Fußball-Bezirksliga VfL Wildeshausen gewinnt wildes Spektakel bei Tur Abdin

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Ein Fest für Offensiv-Liebhaber: Manuel Celik (links) verlangte mit dem SV Tur Abdin dem VfL Wildeshausen um Marius Krumland und Niklas Heinrich (rechts) alles ab, verlor aber mit 3:4. Foto: Rolf TobisEin Fest für Offensiv-Liebhaber: Manuel Celik (links) verlangte mit dem SV Tur Abdin dem VfL Wildeshausen um Marius Krumland und Niklas Heinrich (rechts) alles ab, verlor aber mit 3:4. Foto: Rolf Tobis

Delmenhorst. Wildeshausens Spielmacher Sascha Görke schießt den VfL Wildeshausen zum 4:3 beim SV Tur Abdin Delmenhorst – und an die Spitze der Fußball-Bezirksliga. In einem hochklassigen Schlagabtausch kommt erst Wildeshausen und dann Tur Abdin zurück. Und dann macht Sascha Görke vieles falsch – und doch eines richtig.

Es lag Liebe in der Luft an diesem frühen Sonntagabend an der Düsternortstraße – Liebe unter Gegnern und die alte Liebe zum Fußball. Nach dem verrückten 3:4 (1:2) des SV Tur Abdin gegen den VfL Wildeshausen umarmten sich die beiden Trainer herzlich, auch Spieler beider Teams fachsimpelten miteinander – die beiden Nachbarn hatten den Respekt voreinander auch nach einem wilden und emotionalen Offensivspektakel vor 250 Zuschauern nicht verloren. Naturgemäß war die Wildeshauser Seite etwas besser gelaunt, VfL-Trainer Marcel Bragula stellte ganz beseelt fest: „Abdin war ein bärenstarker Gegner. Solche Spiele machen den Fußball so geil. Deshalb lieben wir diesen Sport.“

In seinem Club liebt man ihn ganz besonders, denn die Wildeshauser stehen nun an der Spitze der Bezirksliga. Dafür brauchten sie am Sonntag aber mehr Glück, als ihnen lieb war, gegen eine Delmenhorster Mannschaft, die dem Sieg zwischenzeitlich näher gewesen war. „Wir haben unverdient verloren. Wir hatten eine Chance nach der anderen“, sagte Tur-Abdin-Trainer Christian Kaya. „Dass ich leicht enttäuscht bin, wäre ein bisschen übertrieben.“

Siegtor ist schön – und umstritten

Es gab aber auch hitzige Diskussionen um die Entstehung des Siegtreffers, den Sascha Görke in der 90. Minute erzielte, einige Delmenhorster stellten nach dem Abpfiff Schiedsrichter Malec Müller lautstark zur Rede. Der hatte einen vielversprechenden Abdin-Konter wegen eines letztlich nicht stattgefundenen Fouls zurückgepfiffen – im Gegenzug fiel das Wildeshauser 4:3. „Jeder im Stadion sieht, dass da nichts war. Das ist eine bittere Aktion für uns“, sagte Kaya, der aber „niemals behaupten würde, wir hätten wegen des Schiedsrichters verloren“.

Das hätte auch ein wenig die Wirkung des Gesamtkunstwerks geschmälert, zu dem das Spiel immer mehr geworden war, je länger es dauerte. In der Anfangsphase spielten die Gastgeber den Vizemeister schon an die Wand und gingen durch Johannes Artan in der dritten Minute in Führung. Wildeshausen war klar unterlegen, glich nach einer halben Stunde aber trotzdem aus, weil Marius Krumland nach einem Freistoß von Lukas Schneider am schnellsten schaltete. Zehn Minuten später hatte der VfL das Spiel komplett gedreht, nachdem Lukas Mutlu einen Schuss von Görke unhaltbar abfälschte.

Als der eingewechselte Robin Ramke in der 52. Minute mit einer Einzelleistung für den VfL weiter erhöhte, schien Tur Abdin bereits geschlagen, demonstrierte danach aber die offensive Klasse in einem der besten Kader, die der Club je zur Verfügung hatte. Simon Matta verkürzte nur zwei Minuten nach dem 1:3 mit einem tollen Drehschuss aus 22 Metern. Er ließ sich in der 71. Minute auch nicht zweimal bitten, als Krumland bei einer flachen Hereingabe ausrutschte – Matta schnappte sich die Kugel und schoss sie zum 3:3 ins kurze Eck. „Hut ab vor Abdin, wie sie da zurückgekommen sind“, sagte Bragula. „Wir müssen uns auch besser anstellen, wenn wir auswärts mit zwei Toren führen. Aber Abdin hat auch gute Spieler und eine tolle Moral.“

Görke: Mit dem schwachen Fuß ins Glück

Das nötige Glück hatten die Hausherren dieses Mal aber nicht. Sie standen mehrfach vor dem 4:3, doch viele Angriffe endeten nach unpräzisen Pässen in den Armen des Wildeshauser Schlussmanns Felix Dittrich oder im Toraus. Man muss es Bragula hoch anrechnen, dass er dennoch ins Risiko ging: Statt der wackeligen Defensive personell unter die Arme zu greifen, stockte er mit Andrej Kari und Rene Tramitzke die Offensivbelegschaft auf. „Wenn wir da das vierte Tor kriegen, haben wir uns verpokert“, sagte Bragula. „So sind wir belohnt worden.“

Und die Zuschauer irgendwie auch, denn das Siegtor war diesem aufregenden Spiel angemessen. Nach dem erwähnten Freistoßpfiff gegen Tur Abdin kam der Ball zu Görke, der zu lange überlegte und den Zeitpunkt des Abspiels verpasste. Zudem lag der Ball auch vor seinem schwächeren rechten Fuß, doch das VfL-Urgestein schlenzte ihn aus 18 Metern trotzdem genau in den Winkel. „Er macht in der Szene alles falsch, was er falsch machen kann. Er übersieht die freien Nebenmänner und schießt dann mit dem rechten Fuß, mit dem er sonst keinen Möbelwagen trifft“, sagte Bragula, nachdem er vom Feiern mit den mitgereisten Fans gekommen war. Für Abdin-Coach Kaya war es natürlich eine bittere Pointe: „Durch so ein Ding verlieren wir, das gibt es eigentlich nicht.“ Seine Mannschaft bleibt damit auch im 14. Spiel in Folge gegen den VfL Wildeshausen sieglos.


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