Weltreiterspiele 2018 in Tryon Voltigierer Torben Jacobs möchte seine Laufbahn krönen

Von Katrin Brandes und dpa

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Ihre Wettkämpfe beginnen am 18. September: Die Voltigierer Theresa-Sophie Bresch und der gebürtige Ganderkeseer Torben Jacobs starten bei den Weltreiterspielen 2018 in Tryon im Pas de Deux. An der Longe steht Alexandra Knauf. Foto: Imago/Stefan LafrentzIhre Wettkämpfe beginnen am 18. September: Die Voltigierer Theresa-Sophie Bresch und der gebürtige Ganderkeseer Torben Jacobs starten bei den Weltreiterspielen 2018 in Tryon im Pas de Deux. An der Longe steht Alexandra Knauf. Foto: Imago/Stefan Lafrentz

Ganderkesee. Der Ganderkeseer Torben Jacobs gehört zum deutschen Voltigier-Team, das ab Donnerstag, 18. September, bei den Weltreiterspielen 2018 in Tryon um Medaillen kämpft. Der 26-Jährige, der für den VV Köln-Dünnwald antritt, wird mit Theresa-Sophie Bresch im Pas de Deux und im Gruppenwettbewerb starten. Ende der Saison wird Jacobs seine aktive Laufbahn beenden.

„Voltigieren ist eine Lebenseinstellung, es wird mich immer begleiten.“ Der Ganderkeseer Torben Jacobs liebt seinen Sport, bei dem akrobatische und turnerische Elemente auf einem an einer Longe galoppierenden Pferd gezeigt werden. Der 26-Jährige ist Vize-Weltmeister und Vize-Europameister im Doppel-Voltigieren und schielt mit seiner Heidelberger Partnerin Theresa-Sophie Bresch auf eine Medaille bei den Weltreiterspielen im US-amerikanischen Tryon. Die Chancen stehen gut, die beiden haben mit dem Sieg beim Weltcup-Finale in Dortmund im März bewiesen, dass sie zu den Besten gehören. Auf dem Pferd Holiday on Ice und mit Alexandra Knauf an der Longe siegte das Duo mit seiner „Bonny&Clyde-Kür“. Die werden sie bei der WM aber nicht mehr präsentieren. „Parallel haben wir damals schon an einer neuen Kür gearbeitet“, erzählt Torben Jacobs: „Auch wenn wir in Deutschland sehr viele gute Voltigierer haben und eine Nominierung nicht selbstverständlich war.“ Doch Bresch und Jacobs erhielten das WM-Ticket und belohnten sich damit für die intensive Arbeit für dieses Ziel, die sie schon vor mehr als zwei Jahren begonnen hatten. Seit Dienstag sind sie in Tryon.

Erstmals Nationenpreis für Voltigier-Teams

Die Wettbewerbe der Voltigierer beginnen am 18. September. Bresch und Jacobs werden die neue Kür zu Paso-Doble-Klängen zweimal präsentieren, aus der Addition der Noten ergibt sich ihr Ergebnis. Für Jacobs ist der Pas de Deux aber nicht der einzige WM-Start. Er tritt auch noch im Gruppenwettbewerb an – und hat damit noch eine dritte Medaillenchance: Zum ersten Mal steht bei den Voltigieren ein Nationenpreis im WM-Programm, den jeweils zwei Gruppen und zwei Einzelvoltigierer für ihr Land bestreiten. Ein anspruchsvolles Programm, das durch die äußeren Bedingungen nicht leichter wird. Im Gegenteil. „Das Packen war schon schwierig, draußen Hitze und in den Hotels dann Klimaanlage“, schmunzelt er. Für die Pferde war das sogar noch schwieriger. „110 Kilogramm Futter und 220 Kilogramm Gepäck dürfen pro Pferd mit.“ Klingt viel, aber mit Voltigiergurt, Gurt, Decken, Bandagen, Zaumzeug und Pflegemitteln ist auch das schnell erreicht. „Und mit Müsli und Hafer ist auch die Futtermenge gerade ausreichend.“

In die USA zu fliegen und Deutschland zu vertreten, ist „schon etwas Anderes“, findet Jacobs, der bei den zurückliegenden Weltreiterspielen 2014 in Caen mit seiner damaligen Partnerin Pia Engelberty Silber holte. „Wir Athleten sind uns schon bewusst, welch immenser Aufwand hinter der Teilnahme in Tryon steht und wollen dort natürlich das Beste für die Deutsche Reiterliche Vereinigung erreichen.“ Unterstützt wird er dabei auch von seiner Freundin, die vor Ort die Daumen drücken wird.

Torben Jacobs arbeitet schon im Landestrainerstab

Für Jacobs hat die WM noch eine ganz besondere Bedeutung. „2018 soll mein letztes Jahr im aktiven Voltigiersport werden“, bestätigt er. „Es ist einfach kaum zu vereinbaren, wenn ich nächstes Jahr in einer Klinik als Arzt tätig sein werde.“ Für den in Köln lebenden Ganderkeseer steht im Dezember das Examen im Medizinstudium an. „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist.“

Seinem Sport wird er aber nicht völlig den Rücken zukehren. Er arbeitet schon im Landestrainerstab in Köln mit, ist in der Ausbildung zum Inhaber des B-Trainerscheins.

