Play Handball Die Welt durch Handball ein wenig besser machen

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Oldenburg. Die ehemalige Oldenburger Bundesligaspielerin Nicola Scholl unterstützt mit ihrer Organisation „Play Handball“ in Südafrika Kinder und Jugendliche. Die 36-Jährige ist 2012 nach Südafrika gegangen. Ihre Projekte wie das Super-Cup-Turnier für Schulteams finanziert sie durch Spenden.

„Ich bin gespannt, wo wir landen werden.“ Das geht vermutlich vielen Menschen so, die sich mit Nicola Scholl über die Sport- und Entwicklungsorganisation „Play Handball“ unterhalten haben. Ihre Begeisterung ist ansteckend. Die 36-Jährige sagt diesen Satz und in jeder Silbe schwingt Entschlossenheit, Optimismus und eine Prise Abenteuerlust mit. Und auch Freude und Zufriedenheit, weil sie auf ihrem Weg zu dem unbekannten Ziel schon sehr, sehr viel erreicht hat. In Südafrika. Dort hat sie 2013 „Play Handball“ gegründet. „Eine gemeinnützige Organisation mit dem Fokus auf diese großartige Sportart und die Jugendentwicklung“, erzählt sie.

Nicola Scholl ist eine ehemalige Bundesliga-Handballerin. Sie spielte von klein auf für den VfL in ihrer Geburtsstadt Oldenburg, schaffte dann den Sprung in das Erstliga-Frauenteam des Vereins. Auch für Borussia Dortmund lief sie in der 1. Liga auf, für den SC Greven in der 2. Liga. 20 Jugendländerspiele gehören auch in die Kurzbeschreibung ihrer sportlichen Laufbahn.

Begeisterung und Verantwortung wecken

„Wir nutzen Handball als Entwicklungsinstrument und unterstützen gleichzeitig die Verbreitung des Sports. Play Handball ist ein Kick-Starter, Promotor und Wissenspartner für sozialen Wandel und Bildung mit Handball“, heißt es auf der Internetseite der Organisation unter www.play-handball.org. „Mit Handball geben wir jungen Menschen die Möglichkeit Freude, Teamgeist und Wettbewerb zu erleben, und somit durch positive Erlebnisse ihr Selbstwertgefühl zu stärken und Begeisterung, Verantwortung sowie Fokus auf eine Sache zu entwickeln.“

Nicola Scholl hat in Münster ein Betriebswirtschaftsstudium, das sie 2004 begann, abgeschlossen und wurde danach in der internen Unternehmensberatung der Douglas Holding in Hagen angestellt. Nach dem Studium und vor dem Beginn einer beruflichen Laufbahn wollte sie noch eine Zeit im Ausland verbringen, die Wahl fiel auf Südafrika. 2009 flog sie zum ersten Mal dorthin, genauer nach Kapstadt. Vier Monate lang war als Marketing-Praktikantin für SCORE tätig. Das ist eine gemeinnützige Organisation, die in einigen afrikanischen Ländern versucht, Menschen mit Hilfe von Sport neue Lebensperspektiven zu geben.

Sportunterricht an einer Schule in Hannover Park

Zufällig ergab sich in dieser Zeit für Scholl die Gelegenheit, an einer High School in Hannover Park, einem Towship, also ein Wohngebiet vor allem für farbige Menschen, in Kapstadt als Volontärin Sportunterricht zu leiten. Die Schülerinnen und Schüler lernten zum ersten Mal die Sportart Handball kennen – und in Nicola Scholl wurde ein (zweites) Feuer entfacht. „Das war wirklich eine Herausforderung“, erzählt sie, „aber ich habe so viel zurückbekommen, obwohl ich doch nur versucht habe, meine Begeisterung für diesen Sport weiterzugeben. Ich bin daran gewachsen.“

Sie ging zurück nach Deutschland, trat die Stelle in Hagen an, die sie schon vor dem Praktikum erhalten hatte. Sie wohnte in Dortmund, kehrte beim BVB noch einmal in die Bundesliga zurück. „Ich habe mich dort richtig wohlgefühlt. Die Menschen sind herzlich, und Dortmund ist eine absolute Sportstadt.“ Alles perfekt also? Eben nicht. Da waren diese Erinnerungen an die Schule in Kapstadt. „Ich habe gemerkt, dass mein Job mein Herz nicht erfüllt. Ich funktioniere einfach besser, wenn ich an etwas glaube.“ In der Suche nach Antworten auf die Frage „Was gibt es noch?“ tauchte immer wieder die Idee vom Leben in Südafrika auf. Und die Idee, über den Handball Menschen, vor allem Kindern und Jugendlichen, zu helfen. 2012 kündigte sie den sicheren Arbeitsplatz in Hagen und die Wohnung in Dortmund. Ihre Familie und Freunde stellte sie vor die Tatsache: „Ich gehe nach Südafrika.“

