Fußball-Oberliga SV Atlas Delmenhorst macht vieles richtig – der Gegner auch

Von Daniel Niebuhr

Musa Karli (Mitte) musste nach dem Duell beim FC Hagen/Uthelde um Marlo Burgdorf (links) mit einem 2:2 leben. Foto: Rolf TobisMusa Karli (Mitte) musste nach dem Duell beim FC Hagen/Uthelde um Marlo Burgdorf (links) mit einem 2:2 leben. Foto: Rolf Tobis

Hagen/Delmenhorst. Fußball-Oberligist SV Atlas wirkt beim Saisonstart taktisch gereift, verliert gegen den wuchtigen FC Hagen/Uthlede aber die Kontrolle. Dank der Umstellungen wurde es ein Punkt, mit dem die meisten leben können.

Das Fitnessprogramm des Jürgen Hahn am Freitagabend beinhaltete unter anderem: Hände fuchteln, Anweisungen rufen, Tigern durch die Coachingzone, ein bisschen jubeln und auch eine Menge hadern – manches davon war mit 1231 dicht gedrängten Zuschauern um sich herum etwas anstrengender als gewöhnlich. In der 86. Minute wurde es dem Trainer des SV Atlas aber dennoch zu kalt; Hahn schnappte sich seine Trainingsjacke und zog sie bis zum Hals zu – es war frisch geworden an der Hagener Blumenstraße.

Am Spiel kann es nicht gelegen haben, der Oberliga-Auftakt beim FC Hagen/Uthlede war bis zum Schluss ein heißer Kampf und wird als 2:2 der Fingernägel gefährdenden Sorte in die Statistik eingehen. Hahn stand danach warm eingepackt und entspannt Rede und Antwort; erstaunlich entspannt dafür, dass er erklären müsste, warum eine 2:0-Führung bei einem Aufsteiger manchmal nicht reicht. „Wir waren lange auf dem Weg zum Sieg“, sagte er. „Aber Hagen hat auch viel richtig gemacht. Das ist Oberliga, so ist das manchmal.“ Am Ende, das merkte man, konnte der Coach besser mit dem einen Zähler leben als die Spieler, Torwart Florian Urbainski sprach stellvertretend von „zwei verlorenen Punkten“.

Hagen nun seit 19 Heimspielen unbesiegt

Man musste den Delmenhorstern aber mildernde Umstände zugestehen, denn es war kein ganz normales Spiel beim starken Neuling aus dem Kreis Cuxhaven. Hagen/Uthlede hat auf seinem engen Platz in den vergangenen anderthalb Jahren keines seiner 18 Heimspiele verloren, der Meister der Landesliga Lüneburg lebt von den Emotionen und der Wucht in seinem Spiel. Deshalb wurde es ein Duell Kampf gegen Routine – und die Routine lag zunächst klar vorn.

Atlas bestimmt die erste halbe Stunde dank eines variablen Aufbauspiels, für das sich praktisch alle Mittelfeldspieler immer wieder fallen ließen, eines cleverem Pressings und ständiger Überzahl in Ballnähe – taktisch wirkten die Blau-Gelben deutlich gereift. „Wir waren top vorbereitet“, sagte Hahn hinterher zurecht. Das 1:0 resultierte aus einem Ballgewinn des überragenden zentralen Mittelfeldspielers Tom Schmidt, der einen Handelfmeter provozierte, den Abwehrturm Karlis Plendiskis verwandelte (5.). Zehn Minuten später stand es nach Flanke Steven Müller-Rautenberg, Ablage Schmidt und Kopfball Marco Prießner 2:0 für den SV Atlas, der weitere Chancen ausließ. „Am Anfang waren wir eingeschüchtert. Da kannst du von außen auch nicht gegen an coachen“, bekannte Hagens Trainer Carsten Werde.

Mutlu und Mooy stabilisieren das Zentrum

Nach dem Rückstand schickte er seine Mannschaft im Dauerpressing auf Balljagd und stellte auf zwei Spitzen um, was das Momentum allmählich auf die Hagener Seite brachte. „Die Hagener rennen, bis sie kotzen“, sagte Atlas-Neuzugang Leon Lingerski. Weil die Gäste gleichzeitig immer verhaltener wurden, verloren sie in der zweiten Hälfte endgültig die Kontrolle im Hagener Flutlicht. Kai Diesing (61.) und Axel France (64.) glichen jeweils nach Flanken aus – und jeweils relativ unbehelligt. „Das kann nicht sein. Wir waren außen nicht da und im Zentrum auch nicht“, ärgerte sich Urbainski. Das bis dahin sattelfeste Innenverteidiger-Duo Plendiskis und Marlo Siech konnte die Einschläge auch nicht mehr verhindern. Hahn fand anerkennend: „Hagen hat alles in die Waagschale geworfen.“

Was für Atlas auch gelten darf. Nach den Gegentoren brachte er Thomas Mutlu für das Zentrum und zog den zuvor nicht immer souveränen Linksverteidiger Dennis Mooy ebenfalls ins Mittelfeld, was für Stabilität sorgte – gerade noch rechtzeitig, bevor die Partie vor der großartigen Kulisse endgültig kippte. „Wir hätten auch noch verlieren können“, sagte Hahn. Lingerski befand: „Jeder Punkt ist gut. Wir sind jetzt auch keine Übermannschaft, die mal eben jeden Gegner schlägt.“


FC Hagen/Uthlede - SV Atlas 0:2

FC Hagen/Uthlede: Becker; Göcke, Dähnenkamp (86. Seidenberg), Burdorf, Stern (60. Köhler), Franke, Korf (46. Diesing), Wischusen, France, Gagelmann, Müller.

SV Atlas: Urbainski - Köster, Plendiskis, Siech, Mooy - Schmidt (62. Degen), Bruns (69. Mutlu), Lingerski (78. Vollmer) - Müller-Rautenberg, Karli - Prießner.

Tore: 0:1 Plendiskis (5., Handelfmeter), 0:2 Prießner (15.), 1:2 Diesing (61.), 2:2 France (64.).

Zuschauer: 1231 zahlende, davon rund 450 aus Delmenhorst.

Schiedsrichter: Kevin Dickscheid (Hannover) mit Marcel Vogel, Laurens Büchner.

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