Beachhandball Delmenhorster Malte Till wird Deutscher U16-Meister

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Delmenhorst/Bremen. Der Delmenhorster Malte Till ist mit dem HC Bremen (Nordlichter) Deutscher Beachhandball-Meister 2018 geworden. Das Turnier wurde in Nürnberg ausgetragen.

Die Gelegenheit ließ sich Malte Till natürlich nicht entgehen. „Ich habe ihm gleich mal erklärt, dass eine Beachmeisterschaft höherwertig ist als eine Polizeimeisterschaft“, erzählt der 16-jährige Delmenhorster grinsend vom ersten Treffen mit seinem großen Bruder Lasse. Das war am Montagnachmittag, Malte Till war in der Nacht zuvor sehr spät nach Hause gekommen: als Deutscher U16-Meister im Beachhandball. Mit der B-Jugend des HC Bremen, die im Sand auch als Nordlichter U16 antreten, war er bei der Jugendmeisterschaft in Nürnberg erfolgreich gewesen. „Das war großartig“, schwärmt er. Bruder Lasse Till, vor der Saison zum Männer-Oberligisten HSG Delmenhorst gewechselt, hat ebenfalls schon einen DM-Titel gewonnen. Der Student an der Polizei-Akademie in Oldenburg fuhr den Titel in der niedersächsischen Auswahl ein.

Malte Till und seine Mitspieler hatten es in Nürnberg spannend gemacht. Nach einem zweitägigen Turnier im Modus jeder-gegen-jeden war der HC Bremen nach fünf Siegen und einer Niederlage im Satzverhältnis (11:2 - 10:3) etwas besser als der Vizemeister TSG Münster. In Beachhandballspielen wird jede Halbzeit als ein Satz gewertet, bei Gleichstand entscheidet dann ein sogenanntes Shoot-out.

Beachhandball gehörte zum Trainingslager

Trainer des Bremer Teams um Malte Till ist der zweitligaerfahrene Marten Franke (mit Unterstützung seines Vaters Jörn Franke), Spielmacher des Oberligisten SG HC Bremen/Hastedt und sehr erfolgreicher Beachhandballer. Mit den Nordlichtern spielte er sogar schon beim Champions Cup des Europäischen Verbands EHF (Platz sieben). Da ist wenig überraschend, dass diese Variante des Sports in einem Sommertrainingslager einer von ihm trainierten Mannschaft eine Rolle spielt.

„Wir waren morgens in der Halle, nachmittags war Krafttraining angesetzt und abends wurde Beachhandball gespielt“, erzählt Malte Till. Kurz danach wurde am Strand von Cuxhaven das DM-Qualifikationsturnier des Niedersächsischen und des Bremer Handball-Verbands ausgetragen. Die U16-Nordlichter traten an – und gewannen vor dem TSV Burgdorf. Damit hatten sie sich die Startplätze in Nürnberg gesichert.

Alle Spieler sind technisch stark

Für die Vorbereitung blieben nur 14 Tage, in denen aber auch die Arbeit dafür, in der kommenden Hallensaison in Bestform zu sein, nicht vernachlässigt werden sollte. „Wir haben gar nicht so viele Beach-Einheiten gemacht“, erklärt Till die Konsequenz. „Die waren aber sehr intensiv und speziell auf den Wettkampf ausgerichtet.“ Vieles, das in Cuxhaven schon gut geklappt hatte, bekam auf der Beachanlage in Dötlingen einen Feinschliff.

Schon an der Nordseeküste hatte sich gezeigt, dass der Kader auch im Sand erfolgversprechende Perspektiven hat. „Wir haben eine gute Mischung aus großen, wurfstarken Spielern und aus Akteuren, die etwas kleiner, dafür aber sehr wendig sind.“ Sie seien zudem athletisch gut ausgebildet. All das ist im Beachhandball, in dem pro Team vier Spieler auf dem Feld sind, extrem vorteilhaft. Es ist wichtig für das Offensivspiel. Denn Treffer, die per Kempa-Trick oder mit einem so genannten Spin-Shot erzielt werden – der Spieler dreht sich einmal um 360 Grad, ehe er wirft – zählen doppelt. „Den kann bei uns jeder“, sagt Till. „Den Kempa auch.“ Aber auch in der Abwehr, die in der Regel in Unterzahl spielt, sind Wendigkeit und Sprungkraft gefragt, wenn es darum geht, Lücken zu schließen oder Würfe zu blocken.

Malte Till spielt als Shooter

Die Bremer merkten, dass sie mit jeder Trainingseinheit besser wurden. Dass sie aber in Nürnberg zu den ganz großen Würfen ausholen würden, ahnten sie nicht. „Dass wir Deutscher Meister geworden sind, war schon überraschend. Wir wollten allerdings schon vorne mitmischen“, sagt Malte Till und verrät, dass einer sogar schon mehr für möglich hielt. „Nach der letzten Einheit hat Marten gesagt, dass wir ganz große Chancen haben, wenn wir das, was wir dort gezeigt haben, in Nürnberg abrufen können.“

Malte Till ist einer von zwei „Shootern“ in der Mannschaft. Diese kommen im Angriff für den Torhüter auf das Feld, sind daher auch mit einem Leibchen als Torwart gekennzeichnet. Die Offensivreihe spielt so in einer 4:3-Überzahl. Erzielt ein „Shooter“ ein Tor, zählt auch das doppelt. Tills Hauptaufgabe war es allerdings eher nicht, selber Tore zu erzielen. „Ich sollte, die anderen anspielen, Bälle verteilen“, erzählt er. „Das mag ich sehr gerne.“