Nicola Scholl, ehemalige Bundesliga-Handballerin des VfL Oldenburg, von Borussia Dortmund und des SC Greven. Sie lebt seit 2012 in Südafrika. Dort hat sie die gemeinnützige Organisation Play Handball gegründet, die sich für Kinder und Jugendliche einsetzt.

Ausgestattet mit einem für drei Monate gültigen Touristen-Visum begann sie, sich dort ein Netzwerk aufzubauen. „Es hat mich damals, als ich mich entschieden hatte, nicht gestört, dass ich wusste, dass es nicht einfach werden könnte“, sagt sie. Sie kannte natürlich die schlechten sozialen Verhältnisse in vielen Teilen des Landes, wusste von Armut und Gewalt.

Kontakte zum Deutschen Handball-Bund und zu SCORE nahm sie 2012 mit. „Ich hatte mir einen Plan gemacht, wie ich meine Kenntnisse nutzen kann, um im Sport zu bleiben und durch den Sport etwas zu erreichen“, erzählt Nicola Scholl während eines Besuchs in ihrer Heimatstadt Oldenburg, in die sie gereist war, nachdem sie in Dortmund an einem Trainerlehrgang des DHB teilgenommen hatte. Welchen Sport sie meint, ist und war für sie damals keine Frage. Und: „Ich fand, dass sich der Handball internationaler präsentieren kann. Sonst ist doch immer der Fußball vorneweg.“

Trainer-Workshops als erste Projekte

Erste Projekte wie die Begleitung von Volontären beim Südafrikanischen Handballverband (SAHF) und beim Handballverband der Provinz Western Cape (WPHA), die Arbeit als Teammannagerin der Männer-Ausahl von Western Cape und die Organisation eines Jugendturniers wurden die ersten Schritte in Richtung „Play Handball“. Scholl veranstaltete Trainer-Workshops für Schulen und Gemeinden. Sie schaffte es, ein Business-Visum (drei Jahre) zu erhalten. Inzwischen besitzt sie eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis.

Im Januar 2013 wurde sie Mitglied der Arbeitsgruppe zur Förderung von Frauenhandball in Afrika unter der Regie des afrikanischen Handballverbands. Ende 2013 ließ sie Play Handball registrieren, um dort ihre Aktivitäten zu bündeln. „Wir sind eine unabhängige Organisation.“ Das Ziel ist es, „Menschen zusammenzubringen, um dabei mitzuhelfen, eine respektvolle Gesellschaft aufzubauen, in der jeder offen für andere Kulturen ist. Dafür ist Sport super geeignet.“ Dass sie findet, dass das in Südafrika sogar ganz besonders für den Handball gilt, liegt nicht nur daran, dass sie selbst davon fasziniert ist.

„In Südafrika sind Sportarten nach Kulturen und ethnischen Gruppen getrennt“, erklärt sie: „Handball hat keinen Stempel.“ Vielleicht auch weil er in dem Land im Grunde nicht einmal eine Randsportart ist. Es gibt keinen Ligabetrieb, Handball wird an Schulen (noch) nicht regelmäßig unterrichtet. „Er ist eine Mannschaftssportart, in der du nur mit sehr viel Teamspirit Erfolg hast“, beschreibt sie, warum er für sie ideal ist, um ihre Ziele zu verwirklichen. Handball sei zudem ein vielfältiger Sport, der ohne großen Aufwand überall gespielt werden kann.

Von Anfang an wollte Nicola Scholl mit und für junge Menschen, vor allem Mädchen, arbeiten. Es geht ihr darum, Selbstvertrauen zu stärken und Werte zu vermitteln. Die Jugendlichen sollen sich selbst und andere respektieren. Scholl möchte, ein wenig dazu beizutragen, dass eine aufgeschlossene, tolerante Gesellschaft ohne rassistische, soziale und geschlechterbezogene Grenzen entsteht. Ebenso wichtig ist es ihr zu vermitteln, dass eine Zukunft nur durch einen respektvollen Umgang mit der Umwelt möglich sein wird.

