1. Fußball-Kreisklasse Borussia Delmenhorst und die unverhoffte Chance

Von Andreas Bahlmann

Zu selten in Überzahl: Borussia Delmenhorst verlor zur Rückkehr in die 1. Kreisklasse mit 0:2 gegen den FC Hude III. Foto: Rolf TobisZu selten in Überzahl: Borussia Delmenhorst verlor zur Rückkehr in die 1. Kreisklasse mit 0:2 gegen den FC Hude III. Foto: Rolf Tobis

Delmenhorst. Die Fußballer von Borussia Delmenhorst sind nach 15 Jahren zurück in der 1. Kreisklasse. Cheftrainer Stefan Giese und „Co“ Burkhard Kunzmann erlebten mit der Mannschaft einen ganz ungewöhnlichen Aufstieg.

Zum Glück ist Stefan Giese leidgeprüft, sonst hätte ihm dieser Sonntag ernsthaft auf den Magen schlagen können. Der Trainer trat mit Borussia Delmenhorst zum ersten Spiel in der 1. Kreisklasse nach 15 Jahren gegen den FC Hude III an – und hatte die Punkte praktisch schon nach einer Viertelstunde verloren. 0:2 stand es da, 0:2 stand es auch am Ende – ein ernüchterndes Comeback im Kreisliga-Unterhaus nach anderthalb Jahrzehnten.

Doch bei Borussia wird sie das nicht schocken, sie haben schon ganz anderes erlebt. Die Deichhorster sind die vielleicht ungewöhnlichste Aufstiegsgeschichte der letzten Jahre. Als Giese übernahm, kickte der Club in der 3. Kreisklasse, 2015 gelang der Aufstieg als Nachrücker – eine Klasse höher wurde man mit 110 Gegentreffer Letzter. Weil erneut ein Nachrückerplatz frei wurde, blieb man trotzdem in der Liga, wurde danach Sechster und 2017/18 sensationell Dritter – was den Aufstieg bedeutete. „Eigentlich wollten wir uns nur in der oberen Hälfte etablieren“, erklärt Giese.

Giese lebt totale Identifikation vor

Als der Mannschaft die unverhoffte Aufstiegschance geboten wurde, trat Giese vor die Spieler: „Ich habe gesagt, dass wir uns das auch sportlich verdient haben. Wenn uns diese Chance schon einmal geboten wird, sollten wir auch oben spielen, selbst wenn es nur für ein Jahr sein sollte.“ Danach wurde der Aufstieg im Kollektiv beschlossen.

Giese hat den Verein gegen alle Widerstände wieder ins Rampenlicht geholt, dabei begann seine Amtszeit eher zufällig. Eigentlich hatte er gehofft, „als alter Hasberger beim TuS unterzukommen“, stattdessen wurde er als Zaungast bei einem Spiel der traditionellen Borussia-Woche vom Vorsitzenden Erhard Bressen angesprochen. „Er hat mich gefragt, ob ich mit einer Mannschaft ganz unten anfangen will“, berichtet Giese.

Aufstieg „etwas ganz Besonderes“

Seitdem hat er gemeinsam mit Co-Trainer Burkhard Kunzmann eine neue Kultur bei der Borussia eingeführt. Freundschaften und Vereinstreue halten den kleinen Club am Leben. „Ich lebe tausendprozentig für diesen Verein“, sagt der Coach, auch wenn eine Nachwuchsabteilung fehlt. „Das ist schade. So sind wir immer darauf angewiesen, dass auch junge Leute den Weg zu uns finden, die dann wiederum Freunde mitbringen“, sagt Obmann Dennis Müller. „Unsere Sportanlage ist top, aber wir haben nur einen Platz.“

Trotz aller Zusammengehörigkeit gehören Abgänge zum Vereinsleben. Marvin Kuchenbuch (TuS Heidkrug II) und André Tüsselmann (FC Huchting) gingen. Giese freut sich über die Neuzugänge Marcel Lindner (SG Bookhorn), Julien Weiß und Philipp Corssen (beide Delmenhorster BV). Mit Mark Kosse kehrt nach mehrjähriger Fußballpause ein alter Bekannter zurück.

Sollte es in der 1. Kreisklasse schiefgehen, würde Giese es auch mit Fassung tragen: „Es ist etwas ganz Besonderes, dass wir so hoch spielen. Wir arbeiten unaufgeregt und sehen das sehr gelassen. Auch wenn es schön wäre, wenn wir zwei Mannschaften hinter uns lassen würden.“


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