Auch Kreisliga aufgelöst Tischtennis-Verband kämpft um neue Spielerinnen

Von Andreas Giehl und Daniel Niebuhr

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Christine Diegel spielt für den TuS Hasbergen und war Spielleiterin der Damen-Kreisliga – die es inzwischen nicht mehr gibt. Foto: Rolf TobisChristine Diegel spielt für den TuS Hasbergen und war Spielleiterin der Damen-Kreisliga – die es inzwischen nicht mehr gibt. Foto: Rolf Tobis

Delmenhorst. Der Tischtennis-Sport geht im weiblichen Bereich am Stock – ein Ende ist nicht in Sicht. Zur neuen Saison wurde auch die Kreisliga Delmenhorst/Oldenburg-Land aufgelöst. Die Zahlen sinken dramatisch. Vereine und Verbände steuern bisher vergeblich gegen.

Die Tischtennisspielerinnen des TV Hude kommen in ihrem für seine starken Herren bekannten Verein immer ein wenig zu kurz in der Öffentlichkeitswahrnehmung, seit April 2018 tragen sie allerdings einen Titel, den man getrost historisch nennen darf. Sie sind Kreisliga-Meister – und zwar womöglich der letzte, den es auf absehbare Zeit geben wird. Seit Jahren wurde die Liga kleiner und kleiner, vor dieser Saison hisste man in der Spielgemeinschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land nun die weiße Flagge – die verbliebenen fünf Teams wurden entweder in die höhere Bezirksklasse einsortiert oder lösten sich auf. „Wir waren einfach zu wenige“, sagt Spielleiterin Christine Diegel, die fürchtet, „dass die Kreisliga so schnell auch nicht wiederkommt.“

Anke Bielefeld mit 42 die Jüngste

Für den Kreisverbund Delmenhorst/Oldenburg-Land ist das ein alarmierendes Zeichen. Die bloße Existenz der Damen-Kreisliga – einer von nur dreien im Bezirk Weser-Ems – war immer ein Symbol dafür, dass es der Spielgemeinschaft immer noch besser geht als den Nachbarn; ihre Auflösung ist nun die Konsequenz der sinkenden Spielerzahlen bei den Mädchen und Frauen. In den 90-ern hatte mancher Verein noch fünf Damenmannschaften, inzwischen hat keiner mehr als zwei.

„Tischtennis ist bei der Jugend und besonders bei den Mädchen aktuell eben keine Trendsportart“, meint Anke Bielefeld. Sie spricht als aktive Tischtennisspielerin und Mutter aus Erfahrung. Ihre ersten Schläge machte sie in den 80-er Jahren beim TV Hude und wechselte danach zum TTSV 92 Delmenhorst, wo sie über Jahre in der Bezirksober- und Landesliga erfolgreich um Punkte kämpfte. Inzwischen tritt sie für den TuS Huchting an – und ist dort mit 42 Jahren die Jüngste.

Karin Werft, die Sportwartin des Stadtverbands Delmenhorst, macht sich ebenfalls Sorgen: „Ganz klar, die Anforderungen an die Kinder in der Schule mit mehr Leistungsdruck und dem Nachmittagsunterricht sind in den letzten Jahren gestiegen.“ Viele Mädchen würden abspringen, wenn der Übergang zu den Damen ansteht.

Von 21 zu 14 Mannschaften in zwei Jahren

Die Zahlen sind jedenfalls historisch schlecht. Vor zwei Jahren gab es im Bereich Delmenhorst/Oldenburg-Land noch 21 Damenmannschaften, ein Jahr später 18 und aktuell sind es noch 14. Bei der Kreismeisterschaft in Sandkrug Mitte August waren ganze sieben Damen, zwei Jugendspielerinnen und acht Schülerinnen am Start. „Das klingt alles nicht so toll“, bekennt Felix Lingenau vom TV Hude. „Aber andere Kreise sind noch schlechter dran.“ Womit er Recht hat: Eine Kreisliga gibt es im Weser-Ems-Bereich nur noch in zwei von 14 Kreisen. Ammerland, Friesland, Wilhelmshaven, Wesermarsch und Oldenburg-Stadt teilen sich inzwischen eine Bezirksklasse, die trotzdem nur fünf Mannschaften hat – die Sollstärke ist zehn.

Verband bietet umfangreiches Förderpaket

Um die wenigen Spielerinnen bei der Stange zu halten, versuchen die Verbände schon einiges. Der Ablauf der Punktspiele in der Jugend wurde reformiert. Damen dürfen seit dieser Saison auch bei den Herren mitspielen, was tatsächlich keine Seltenheit ist – auch die Hasbergerin Diegel geht diesen Weg. „Bei mir liegt es aber auch daran, dass ich weniger Zeit habe“, sagt sie. Lingenau erzählt von weiteren Maßnahmen. „Seit zwei Jahren veranstalten wir im Sommer ein großes Mädchencamp mit Wochenendtrainingslager. Dazu treten unsere Kids bei Bezirksveranstaltungen alle in gemeinsamen Trikots der Spielgemeinschaft auf. Das soll die Zusammengehörigkeit stärken.“ Vereinsübergreifendes Jugendtraining und Lehrgänge vor Bezirksmeisterschaften gehören ebenfalls zum Förderpaket.

Auch die Vereine suchen nach neuen Wegen. Der TV Jahn kooperiert in der Jugend mit dem Delmenhorster TB, die Kennenlern-Aktionen wie das Familienturnier für Groß und Klein und das Bratpfannenturnier kamen gut an. „Früher hat es vielleicht genügt, wenn du mit den Kindern nach einem gewonnenen Punktspiel mal Pommes essen gehst. Heute musst du viel mehr für die Kinder leisten, ihnen etwas anbieten und sie immer wieder aufs Neue begeistern“, sagt Werft. Immerhin: Die Hasbergerin hat drei Kinder, die alle Tischtennis spielen und den Übergang in den Erwachsenenbereich geschafft haben.


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