2016 entsteht die Super-Cup-Turnierserie

Play Handball unterstützt lokale Organisationen mit Wissen, unter anderem indem in Workshops Trainer ausgebildet werden. Und die Organisation hilft beim Beschaffen von Ausrüstung. Im Mittelpunkt stehen dabei inzwischen Schulen. Eines der wichtigsten Projekte ist derzeit der Play-Handball-Supercup, der mit Hilfe der Konrad-Adenauer-Stiftung ausgerichtet wird und sein Debüt im April 2016 feierte. „Das ist eine Turnierserie, die Aufmerksamkeit schafft für Umweltprobleme, die Kulturen an einem Ort der Bewegung zusammenbringt und die alle gesellschaftlichen Schichten erreicht“, sagt Nicola Scholl.

Sie arbeitet dabei mit Umweltorganisationen zusammen. Veranstaltungen gab es in Kapstadt und Johannesburg. „Das ist schon Wahnsinn, obwohl an den Schulen kein Handball gespielt wird, haben an jeder 150 bis 200 Jungen und Mädchen zwischen zehn und 16 Jahren teilgenommen“, schwärmt Scholl. Nachdem sie zunächst eher an Schulen aus benachteiligten Gegenden tätig gewesen war, geht es in dieser Serie auch darum, soziale Grenzen zu überwinden. Das funktioniert: Schulen aus reichen und armen Stadtteilen melden Mannschaften für die klimaneutralen Turniere. „Ziel ist es, gemeinsam Spaß und Freude zu haben – und etwas zu lernen.“ Deshalb gewinnt nicht unbedingt das Team, das die meisten Tore erzielt. Jedes muss auch in einem sogenannten Eco-Trail Punkte für sich sammeln. An mehreren Stationen geht es darum, Aufgaben zu lösen, die, zum Beispiel, aus den Themenbereichen Müllvermeidung oder Wasserverschmutzung kommen.

Den Lehrern werden vor den Turnieren handballerische Grundlagen vermittelt – und sie bekommen Informationen über Umweltprobleme, erzählt Scholl. „Wir untersuchen mit ihnen die Müllsituation, sprechen über Recycling und stellen Ecobricks her.“ Das sind Getränkeflaschen aus Kunststoff, die mit nicht verwertbarem Plastik gefüllt werden und dann als Baumaterial verwendet werden können.

Ein Auge auf die sportlichen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler hat Scholl natürlich trotzdem: „Da sind echt Talente dabei.“

2016 und 2017 haben 1049 Kinder und Jugendliche an Turnieren teilgenommen. Zudem wurden 165 Lehrer und Trainer im Handball und in Umweltthemen fortgebildet.

Play Handball bewegt Menschen in Deutschland

Funktionieren könnten solche Turniere nur, weil sich in Play Handball eine „Community entwickelt hat, aus der Schiedsrichter, Zeitnehmer und andere Helfer kommen“, berichtet Scholl. Und weil Play Handball auch in Deutschland Menschen bewegt. Ein Beispiel ist der schwedische Handballstar Kim Ekdahl du Rietz, der im Saisonendspurt 2017/18 vom Erstligisten Rhein-Neckar Löwen reaktiviert worden war. Er spendete sein Dreimonatsgehalt, das er von den Löwen erhielt, für einen guten Zweck. Die rund 30.000 Euro wurden nach einer Facebook-Abstimmung unter den Hilfsorganisationen Aufwind Mannheim, Right to Play München und eben Play Handball aufgeteilt. Für Nicola Scholl ein Glücksfall: „Ich habe ewig überlegt, wo ich Geld für Supercups in weiteren Gemeinden herbekomme. Da war die Nachricht eine riesen Erleichterung.“

Play Handball finanziert sich alleine aus Spenden von privaten Unterstützern und mit Hilfe von Sponsoren. In Oldenburg gibt es einen Förderverein, den ihr Vater Klaus Scholl leitet. Zudem gibt es auf ihrer Internetseite die Möglichkeit, über einen Online-Einkauf für Play-Handball zu spenden. Ganz wichtige und große Unterstützung kommt von sogenannten Freiwilligen Handballtrainerinnen und -trainern, die auf eigene Kosten für mehrere Monate für Play Handball tätig sind. Scholl freut sich ebenfalls über Sachspenden wie Bälle, Hütchen, Pumpen, Pfeifen oder Leibchen. „Alte Trikots nehmen wir nicht“, sagt sie. „Sie dienen nicht unseren Zielen.“

