Diskussion im Sportausschuss „Wo ist der Wille, einen Kunstrasenplatz zu bauen?“

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Die Delmenhorster Fußballer fordern zwei Kunstrasenplätze in Delmenhorst – vielleicht wird es auf kurze Sicht aber nicht einmal einen geben. Foto: Rolf TobisDie Delmenhorster Fußballer fordern zwei Kunstrasenplätze in Delmenhorst – vielleicht wird es auf kurze Sicht aber nicht einmal einen geben. Foto: Rolf Tobis

Delmenhorst Der Sportausschuss diskutiert über Nutzen und Finanzierung eines Kunststoffplatzes in Delmenhorst. Die Meinungen darüber gehen besonders zwischen CDU und SPD auseinander. Jahns Fußball-Abteilungsleiter Marco Castiglione vermisst den Willen, einen Kunstrasenplatz bauen zu wollen.

Über eine Stunde lang verfolgte Marco Castiglione am Donnerstag auf den Zuschauerplätzen neben 20 B-Jugendfußballlern des TV Jahn Delmenhorst interessiert die Sitzung des Sportausschusses. Dann durfte sich der Fußball-Chef des TV Jahn nach der Verwaltung und den Ausschussmitgliedern auch zum Tagesordnungspunkt 8 äußern: „Sachstandsbericht zu einer möglichen Errichtung eines Kunstrasenplatzes in Delmenhorst.“ Und Castiglione tat es mit freundlicher Stimme, aber deutlichen Worten.

„Diese Vorlage tut richtig weh. Diese Vorlage spielt allen den Ball in den Fuß, die keinen Kunstrasenplatz in Delmenhorst wollen.“ Castiglione meinte damit die Ausschussvorlage, aus der hervorgeht, dass die Verwaltung einmal mehr kein Geld für die Finanzierung eines Kunstrasenplatzes im Haushalt einplanen will. „Ich sehe keine befriedigendende Antwort auf die Frage, wie wir das hinbekommen wollen.“ Das sei enttäuschend.

Die Sorgen der Fußballer

Bei allen finanziellen Zwängen der Stadt fehle ihm bei Politik und Verwaltung „einfach der Wille, der Zusammenhalt in den Diskussionen“, das Projekt Kunstrasenplatz anzustoßen, sagte Castiglione. Er selbst machte einmal mehr diesen Vorschlag: Wenn die Stadt über einen Zeitraum von zehn Jahren pro Jahr 40.000 bis 50.000 Euro in den Haushalt einstelle, dann sei ein Kunstrasenplatz zu finanzieren. Und er formulierte noch etwas: Bitte keinen neuen Arbeitskreis gründen, sondern endlich strategische Gespräche führen.

Castiglione wies emotional erneut auf die unter den Fußballern bekannten zahlreichen Probleme hin, die ein Kunstrasenplatz beheben könnte. Das wichtigste: er könnte die Zahl der Spielausfälle im Herbst und Winter minimieren. Alleine bei Jahn als nur einem von zwölf Fußball-Vereinen in der Stadt seien vergangene Saison 100 Partien abgesagt worden. Wenn er von Spielern im Oktober gefragt werde, wo sie die nächsten vier bis fünf Monate spielen sollten, könne er nur sagen: „Dann musst du die Stadt verlassen.“ Die Vereine hätten irgendwann keine Argumente mehr, ihre Mitglieder zu halten. „Die wandern in die Nachbarvereine ab.“

Der Vorschlag der CDU

Auf die ähnlichen Argumente wie der Jahner Castiglione hatte zuvor auch CDU-Ratsherr Bastian Ernst in den Ausführungen der Politiker hingewiesen. Auch er hätte sich in der Verwaltungsvorlage mehr Lösungswege gewünscht, wie ein Kunstrasenplatz zu realisieren sei, „und nicht zu zeigen, wie es nicht geht“. Wo ein Wille sei, sei auch ein Weg. Der Marketing-Vorstand des SV Atlas Delmenhorst nannte als Beispiel die Renovierung der Rollsportanlage des Delmenhorster TV, als die Politik 2011 180.000 Euro für die Sanierung locker gemacht habe.

Ernst schlug vor, Sportzentren zu bilden und Kooperationen zwischen Vereinen zu fördern. „Wenn wir ehrlich sind, dann wissen wir, dass wir die Anzahl der Sportstätten in zehn Jahren nicht mehr halten können.“ Viele Sportstätten, teilweise geringe Auslastung – zu diesem Schluss war die Verwaltung bereits 2015 in einer Analyse gekommen.

Was das mit einem Kunstrasenplatz zu tun hat? Einerseits würde sich die Zahl der sanierungsbedürftigen Sportstätten reduzieren. Andererseits könnte auf geschlossenen Sportanlagen Bauland entstehen, dessen Einnahmen für einen Kunstrasenplatz zur Verfügung stünden, argumentierte Ernst. „Das Gießkannenprinzip ist nicht sinnvoll“, erklärte er.

Die Fragen der SPD

Bei der SPD kamen Ernsts Vorschläge nicht so gut an. „Sport ist das Integrationsmittel per se, das vor der Haustür stattfinden muss. Die Fußballer wollen nicht fünf Kilometer mit dem Fahrrad in andere Stadtteile fahren“, sagte Antje Beilemann zur möglichen Schließung von Sportstätten.

Ihre Parteikollegin Gabi Baumgart stellte Finanzierung und überhaupt den Nutzen nur eines Kunstrasenplatzes in Frage: „Was bringt denn überhaupt nur ein Kunstrasenplatz?“ Es waren für CDU-Politiker Ernst Aussagen, die ihn in Rage brachten: „Ein Kunstrasenplatz ist ja wohl besser als gar keiner, oder?“

Der Vorschlag der Freien Wähler

Thomas Kuhnke von den Freien Wählern hält einen Kunstrasenplatz für „wichtig, aber für die Stadt nicht zu finanzieren“. Deshalb schlug er vor, über andere Mittel Geld zu beschaffen. Etwa in Form von Sponsoring oder der Erhöhung der Eintrittsgelder von einem Euro.

Castiglione nahm die Ausführungen der Politiker nach Ende der Sitzung etwas enttäuscht zur Kenntnis. Er kündigte aber auch an: „Wir werden weiter um einen Kunstrasenplatz kämpfen.“ Um dann möglicherweise doch noch die entscheidende Vorlage zu verwandeln.


Antrag auf VW-Geld für Sportstätten

Die Stadt Delmenhorst wird beauftragt, finanzielle Mittel aus dem „VW-Bußgeld“ für Sportstätten zu beantragen. Das hat der Sportausschuss einstimmig empfohlen. Ein entsprechender Antrag von CDU-Ratsherr Bastian Ernst wurde daraufhin entsprechend umformuliert. Der Erste Stadtrat Markus Pragal hatte bereits Kontakt mit den zuständigen Ministerien aufgenommen. Wenn der Antrag Erfolg habe sollte, werde es jedoch auch Co-Finanzierungsanteile der Stadt geben müssen, betonte Pragal. (fb)

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