Dressur-Talent vom RV Ganderkesee 13-Jährige mischt in deutscher Spitzenklasse mit

Von Katrin Brandes

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Voll konzentriert beim Preis der Besten 2018 in Warendorf: Antonia Busch-Kuffner und Daily Pleasure. Die beiden wurden später bei der Deutschen Jugend-Meisterschaft in München Elfte. Foto: Lars PingelVoll konzentriert beim Preis der Besten 2018 in Warendorf: Antonia Busch-Kuffner und Daily Pleasure. Die beiden wurden später bei der Deutschen Jugend-Meisterschaft in München Elfte. Foto: Lars Pingel

Ganderkesee. Die 13-jährige Antonia Busch-Kuffner gehört zu den besten deutschen Pony-Dressurreitern. Bei ihrem DM-Debüt in München wurde sie als jüngste Starterin Elfte. Sie verbringt so viel Zeit wie möglich mit ihren Pferden.

Die Atmosphäre war beeindruckend. Antonia Busch-Kuffner und ihre Mutter und Trainerin Silvia Busch-Kuffner geraten immer noch ins Schwärmen, wenn sie an das zweite September-Wochenende zurückdenken. „Das war schon ein Erlebnis und sehr sehenswert“, sagt Silvia Busch-Kuffner über das Turnier, in dem ihre 13-jährige Tochter den Sprung in die nationale Spitzenklasse der Pony-Dressurreiter bestätigte. In München, in dem Stadion, in dem 1972 die Olympischen Medaillen vergeben worden waren, richtete die Reiterliche Vereinigung (FN) die Deutschen Jugend-Meisterschaften 2018 aus. Antonia Busch-Kuffner wurde als jüngste Teilnehmerin im Feld der Altersklasse U16 mit Daily Pleasure, eines der jüngsten Ponys, Elfte. Es war der erste DM-Start von Antonia Busch-Kuffner – und die größte Veranstaltung, an der das Dressurtalent des RV Ganderkesee bisher teilgenommen hat.

Antonia Busch-Kuffner wird beim DM-Debüt Elfte

„Antonia war natürlich aufgeregt“, erzählt Silvia Busch-Kuffner. Das sei bei ihr aber eher positiv zu sehen, denn „sie freut sich einfach auf die Prüfungen“. In München standen zunächst zwei der Klasse L** auf dem Programm, in denen alle 40 Reiterinnen und Reiter antraten, die sich für die DM qualifiziert hatten. Darunter war in Enya Plam übrigens eine RVG-Vereinskameradin, die schließlich auf Rang 22 kam. Antonia Busch-Kuffner und Daily Pleasure präsentierten sich zum Auftakt sehr gut. Sie wurden mit 69,915 Prozent Sechste. Einen Tag später lief es sogar lange Zeit noch besser. „Der Trend zeigte auf 72 Prozent und Platz drei“, erzählt Silvia Busch-Kuffner, die die Notengebung für die einzelnen Lektionen „live“ auf Anzeigetafeln verfolgte. Kurz vor Schluss passierte dann aber doch ein Fehler. Daily Pleasure sprang kurz um. Das kostete viele Punkte: 69,915 Prozent und Platz elf. Damit hatte Antonia Busch-Kuffner aber den Platz im Finale der besten Zwölf sicher. Die L**-Dressurkür wurde mit 69,350 Prozent bewertet. Nach den drei Konkurrenzen belegte sie Platz elf. „Es ist toll, dass sie es unter die Besten geschafft hatte“, lobt Silvia Busch-Kuffner.

