Vor der Sportausschuss-Sitzung Stadt Delmenhorst sagt Nein zum Kunstrasen

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Auf einen Kunstrasenplatz werden die Delmenhorster Vereine wohl noch etwas länger warten müssen. Foto: dpa/Fredrik von ErichsenAuf einen Kunstrasenplatz werden die Delmenhorster Vereine wohl noch etwas länger warten müssen. Foto: dpa/Fredrik von Erichsen

Delmenhorst. Einer Beschlussvorlage zufolge plant die Stadt Delmenhorst 2019 kein Geld für einen Kunstrasen im Haushalt ein – und schlägt stattdessen „eine vereinsgetragene Lösung“ vor. Die Sanierung von Schulen und vorhandenen Sportstätten gehe laut Verwaltung vor. Die Fußballer reagieren gelassen.

Es war ein hübsches Bild, dass die 13 Herren da Mitte März abgaben. Die Vertreter aller zwölf Fußball-Vereine in Delmenhorst posierten für ein Foto, mit dem für den Bau zweier Kunstrasenplätze in der Stadt geworben werden sollte – es gab ein Plakat und sogar Miniatur-Plätze als Dekoration. „Die Zeit ist reif dafür“, hörte man damals.

Allerdings noch nicht reif genug, wie es seit Dienstag scheint. Wie aus einer Beschlussvorlage für den Sportausschuss hervorgeht, senkt die Verwaltung für die Finanzierung des Kunstrasens einmal mehr den Daumen und will keine Mittel im Haushalt 2019 einplanen. Sollte der Wunsch der Vereine noch aktuell sein, rege man stattdessen an, „dass hier eine vereinsgetragene Lösung gefunden wird“.

Vier Standorte wurden geprüft

Vorangegangen war eine umfangreiche Prüfung durch ein Planungsbüro, das vier Standorte unter die Lupe genommen hat: die Anlage des Delmenhorster TB, die Stadion-Nebenplätze, den Sportplatz in Adelheide und die Anlage des TV Jahn am Brendelweg. Am günstigsten wäre man mit 630.000 Euro demzufolge beim DTB davon gekommen, am Brendelweg wären Baukosten von rund 750.000 Euro nötig.

Zu viel angesichts der Schäden an den bereits existierenden Hallen und Anlagen, argumentiert die Verwaltung. Es sei im Rahmen der Haushaltsaufstellung Sanierungsbedarf an zahlreichen Schulen und Sportstätten festgestellt worden. „Bereits jetzt wird deutlich, dass die bekannt schwierige finanzielle Lage der Stadt es nicht erlauben wird, alle festgestellten Vorhaben und Sanierungen durchzuführen. Aus Sicht der Verwaltung hat eine Sanierung der bestehenden städtischen Sportstätten derzeit Vorrang gegenüber einem oder zwei neuen Kunstrasenplätzen, die eine erhebliche finanzielle Beteiligung der Stadt benötigen würden.“

Gemeinsamer Platz soll Symbol sein

Die Fußballer, die das Thema seit Jahren unermüdlich auf die Tagesordnung bringen, reagierten am Dienstag erstaunlich gelassen auf die erneute Ablehnung. Marco Castiglione, der die Abteilung des TV Jahn und die Kunstraseninitiative der Clubs anführt, will den Traum von einem (städtisch mitfinanzierten) Kunstrasen noch lange nicht begraben. „Erst einmal stelle ich fest, dass die Stadt sich damit beschäftigt hat. Dass überhaupt etwas geprüft wurde, ist ja schon einmal ein Schritt“, sagte er. „So eine Sache braucht ihre Zeit. Ich spreche für alle Vereine, wenn ich sage: Wir sind zu jedem Gespräch bereit.“

„Stadt soll sich nicht kleiner machen, als sie ist“

Der Kunstrasen ist längst ein Projekt mit Symbolkraft für die so oft zerstrittene Fußball-Szene der Stadt. Ein gemeinsam genutzter Kunststoff-Platz für alle Clubs könnte ein Signal sein, wie Castiglione hofft. Seit einem Jahr tauschen sich Vereinsvertreter alle sechs Wochen dazu aus, „auch die Stadt kann sich nicht auf Dauer verschließen“, sagt Castiglione. Das Argument der Verwaltung, erst den angefallenen Sanierungsbedarf abzuarbeiten, sei nachvollziehbar, mit einem großen Aber: „Meiner Meinung nach kann beides gleichzeitig passieren. Die Stadt soll sich finanziell nicht kleiner machen, als sie ist.“

Dass viele Sportstätten in Delmenhorst längst hätten renoviert werden müssen, ist offenkundig. Prominentestes Beispiel ist vielleicht die Stadionhalle, in der der Handball-Vorzeigeverein HSG Delmenhorst seine Oberliga-Spiele austrägt – und die in einem desaströsen Zustand ist. Die Heizung wurde seit 25 Jahren nicht mehr repariert, in den Kabinen wuchert Schimmel, das Hallendach ist nicht mehr sanierungsfähig und müsste komplett abgerissen werden. Eine Grundsanierung würde 3,8 Millionen Euro kosten. HSG-Vorsitzender Jürgen Janßen hatte geunkt, dass die Fußballer bevorzugt würden: „Die Stadt muss endlich für alle Sportarten tätig werden und den Renovierungsstau der Sportanlagen vorrangig beheben.“ Die aktuelle Beschlussvorlage wird zumindest seinem Verein Hoffnung machen.


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