Nach Sportausschuss-Sitzung CDU kämpft weiter um Kunstrasenplatz in Delmenhorst

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Ein Kunstrasenplatz in Delmenhorst? Der ist aus sportlicher Sicht vor allem für die Fußballerinnen des TV Jahn wichtig. Denn die Zweitliga-Lizenz wird vom DFB künftig nur noch vergeben, wenn ein Verein auch einen Kunststoffplatz als Ausweichspielort hat. Foto: Rolf TobisEin Kunstrasenplatz in Delmenhorst? Der ist aus sportlicher Sicht vor allem für die Fußballerinnen des TV Jahn wichtig. Denn die Zweitliga-Lizenz wird vom DFB künftig nur noch vergeben, wenn ein Verein auch einen Kunststoffplatz als Ausweichspielort hat. Foto: Rolf Tobis

Delmenhorst. Die CDU fordert die Stadt Delmenhorst in einem Antrag auf, eine Analyse aller Fußballplätze zu erstellen. Das Ziel der Christdemokraten ist dies: Wenn aus den bisherigen Sportanlagen Bauland wird, könnten diese Einnahmen zur Refinanzierung von Kunstrasenplätzen und der Sanierung der Fußball-Anlagen in den städtischen Haushalt fließen.

Gerade als die Diskussion im Sportausschuss richtig Fahrt aufgenommen hatte, Pro und Contra für den möglichen Bau eines Kunstrasenplatzes in Delmenhorst zwischen den Parteien und den Vertretern des Stadtsportbundes ausgetauscht worden waren, wurde der Tagesordnungspunkt 8 von der Vorsitzenden Margret Hantke auch schon wieder beendet – und die 20 anwesenden Fußballer des DTB und des TV Jahn gingen enttäuscht nach Hause. (Weiterlesen: Die Diskussion im Sportausschuss)

Beendet ist die Debatte um den von den Fußballern seit Jahren sehnlichst geforderten Kunststoffplatz indes noch lange nicht. Jahns Abteilungsleiter Marco Castiglione kündigte als Frontmann der Kunstrasenplatz-Initiative der zwölf Fußball-Vereine in Delmenhorst direkt nach der Sitzung an, „dass wir weiter kämpfen werden“. Und Bastian Ernst (CDU) sowie Antje Beilemann (SPD) und Gabi Baumgart (SPD) setzten wenige Stunden nach der Sitzung ihre schon im Ausschuss emotional geführte Diskussion auf Ernsts Facebook-Seite fort. Dort warfen sich die Politiker dann gegenseitig Populismus und aus dem Zusammenhang gerissene Inhalte vor.

Ruhen wird die Auseinandersetzung zwischen Politikern, Sportlern und in den sozialen Netzwerken um das Für und Wider eines Kunstrasenplatzes – die Fußballer fordern bekanntlich sogar zwei im Stadtgebiet –, in den kommenden Wochen und Monaten also nicht. Auch aus diesem Grund: Denn in der nächsten Sportausschuss-Sitzung am 18. Oktober (Donnerstag) soll über diesen Antrag von Ernst beraten werden: „Analyse zur Auslastung und Bewertung der Sportstätten“. Was sich der CDU-Mann davon erhofft, hatte er in der vergangenen Sitzung bereits vorgetragen.

Konkret fordert Ernst dies: Die Stadt Delmenhorst soll beauftragt werden, eine Analyse aller Fußballplätze zu erstellen, die folgende Parameter umfasst:

  • - Auslastung im Trainingsbetrieb
  • - Auslastung im Spielbetrieb
  • - Größe der Anlage
  • - Dringende oder geplante Investitionen in den nächsten zehn Jahren
  • - Bekannte Mängel
  • - Wert der Anlage, wenn man das komplette Grundstück zu Bauland umwandelt

Ernst sieht Konzentration auf Sportstätten als eine Chance

„Die finanzielle Lage der Stadt Delmenhorst lässt eine rein durch städtische Mittel finanzierte Errichtung von Kunstrasenplätzen nicht zu“, erklärt Ernst. „Auf der anderen Seite wird es den Vereinen nicht möglich sein, einen Kunstrasenplatz selber zu finanzieren.“ Da sich die finanzielle Situation voraussichtlich nicht erheblich verbessern werde, können die vielen Anlagen nicht saniert werden, betont Ernst. (Weiterlesen: Stadt Delmenhorst sagt Nein zum Kunstrasen)

Viele Sportstätten, teilweise geringe Auslastung – zu diesem Ergebnis war die Verwaltung bereits 2015 in ihrem Sporstättenbericht gekommen. Ernst sieht in diesem Missstand jedoch auch eine Chance. Eine Konsolidierung und Konzentration auf Sportzentren sei die Möglichkeit, allen Vereinen gleiche Bedingungen zu ermöglichen.

Wenn aus bisherigen Sportanlagen Bauland wird, würden die Vereine gleichzeitig helfen, dass diese Einnahmen in den städtischen Haushalt fließen. Diese Gelder könnten wiederum für die Refinanzierung von Kunstrasenplätzen und für andere bauliche Maßnahmen bei den Fußballplätzen genutzt werden, argumentiert Ernst.

Sie ziehen beim Thema Kunstrasen gemeinsam an einem Strang: (von links) Die Fußballer Benjamin Sen (Tur Abdin), Michael Wild (Heidkrug), Zeki Tiryaki (Hürriyet), Bernd Hannemann (Jahn), Bastian Fuhrken (Atlas), Ahmet Sonuvar (Hürriyet), Hamid Mehrdadi (DTB), Jürgen Stöver (Hasbergen), Turhan Erdogan (Hicretspor), Daniel Voß (Borussia), Thomas Luthardt (Atlas), Klaus Bischoff (DBV) und Marco Castliglione (Jahn) bei einem Pressetermin Ende März dieses Jahres. Foto: Frederik Böckmann

„Die Vereine, die dabei ihre Anlage verlassen oder zum Teil abgeben sollen, dürfen nicht als Verlierer dastehen“, betonte der Marketing-Vorstand des SV Atlas gegenüber dem dk. Vielmehr gehe es darum, dass die Vereine nicht mit leeren Händen kommen, sondern auch ihren Beitrag für einen möglichen Kunstrasenplatz-Bau leisten.

Dass die SPD die Konzentration auf Sportzentren als wenig sinnvoll erachtet, hatte Antje Beilemann bereits in der vergangenen Sitzung des Sportausschusses erläutert. „Wir sollten nicht in die Autonomie der Vereine eingreifen.“ Eins ist sicher: Die Diskussionen um einen Kunstrasenplatz wird weitergehen. Nicht nur auf den Fußballanlagen.


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