Die Tage in München waren ganz nach dem Geschmack von Antonia Busch-Kuffner. Es darf sich gerne rund um die Uhr alles um Pferde und Reiten drehen. Das ist zu Hause nur unwesentlich anders. Natürlich, zunächst geht es in die Schule. „Danach steht der Ranzen erstmal direkt im Stall“, erzählt Silvia Busch-Kuffner schmunzelnd. Auf dem Hof der Familie in Prinzhöfte werden Pferde und Ponys bis hin zur höchsten Dressurklasse ausgebildet. So oft es geht, ist Antonia Busch-Kuffner dabei, kümmert sich um ihre Sportpartner. Daily Pleasure hat erst seit November 2017 seine Box im Stall, außer dem Siebenjährigen warten „Schätzchen“ Reitlands Obama oder ihr „Held“ Nikes’ Newcomer und Kentaur WE auf die 13-Jährige. „Wenn Antonia nicht mindestens zwei Pferde am Tag reitet, ist sie echt unglücklich“, erklärt Silvia Busch-Kuffner weiter. Die 41-jährige Bereiterin stammt aus Elsfleth und wollte nach Antonias Geburt 2005 in Hamburg „eigentlich nur noch nebenbei reiten“. Doch mit einem Berittpferd wurde ihr der Trainer Henry Busch in Prinzhöfte empfohlen. „Ich konnte erst nur seine Stimme hören, und die gefiel“, erinnert sie sich gerne an die erste Begegnung: „Da war mir direkt klar: Den mag ich.“ Er mochte sie auch und so ging es für Silvia, Antonia und ihren Bruder Vincent ziemlich schnell ganz nach Prinzhöfte. „Dann bin ich doch wieder voll geritten und habe unsere Pferde bis in die höchsten Klassen vorgestellt“, sagt Silva Busch-Kuffner. Nur der 14-jährige Vincent Busch-Kuffner hat nicht so viel mit Pferden am Hut. Er spielt leidenschaftlich Fußball.

Henry Busch hat „schon immer gezüchtet“, als Aktiver startete er in Prüfungen bis zur höchsten Klasse S. Nach einer kaufmännischen Ausbildung hat er den elterlichen Hof mit Unterricht und Dressurlehrgängen ausgebaut. Als Trainer unterstützt er natürlich auch Antonia und Silvia Busch-Kuffner.

Erste Reitstunden beim RC Hude

Wie viele andere Kinder sammelte Antonia Busch-Kuffner ihre ersten Turniererfahrungen in der Führzügelklasse: „Da war ich aber Letzte, und es war doof, geführt zu werden“, erzählt der Wirbelwind bei einem kurzen Stopp am Tisch. „Ich wollte unbedingt in den Reiterwettbewerb.“ Für die Krümelstunden in den Vereinen war sie aber zu jung. Doch beim RC Hude wurde sie in die Ponystunden aufgenommen, sodass „Antonia in der Abteilung mit anderen Kindern auf Pony Willi reiten lernte“, erzählt Silvia Busch-Kuffner. Wenig später startet Antonia im ersten Reiterwettbewerb. „Sie war so cool. Wir anderen waren und sind immer am aufgeregtesten“, berichtet Henry Busch lächelnd. Er und Silvia Busch-Kuffner sind seit 2011, nach erfolgreichen Tagen beim Oldenburger Landesturnier in Rastede, verheiratet.

Ein starkes Team: die Familie Busch-Kuffner mit (von links) Henry, Antonia, Silvia und Vincent. Foto: Kartrin Brandes

Antonia Busch-Kuffner startet 2016 richtig durch

Antonia Busch-Kuffner ritt sich derweil aus den Dressurwettbewerben in die Klasse A, gewann mit den Ponys Dentleiner und Conroyal unzählige Schleifen. 2016 startete sie mit gerade einmal elf Jahren richtig durch: Sie war in Dressurreiterprüfungen der Klasse L und in ersten Dressuren der Klasse L auf Trense erfolgreich, wurde Dritte der Landesmeisterschaft. Kleine Hüpfer und Ausfälle ihr Ponys nahm und nimmt sie locker, denn: „Das Pferd hat nie Schuld.“ Strahlend und mit Umarmungen bedankt sie sich nach jeder Prüfung.

