Vielseitigkeits-WM 2018 in Tryon Sandra Auffarth lobt nach Training Viamant du Matz

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Am Donnerstag, 13. September, geht es los: Sandra Auffarth vom RV Ganderkesee startet mit Viamant du Matz (hier beim CHIO in Aachen) im US-amerikanischen Tryon in die Vielseitigkeits-Weltmeisterschaft. Foto: Lars PingelAm Donnerstag, 13. September, geht es los: Sandra Auffarth vom RV Ganderkesee startet mit Viamant du Matz (hier beim CHIO in Aachen) im US-amerikanischen Tryon in die Vielseitigkeits-Weltmeisterschaft. Foto: Lars Pingel

Ganderkesee/Tryon. Sandra Auffarth vom RV Ganderkesee und der neunjährige Wallach Viamant du Matz haben im US-amerikanischen Tryon bereits einige Trainingseinheiten absolviert. Dort wird von diesem Donnerstag, 13. September, an die Weltmeisterschaft der Vielseitigkeitsreiter ausgetragen.

Sandra Auffarth hat am Montagmorgen auf ihrer Facebook-Seite ein Video gepostet, in dem sie auf einem fuchsfarbenen Wallach im Galopp reitet. „Tolle Trainingsbedingungen hier in Tryon“, schrieb die 31-Jährige vom RV Ganderkesee dazu. Sie bereitet sich in der Kleinstadt (rund 1600 Einwohner) im US-amerikanischen Bundesstaat North Carolina auf die Vielseitigkeits-Weltmeisterschaft vor, die dort von Donnerstag an bis Sonntag während der Weltreiterspiele ausgetragen wird. Es geht um den letzten Feinschliff vor dem großen Auftritt.

WM-Start schien nicht möglich

Auffarth ist die Titelverteidigerin. Sie war noch Mitte August davon ausgegangen, dass sie nicht zum zweiten Mal an einer WM im Mehrkampf des Pferdesports teilnehmen wird. Schließlich hatte sie Anfang Juli, nach langem Überlegen, bekannt gegeben, dass sie ihrem Erfolgspferd Opgun Louvo, das unter dem Spitznamen Wolle mindestens ebenso gut bekannt ist, keine Championate, die in Prüfungen auf allerhöchstem Niveau – mit vier Sternen gekennzeichnet – vergeben werden, mehr zumuten möchte. Diese Entscheidung traf sie auch, weil in Tryon eine sehr anspruchsvolle Geländestrecke erstellt wurde und weil das Wetter dort fordernd (heiß und hohe Luftfeuchtigkeit) ist. Auch die Reisestrapazen wollte sie dem 16-Jährigen ersparen, mit dem sie 2014 im französischen Caen Einzel- und Mannschaftsgold gewonnen hatte. Und dann kam alles ganz anders. Nicht zuletzt dank eines fuchsfarbenen Wallachs.

Auffarth steht mit Mat als Reserve auf der WM-Longlist

Wolle ist ein fuchsfarbener Wallach, er ist ein Selle Français. Genau wie Viamant du Matz. Der Neunjährige, der den Spitznamen „Mat“ bekommen hat, sammelte als Sechsjähriger erste Erfahrungen im Ein-Stern-Bereich. Er machte fortan immer wieder auf sich aufmerksam. In dieser Saison entwickelte sich er sich dann im Training und im Wettkampf unter Anleitung seiner Reiterin und der Mitglieder in ihrem Team endgültig vom Perspektiv- zum Championatspferd. Er ist es, mit dem Auffarth am Rand der Geländestrecke in Tryon galoppiert.

Die formale Startberechtigung für Vier-Sterne-Prüfungen, also auch für Welt- und Europameisterschaften und Olympische Spiele, sicherte sich Auffarth mit Mat am ersten Mai-Wochenende im polnischen Sopot, ebenso mit Wolle. Nach dem internationalen Turnier in Luhmühlen, in dem Auffarth mit Mat in der Drei-Sterne-Prüfung startete und mit Wolle als Vorreiterin eine starke Vier-Sterne-Dressur zeigte, wurde die Bergedorferin von Bundestrainer Hans Melzer (Warendorf) mit beiden auf die WM-Longlist gesetzt – das Aufgebot, aus dem die Starter nominiert werden. Mit Mat als zweite Reserve. Das war am 16. Juni. Am 6. Juli wurde Wolle von dieser Liste gestrichen.

Mat überzeugt bei CHIO-Premiere

Trotz des WM-Verzichts wollte Auffarth mit Wolle, der sich im Verlauf der Saison in sehr, sehr guter Form präsentiert hatte, eine Woche später in der Vielseitigkeit des CHIO in Aachen starten, einer Kurzprüfung auf Drei-Sterne-Niveau. Doch Wolle bekam, nachdem er schon in der Soers angekommen war, Schmerzen an einem Huf. Auffarth verzichtete. „Das war natürlich eine riesengroße Enttäuschung“, erzählte sie später: „Vor allem für Wolle. Seine Augen haben geleuchtet, als wir in Aachen angekommen waren.“

Neben Wolle stand Mat im Stall in der Soers, er war als Ersatzpferd gemeldet worden. Und er zeigte eine glänzende CHIO-Premiere: starke Dressur, klasse Geländerunde ohne Hindernisfehler, sehr gute Springprüfung. Auffarth belegte mit Mat den zwölften Platz. Sie war damit drittbeste deutsche Reiterin.