Kein standardisierter Tagesablauf

„Einen Finanzplan hatte ich 2012 nicht aufgestellt“, gibt Nicola Scholl grinsend zu. Sie ist mittlerweile seit fünf Jahren Motor, Herz, Gehirn oder Sekretärin und Präsidentin von Play Handball. Sie ist mal Trainerin, mal Leiterin von Workshops und dann wieder Marketing-Managerin. „Einen standardisierten Tagesablauf habe ich nicht“, sagt sie. „Und ich muss mich Co-Finanzieren.“ Immer wieder nimmt sie Jobs an. Leben möchte sie von Play Handball aber sowieso nicht. „Die Organisation soll sich und ihre Projekte selber tragen“, bestätigt sie. „Es wäre schön, wenn ich aus den Erfahrungen und Erkenntnissen, die ich mit Play Handball sammeln kann, irgendwann einmal etwas machen kann, mit dem ich Geld verdiene.“ Ihr nimmermüder Einsatz „lohne“ sich aber bereits jetzt. „Es kommt so viel zurück. Und ich persönlich wachse immer weiter.“

„Ich bin mir ganz sicher“, sagt Nicola Scholl dann, „dass sich auch Play Handball weiterentwickeln wird.“ Kontakte nach Kenia bestehen bereits. Im August wird es Workshops geben, um dort Strukturen aufzubauen, die es möglich machen, in dem ostafrikanischen Land Schulturniere auszurichten. Auch in Botswana ist sie schon aktiv. Anfragen gibt es aus Sambia und Palästina. Ob es dort irgendwann Projekte geben wird, ist offen. „Soweit sind wir noch nicht.“ Da ist es wieder, das unbekannte Ziel. Wo Play Handball landen wird, weiß Nicola Scholl ja noch nicht. Genau wie Menschen, die mit ihr gesprochen haben. Für die steht aber fest: Sie wird mit Play Handball noch viel erreichen.


Die Organisation „Play Handball“ bietet Handballerinnen und Handballern (Mindestalter 18 Jahre) die Möglichkeit, sie als Freiwilliger Handball-Trainer zu unterstützen. „Es ist gut, wenn sie Trainererfahrung haben. Das ist aber kein Muss“, erklärt die Play-Handball-Gründerin Nicola Scholl, ehemalige Bundesligaspielerin(u.a. beim VfL Oldenburg).

Voraussetzung ist allerdings ein sicherer Umgang mit der englischen Sprache, zudem sollten Interessenten aufgeschlossen sein, andere kulturelle und soziale Umfelder kennenzulernen.

Die Freiwilligen HandballTrainer helfen den Partnerorganisationen von Play Handball, Kinder und Jugendliche an Schulen und in der Freizeit in der Sportart zu unterrichten. Zudem werden sie in die Organisation von Turnieren eingebunden.

Die Freiwilligen Handball-Trainerinnen oder Handball-Trainer unterstützen die Organisation Play Handball. Die Kosten für ein Freiwilligen-Programm gehen bei 1.300 Euro pro Person für zwei Monate los (1.850 Euro für drei Monate), heißt es auf der Homepage. Darin enthalten seien unter anderem die Ermittlung eines Einsatzortes, die Unterkunft in einer Gastfamilie oder einer landesüblichen Unterkunft und Unterstützung beim Visumsantrag. Die Kosten für Flug, Versicherungen, Impfungen und Visum tragen die Freiwilligen.

Damit sind die Kosten des Aufenthalts gedeckt, erklärt Play Handball. Der Beitrag ermöglicht es der Organisation, die Beziehungen zu den Partnern zu pflegen. „Als Gegenleistung wirst Du eine einmalige Erfahrung gewinnen, welche sehr wertvoll für deine persönliche und berufliche Entwicklung ist. Du wirst in die südafrikanische Kultur eintauchen, neue Fähigkeiten erlernen und deinen positiven Beitrag leisten. Aber vor allem wirst du neue Freunde gewinnen und einzigartige Erinnerungen sammeln“, schreibt Scholl auf der Internetseite. Dort gibt es auch alle weiteren Informationen darüber, wie sich Interessenten bewerben können. (pin)

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