Morgens um 6.30 Uhr ist in Prinzhöfte schon einiges los. Henry Busch füttert die Pferde, Silvia Busch-Kuffner kümmert sich um das Frühstück – und Achtklässlerin Antonia macht letzte Hausaufgaben bis der Bus um sieben Uhr abfährt. Wenn sie zurück ist, führt der erste Weg in den Stall. Nach dem gemeinsamen Mittagessen rennt Antonia Busch-Kuffner wieder in den Stall. Der Schulranzen ist ja auch noch dort. „Die Hausaufgaben macht sie sehr eigenständig, bei Erdkunde und Geschichte lernt sie mit Henry“, erzählt Silvia Busch-Kuffner. Beim Reiten zeigt ihre Tochter viel Ehrgeiz, „verquatscht sich aber auch schnell mal“. Zum Tagesausklang trifft sich die Familie wieder am Esstisch.

13-Jährige wird Vize-Kreismeisterin mit Großpferd Alicia

Wenn es an Wochenenden zu einem Turnier geht, dürfen die Glücksbringer nicht fehlen: ein Mini-Engel in der Hosentasche und ein kleines Einhorn am Sattel. Antonia Busch-Kuffner reitet mit Henry Busch ab. „Das harmoniert besser. Ich sage ihr immer: Du machst das schon“, erklärt Mutter Silvia Busch-Kuffner. Ihre Tochter fügt verschmitzt grinsend hinzu: „Und wenn ich etwas unbedingt gewinnen will, dann klappt das meistens auch.“ Stimmt. Beim Landesturnier sicherte sie sich 2017 auf Nike und in diesem Jahr auf Daily Pleasure WE den Titel. Mit Obama siegte schon im August 2017 in Schwanewede in ihrer ersten internationalen FEI-Prüfung. Den Vizetitel beim Bundeschampionat sicherte sie sich mit Nike bei den fünfjährigen Ponys. „Und das als einzige echte Ponyreiterin mit unter 16 Jahren“, lobte Silvia Busch-Kuffner ihre Tochter, die auch bei vielen anderen großen und kleinen Turnieren Siege und Platzierungen holt.

Der Erlebnisfaktor war übrigens nicht nur in München hoch. „Der Sonntag in Rastede war schon mega“, bestätigt Antonia Busch-Kuffner: „Erst der Sieg, dann die Ehrung und dann noch zum Herzog und der Empfang im Ganderkeseer Verein.“ Auf dem Weg zur DM 2018 wurde sie mit Daily Pleasure Weser-Ems-Meisterin und belegte in ihrer ersten internationalen Dressur-Kür bei den Future Champions in Hagen Rang vier. Seit Anfang Juni ist außer den Kastanienhof-Ponys auch Großpferd Alicia bei vielen Turnieren mit am Start. Mit der Stute hat sie bereits eine Dressurprüfung der Klasse L auf Kandare gewonnen und wurde Vize-Kreismeisterin.

Ihr Traum sei es, erzählt Antonia Busch-Kuffner, einmal einen Dressur Grand Prix beim CHIO in Aachen zu reiten. Silvia Busch-Kuffner, Trägerin des Goldenen Reitabzeichens Dressur, würde gerne einmal ein Pferd zur Weltmeisterschaft der jungen Pferde bringen, aber „ganz ehrlich ist es mir noch wichtiger, dass die Kinder gesund sind und dass wir mit Antonia noch weitere Erfolge feiern können.“ Ihre Tochter müsse sie übrigens „manchmal stoppen“, so begeistert übt und trainiert sie. Wenn sie Ferien hat, ist Antonia Busch-Kuffner fast den ganzen Tag im Stall, füttert, hilft und reitet. Es trifft sich also ganz gut, dass die Familie nicht vom Reisefieber infiziert ist. Ein „Ausflug“ zur Olympia-Anlage in München reicht schon, wenn dann auch noch das Wetter so mitspielt wie am ersten September-Wochenende. „Das war ein bisschen wie Urlaub“, sagt Silvia Busch-Kuffner.


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