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Handball-Wahnsinn zum Oberliga-Start HSG Delmenhorst und der Traum-Einstand in die Oberliga

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Delmenhorst. Beim Handball-Oberligisten HSG Delmenhorst kann man das Glück nach dem verrückten Sieg gegen die SG Bremen/Hastedt kaum fassen. Im Anschluss an das denkwürdige Spiel zeigen auch die Bremer großen Sportgeist.

Die Delmenhorster Handball-Fans konnten von diesem magischen Samstagabend offenbar nicht genug bekommen. Als das denkwürdige Auftaktdrama in der Oberliga längst Geschichte war, saßen noch immer rund 150 der ursprünglich 400 lautstarken Zuschauer auf der Tribüne der Stadionhalle und lauschten der Pressekonferenz, zu der sich die Übungsleiter am Bistrotisch vor der Sponsorenwand versammelt hatten. So ganz genau wusste keiner, wie Aufsteiger HSG Delmenhorst die SG Bremen/Hastedt noch mit 32:31 (19:16) in die Knie gezwungen hatte, doch die Analysen boten vielleicht genau deshalb so viel Bemerkenswertes. „So einen Wahnsinn muss ich nicht jede Woche erleben. Ein Unentschieden wäre gerecht gewesen – aber ich nehme auch gern beide Punkte“, konnte HSG-Trainer Jörg Rademacher zum Beispiel sein Glück kaum fassen.

Marten Franke der tragische Held

Ein Siebenmeter nach Ablauf der Zeit hatte seiner Mannschaft letztlich einen Sieg gebracht, den niemand mehr für möglich gehalten hatte. Allein über die letzten zehn Sekunden ließe sich zwei Stunden diskutieren, fand der Bremer Coach Jörn Franke, der das Team zusammen mit seinem Sohn Marten Franke trainiert. Und Franke junior wiederum war der tragische Held des Abends: Der Dötlinger war mit elf Treffern und genialen Anspielen nicht nur der beste Mann auf dem Parkett, er beging auch den entscheidenden Fehler, über den am Ende alle sprachen.

Beim Stand von 31:31 hatte Bremen/Hastedt mit dem letzten Angriff versucht, doch noch den entscheidenden Punch zu setzen und dafür den Torwart gegen einen siebten Feldspieler ausgetauscht. Franke bekam den Ball und trat drei Sekunden vor Schluss beim Wurfversuch in den Kreis. Nach dem Pfiff hielt er den Ball zu lange fest, was in den letzten 30 Sekunden Spielzeit mit einer Roten Karte und Siebenmeter bestraft wird. „Ich dachte, wir hätten den Freiwurf bekommen“, sagte er später bei der Pressekonferenz und entschuldigte sich per Mikrofon bei seiner Mannschaft. Selbst die Delmenhorster Fans applaudierten da und bekamen im Gegenzug die Anerkennung von Jörn Franke: „Die Stimmung war heute fantastisch. Davon lebt der Handball.“

Oetkens eiserne Nerven

Zum entscheidenden Strafwurf trat Fino Oetken an, der keine 180 Sekunden zuvor einen Siebenmeter verworfen hatte, und traf unten rechts. Der Jubelschrei der Fans dürfte einige Nachbarn in Düsternort aus dem Schlaf gerissen haben. Danach brachen auch bei der Mannschaft alle Dämme; als die erste Jubeltraube sich aufgelöst hatte, bemerkte Oetken trocken: „So ist Handball. Ich musste Verantwortung übernehmen bei unserer Personallage.“

Auch die war in der Tat eine der vielen Geschichten dieses ersten Spieltags. Weil der HSG sechs Stammspieler fehlten, wurden die Kreisläufer Dominik Ludwig und Marcian Markowski reaktiviert, die beide trafen und in der Abwehr robust zupackten. Dennoch waren Rademachers Wechselmöglichkeiten begrenzt – seine Mannschaft, das war früh klar, würde über ihre Grenzen gehen müssen.

So entwickelte sich ein hartes, aber faires Spiel, in das beide Teams alles reinwarfen. Vor allem dank des herausragenden Rechtsaußen Philipp Freese führte Delmenhorst ab Mitte der ersten Hälfte; der Linkshänder war achtmal erfolgreich und warf auch die beiden einzigen Vier-Tore-Führungen zum 16:12 (25.) und 20:16 (32.) heraus. Im Rückraum führte Ole Goyert gut Regie, sein Nebenmann Oetken glänzte mit schönen Drehern. Torwart Sönke Schröder hatte einen Sahnetag erwischt und steckte mit seinen Paraden auch den kroatischen Neuzugang Deni Provonozac an, der zwischenzeitlich sein Debüt zwischen den Pfosten feiern durfte.

400 Fans treiben Delmenhorst zur Wende

Auf der Gegenseite war Marten Franke nicht zu halten, er traf aus dem Rückraum, per Siebenmeter, mit Kempa-Tricks und einmal sogar aus zehn Metern mit dem Rücken zum Tor. Nachdem die HSG beim Stand von 26:24 eine Überzahl ungenutzt ließ, übernahmen die Bremer mit drei Treffern am Stück in der 50. Minute die Führung. Die Delmenhorster wurden im Angriff immer ratloser und offenbarten Schwächen in der Rückwärtsbewegung; die Strafe war ein 29:31-Rückstand zwei Minuten vor Schluss.

Doch angeheizt von der Tribüne, auf der die HSG-Fans mit den Anhängern des SV Atlas, die vom vorangegangenen Fußball-Oberligaspiel gekommen waren, gemeinsamem „Wir sind alle Delmenhorster Jungs“ sangen, kam die HSG zurück. Ludwig verkürzte vom Kreis auf 30:31, Oetken murmelte mit dem nächsten Angriff einen Notwurf irgendwie zum Ausgleich über die Linie. „Das habe ich gar nicht gesehen. Alle waren plötzlich am schreien“, berichtete der Rückraumspieler. Kurz darauf wurde dann noch lauter geschrien, als Oetken nach Frankes Blackout das Siegtor warf.


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