Damit spielten die Bremer eine besondere Taktik, denn die Abwehrreihen achten meistens besonders intensiv auf diese Spieler, die sehr wurfstark sind, um aus größeren Entfernungen werfen zu können. Mit Malte Till boten die Nordlichter in jedem zweiten Angriff eine spielstarke, schnelle Variante auf. In den anderen spielten auch die Bremer mit einem großen Werfer. Doch auch mit ihm wollten sie Tore vor allem herausspielen: „Wir haben die meisten per Spin-Shot oder Kempa erzielt.“

2:0-Sieg gegen Münster bringt den Titel

Sieben Mannschaften traten bei der DM an. Der Titel wurde im Modus jeder gegen jeden vergeben. Der HC Bremen startete mit einem 2:0 (24:10, 24:9)-Erfolg über die Bayernauswahl. „Ein guter Start“, meinte Till über die Partie, der dann mit seinem Team auch gegen den VfV Spandau mit 2:0 (16:12, 26:8) gewann. Es folgte eine 1:2-Niederlage gegen das Beachteam des Handballverbands Baden-Württemberg. „Vielleicht der Dämpfer zur rechten Zeit“, überlegt Malte Till. Fortan waren die Nordlichter jedenfalls nicht mehr zu stoppen. Nach dem 2:0 (18:14, 20:12) über die Wingwheelerz und dem 2:0 (12:8, 12:6) über die Sandfüchse Junioren waren sie schon Tabellenzweiter. Der Vergleich mit den noch unbesiegten Münsteranern war zum Finale geworden. Im Angriff lief es dort sehr gut, doch: „Das Spiel haben wir über die Abwehr gewonnen“, sagt Malte Till über das 2:0 (20:14, 20:12), „mit dem niemand gerechnet hatte“.

Kari Klebinger wird MVP des DM-Turniers

Gekrönt wurde der Erfolg für Malte Till dadurch, dass er ihn mit seinem besten Freund, dem Wildeshauser Kari Klebinger, feiern konnte. „Wir kennen uns schon ewig, haben aber zum ersten Mal zusammen in einer Mannschaft gespielt“, berichtet er. Das Sahnehäubchen war, dass Klebinger zum „MVP“ (Most Valuable Player), zum wertvollsten Spieler des DM-Turniers gewählt wurde.

Dieser Erfolg „wird uns für die Halle pushen“, ist sich Malte Till sicher. Er geht in seine zweite Spielzeit beim HC Bremen. Malte Till war vor der zurückliegenden Saison 2017/18 von seinem Heimatverein HSG Delmenhorst mit einem Doppelspielrecht dorthin gewechselt. Mit den Bremern wurde er Oberliga-Meister und qualifizierte sich für das Achtelfinale der DM. Dort schied das Team gegen den späteren Halbfinalisten Bayer Dormagen aus.

Zum besten Spieler der U16-DM im Beachhandball in Nürnberg gewählt: der Wildeshauser Kari Klebinger. Foto: Vera Franke

Ähnliches würden Till, der nur noch für HC Bremen aufläuft, und seine Mitspieler 2018/19 gerne wieder erreichen. „Zunächst müssen wir uns aber für die Oberliga qualifizieren“, sagt er. In der Vorrunde würden „knackige Gegner“ warten. Um das zu schaffen, setzt er auf den Teamgeist. „Wir sind als Mannschaft sehr zusammengewachsen. Jeder kommt mit jedem gut klar, jeder gibt auf dem Feld für jeden alles“, erzählt der Spielmacher.

„Der Teamspirit“ sei übrigens etwas, das für ihn die Faszination am Handball ausmache. „Dass alle zusammen für ein Ziel kämpfen, macht mir einfach riesen Spaß“, sagt Malte Till. „Dazu kommt, dass du Kraft und Spielintelligenz brachst, um zu gewinnen. Ohne Spielverständnis geht es einfach nicht.“

Malte Till würde bei den Erwachsenen gerne mit seinem Bruder zusammenspielen

Wenn Malte Till über die kommende Saison hinausdenkt, könnte ihm auch die Bundesliga in den Sinn kommen. Die A-Jugend des HC Bremen hat sich wieder qualifiziert, in der nächsten Saison rückt er in diese Altersklasse auf. „In der Jugend-Bundesliga würde ich gerne spielen, das ist schon ein Ziel“, sagt Till, der zur Bremer Landesauswahl gehört, die demnächst im Länderpokal als Sichtung für die Jugendnationalmannschaften antritt. „Es fehlt mir wohl ein bisschen Größe“, sagt er lächelnd zu seinen Aussichten.

Als HSG-Spieler war er für die Niedersachsenauswahl nominiert worden, seit dem Wechsel ist der Rückraumspieler Mitglied des Bremer Auswahl-Kaders. Zurückhaltend antwortet Malte Till auch auf die Frage nach Zielen bei den Erwachsenen. Bundesliga? „Ich weiß nicht, das schafft ja nicht einmal jeder Jugendnationalspieler“, sagt er. „In der Oberliga oder der dritten Liga möchte ich aber schon spielen.“ Zusammen mit seinem Bruder Lasse? „Gerne, das würde auf jeden Fall großen Spaß machen.“ Dass Frotzeleien über die Bewertung von großen Erfolgen, dann nicht mehr möglich wären, wäre dafür zu verkraften.


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