Olympiasieger Michael Jung muss auf WM-Start verzichten

Mitte August reiste Auffarth dann mit Mat ins polnische Strzegom, dort wurde eine CIC***-Prüfung ausgetragen, die für die deutschen Reiter als letzte WM-Sichtung galt. Auffarth gewann sie mit Mat – und das Paar wurde von der zweiten zur ersten Reserve für die WM. Europameisterin Ingrid Klimke mit Hale Bob, Andreas Dibowski mit FRH Butts Avedon oder FRH Corrida, Julia Krajewski (Warendorf) mit Chipmunk FRH, Kai Rüder (Blieschendorf) mit Colani Sunrise und Olympiasieger Michael Jung (Horb) mit fischerRocana FST sollten in Tryon starten. Doch am 28. August musste Jung zurückziehen, da seine Stute an einem Fesselgelenk verletzt war. Sandra Auffarth und Mat wurden nachnominiert.

Eine Woche später, am vergangenen Dienstag, ging es für Mat mit den anderen Pferden per Flugzeug in die USA; am Donnerstag folgten die Reiter. „Den Pferden geht es gut“, berichtete FN-Pressesprecherin Uta Helkenberg. „Unser Veterinär ist sehr zufrieden.“ Auf dem Gelände würden derweil die letzten Arbeiten erledigt. „Das, was fertig ist, ist klasse“, lobte sie.

Gute Leistung in Trainingseinheit

„Mat hat das alles gut verkraftet“, erzählte Auffarth gestern. „Er ist gut drauf und macht einen zufriedenen Eindruck.“ Das zeigt er auch auf den Plätzen, wie im ersten Dressurtraining in den USA am Sonntag, in dem die Bergedorferin mit Jonny Hilberath, dem Disziplintrainer Dressur der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, Teile der Aufgabe ritt. „Mat fühlte sich super an“, schrieb sie anschließend auf Facebook.

WM wird am Sonntag entschieden

Mit den Dressurritten wird die WM am Donnerstag (15 bis 22 Uhr) und Freitag (16 bis 22.30 Uhr) eröffnet. Am Samstag (17 bis 23 Uhr) steht der Geländeritt an, ehe am Sonntag (21.15 bis 23.45 Uhr) nach dem Springen die Medaillen vergeben werden. Als Nachrückerin wird Auffarth voraussichtlich als Einzelreiterin – pro Nation dürfen zwei starten – in den Wettbewerb gehen. Die Entscheidung, welche vier Paare für die Teamwertung reiten, fällt am späten Mittwochabend. Auffarth ist sich sicher, dass der eine fuchsfarbene Wallach den anderen moralisch unterstützt. Es sei ein komisches Gefühl, dass Wolle zu Hause blieb, schrieb sie auf Facebook, „aber ich bin mir sicher, dass er seinem Stallkumpel Mat ganz fest die Daumen drücken wird.“


Wettkampfmodus der Vielseitigkeits-WM

Die Vielseitigkeitsprüfung besteht aus drei Teilen: Dressur, Geländeritt und Springen. Sie beginnt mit der Dressur, nach der die von Wertungsrichtern vergebene Note, eine Prozentzahl, in Minuspunkte umgerechnet wird, aus denen sich die Rangfolge ergibt. Die Prozentzahl wird von 100 abgezogen. Ein Reiter mit einem Dressurergebnis von 75 Prozent, geht also mit 25 Minuspunkten in die beiden anderen Teildisziplinen.

Die Geländestrecke in Tryon wird etwa 5700 Meter lang sein, teilte die FN mit. Sie führt über einen ehemaligen Golfplatz. Maximal 42 Sprünge erwarten Pferd und Reiter. Sie sollen die Strecke möglichst in einer vorgegebenen Zeit, der sogenannten Optimalzeit, bewältigen. Für das Überschreiten gibt es Minuspunkte. Schneller ins Ziel zu kommen, bringt aber keine Pluspunkte. Es kann sogar zu einem Nachteil werden, denn bei Punktegleichstand liegt der Reiter vorn, der dichter an die Optimalzeit herangekommen war. Ein Sturz oder das Herunterfallen eines Reiters führen zur Disqualifikation. Für Verweigerungen – nach der dritten folgt der Ausschluss – und Vorbeiläufer gibt es Minuspunkte, die zum Dressurergebnis addiert werden.

Im Springen starten die Sportler in umgekehrter Reihenfolge des Zwischenstands. Für Hindernis- und Zeitfehler und für Verweigerungen gibt es weitere Minuspunkte. Weltmeister sind das Paar und die Equipe mit den wenigsten Minuspunkten.

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