Bis zum nächsten Besuch in seiner Heimat wird wohl noch etwas Zeit vergeben. Es wird wohl Winter werden, wenn die Saison und das Examen geschafft sind. Dann wird er wieder einmal nach Ganderkesee kommen und seine Mutter Gudrun Jacobs besuchen. Wenn er dort zu Gast ist, nimmt er sich auch gerne die Zeit, bei seinem alten Verein am Donnermoor vorbeizuschauen. Denn dort hat alles angefangen: im Reiterverein Ganderkesee.

Torben Jacobs beginnt als Zehnjähriger

Eigentlich spielte Jacobs Fußball im TSV Ganderkesee, kam dann aber über Helga Eismann zum Voltigieren. Der damals Zehnjährige war auch vom Turnen begeistert. „Ich kam relativ fix in eine Turniergruppe, die einen Obermann suchte“, erzählt er. Die leider inzwischen verstorbene, renommierte Voltigierrichterin Reinhild Riewe übernahm das Wintertraining, durchgängig wurde zwei Mal wöchentlich geübt. Die Gruppe stieg jährlich auf. 2006 übernahm Yvonne Meyer die Turniergruppe, die neben dem Training auf dem PferdJean-Miro auch Lauf- und Krafttraining sowie Turnunterricht von Alexandra Körner bekam. Erste Einzelstarts bis zu Norddeutschen Meisterschaften folgten. Dann nahm er das Angebot an, nach Oldenburg zu wechseln. „Das ist mir nicht leichtgefallen.“ Im Team und „nebenbei“ im Einzel in Bremen sammelte er viele Erfolge bis zur deutschen Vizemeisterschaft.

Bundestrainerin Ulla Ramge wurde auf den Ganderkeseer aufmerksam. Sie holte Jacobs in den Bundeskader. So wechselte er zum VfV Langenhagen. Die Zeit im Zug wurde zum Lernen für das Abitur am Max-Planck-Gymnasium in Delmenhorst genutzt. „Mir war aber klar, dass ich Voltigieren profimäßig weitermachen würde.“ Auf die Unterstützung seiner Mutter konnte er sich dabei immer verlassen.

Viele Medaillen bei Meisterschaften

Nach dem Abitur bot sich ihm die Chance, mit Theresa Sophie Bresch in Tübingen das Paar-Voltigieren auszuprobieren: „Ich glaube, ich pendle gern“, merkt Jacobs grinsend an. „Das erste Turnier beim CHIO in Aachen haben wir mit unserer Schwanensee-Kür gleich gewonnen, wurden im Anschluss in Le Mans direkt Europameister. Das war unglaublich“, erzählt er und ist noch immer überwältigt: „Man freut sich riesig, checkt das aber erst ein paar Tage später.“

2011 nahm er ein Medizin-Studium in Düsseldorf auf und wechselte zum VV Köln-Dünnwald. Wieder neues Pendeln, diesmal aber per Auto: „Liegt aber alles sehr günstig.“ Von 2012 an startete er mit Pia Engelberty. Bei ihrer ersten WM in Le Mans erreichten sie Rang sechs. Bei der EM 2013 in Österreich gab es Bronze, Silber folgte im Worldcupfinale auf dem Pferd Danny Boy mit Trainer Patric Looser an der Longe. Die Weltreiterspiele in Caen 2014 „waren dann schon der Hammer“. Das Gemeinschaftsgefühl im deutschen Team ist ihm dort besonders unter die Haut gegangen, genau wie auch der Silberrang, den das Paar mit einer Tarzan-und-Jane-Kür erreichte.

In der Weltrangliste auf Platz zwei

Höhepunkt war für ihn jedoch die EM 2015 in Aachen, quasi gleich um die Ecke seines Wohnorts. Zuvor war noch mehr Zeit in eine Vampir-Kür investiert worden, es wurde mehr gefeilt und choreografiert. „Ich hatte in beiden Küren das Gefühl, dass es läuft“, schwärmt Jacobs rückblickend. Silber war der Lohn. Engelberty beendete 2016 ihre Laufbahn. Jacobs und die Heidelbergerin Theresa-Sophie Bresch entschlossen sich, den Versuch zu Unternehmen, noch einmal an ihre erfolgreichen Zeiten anzuknüpfen. Das gelang. Sie wurden 2016 und 2017 Deutsche Meister. In der Weltrangliste belegen sie derzeit Rang zwei. Für Tryon wünscht sich Jacobs vor allem, dass das Duo dort noch einmal das erlebt, was für ihn die Faszination am Voltigieren ausmacht: „Das Gefühl, wenn es funktioniert auf dem Pferd. Dann ist man ist im Pferd.“ Er hätte sicher nichts dagegen, wenn das später von der Freude, die während einer Medaillenübergabe entsteht, gekrönt würde.


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