus in dessen Fußballschule aus. Der Ex-Profi sagt wirklich „Fischer Klaus“.

Der Trainer Hans Tilkowski (die Älteren erinnern sich: Der 39-malige Nationalspieler gehörte als Torwart zu den unmittelbar Beteiligen des „Wembley-Tores“) holte Meininger zu 1860 München. Meininger: „Als der ehemalige Bayern-Trainer Tschik Cajkovski in Nürnberg war, wollte er, dass ich zum Club komme, aber Sechzig war vom Namen her attraktiver.“ 1974 ging er dann doch noch nach Nürnberg. „Für 170.000 Mark Ablöse. Das war eine stolze Summe“, blickt Meininger lachend zurück.

Zwei Jahre später folgte er Tilkowski („Mein Förderer“) nach Bremen. Hier spielte er mit Horst-Dieter Höttges und Dieter Burdenski („Mein Trauzeuge“) in einem Team. Zwölf Tore im ersten Bundesliga-Jahr. Achillessehnenverletzung: „Da hat Manager Rudi Assauer mich um 50 Prozent gedrückt“. Rot-Weiß Essen hieß die nächste Station (1978 bis 81). Mit Willi „Ente“ Lippens und Frank Mill bildete er einen Traumsturm. „Ich habe gegen Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Jupp Heynckes und Wolfgang Overath gespielt – das kann mir keiner nehmen“, sagt Charly Meininger und wer ganz genau hinsieht, erkennt in seinen Augen ein Leuchten.

„Schöne Zeit“ beim SV Atlas

Private Gründe zogen ihn in den Norden. Ein Anruf des damaligen Managers Peter Theis leitete die Atlas-Zeit ein. Er arbeitete für Weyhausen, stellte einen Antrag auf Reamateurisierung, spielte ab 1982 für den Oberligisten. Zu den Mitspielern gehörten Herbert Meyer und Thomas Pfautsch. Er wurde spielender Co-Trainer und trat die Nachfolge von Manager Rainer Ohmert an, der zum Präsidenten aufstieg. „Ohmert, Günther Blauth, Käthe Stüve – wir waren ein Superteam. Es war eine schöne Zeit“, sagt Meininger, der den Weg des SVA heute im Internet verfolgt. Als Manager verpflichtete er auch Horst Blankenburg, immerhin Weltpokalsieger mit Ajax Amsterdam (an der Seite von Johan Cruyff). „Horst hat ein super Training gemacht, aber keine Punkte geholt“, erzählt Meininger. „Nach einem halben Jahr war Feierabend.“

1995 folgte die Rückkehr nach Zwiesel, wo er als Finanzbuchhalter arbeitete. Zwei Jahre lang lebte er in der Türkei („Ich wollte alles mal neu ordnen“). Dort lernte er seine aus Russland stammende Frau Tatjana kennen. Seit vier Jahren sind sie verheiratet. Seit 2013 ist Meininger in Zwiesel für die erste Mutter-und-Kind-Einrichtung in Deutschland, die eine Fußballschule betreibt, tätig. Sein Plan: „Ich mache es solange, wie ich es gesundheitlich kann. Ich war mein ganzes Leben lang Fußballer und werde es bis zum Schluss bleiben.“

Rückkehr in den Norden ist nicht ausgeschlossen

Karrierestart und -ende in Zwiesel: Ein Kreis schließt sich – und könnte sich wieder öffnen. Denn Meininger, dem es in Bremen und umzu gut gefallen hat, sagt: „Ich kann mir vorstellen, wieder zurück in den Norden zu ziehen.“ Ein Grund: Sohn Michael, der in Achim lebt.

Nach dem kurzweiligen Gespräch kehren Zeitungsartikel und -fotos, Autogrammkarten und Sammelbilder, Zeugnisse einer erfolgreichen Fußballkarriere, in Klarsichtfolien, die die Schätze behüten, zurück. Abschied. „Tschüss. Mach‘s gut. Bleib gesund.“ Er will seiner Frau Tatjana noch das Stadion in Düsternort zeigen. Eine weitere Station auf der Reise in die Vergangenheit, für die Charly Meininger kein Navi benötigt.


dk-Serie:

Regelmäßig blickt die dk-Sportredaktion auf herausragende Ereignisse in der Stadt und im Landkreis Oldenburg oder auf große Erfolge von Sportlern zurück, die mindestens zehn Jahre zurückliegen. Diesmal: Ex-Bundesligaprofi Karl-Heinz Meininger war war von 1981 bis 1994 für den SV Atlas Delmenhorst als Spieler, Co-Trainer und Manager aktiv.

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