Im Street-Skateboard nach Tokio? Ümit Akbulut träumt von den Olympischen Sommerspielen 2020

Von Frederik Böckmann

Im Anflug auf die Olympischen Sommerspiele? Ümit Akbulut trainiert jede freie Minute für sein großes Ziel – wie hier im Skatepark Ganderkesee. Foto: Rolf TobisIm Anflug auf die Olympischen Sommerspiele? Ümit Akbulut trainiert jede freie Minute für sein großes Ziel – wie hier im Skatepark Ganderkesee. Foto: Rolf Tobis 

Delmenhorst. Der Delmenhorster Ümit Akbulut träumt von den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio – in der Disziplin Street-Skateboard. Nach einer Musterung und einem Fitness-Check wurde der 33-Jährige vom türkischen Sportkomitee fest gelistet. In mehreren Vorab-Wettbewerben will sich das Herren-Team für Tokio qualifizieren.

Vor ein paar Wochen war Ümit Akbulut mit seiner Familie in Kuala Lumpur. Urlaub. Abschalten vom Alltag. Kraft tanken für die neuen Herausforderungen. Drei Tage vor dem Ende des Urlaubs in Malaysia vibrierte das Handy des Delmenhorsters. Anruf aus der Türkei. Unbekannte Nummer.

Akbulut nahm den Anruf entgegen, doch am Ende der Leitung handelte sich es weder um einen Bekannten noch um einen Verwandten. Am Apparat war ein Funktionär vom türkischen Sportkomitee. Dessen Anliegen: Akbulut soll zu einem Fitness-Check und Musterung nach Istanbul fliegen. Der Grund: Der 33-Jährige soll für die Türkei bei den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio teilnehmen – im Street-Skateboard. Eine Disziplin, die in zwei Jahren ihre Premiere beim größten Sportereignis der Welt feiert.

„Da war ich erst einmal ziemlich überrascht“, sagt Akbulut. „Aber ich habe natürlich sofort zugesagt.“ Also flog der Delmenhorster, den sein früherer Trainer Jürgen Horvarth empfohlen hatte, in die Türkei. Dort ließ sich Akbulut durchchecken, mustern, briefen und musste sogar eine Dopingprobe machen.

Wenig später erhielt Akbulut dann diese erfreuliche Nachricht: Er ist im türkischen Herren-Team, das im Street-Skateboard in verschiedenen Vorab-Wettbewerben für die Sommerspiele 2020 in der japanischen Hauptstadt antreten muss, fest gelistet. Während seine Teamkollegen auch noch sportliche Prüfungen absolvieren und sich intern qualifizieren mussten, erhielt Akbulut eine so genannte Wild Card.

Früher Europameister, jetzt Friseurmeister

Aus einem guten Grund. Denn der Delmenhorster stand in der Niedersachsen-Auswahl, war Deutscher Meister und Europameister, er reiste für Wettbewerbe bis nach Brasilien und verdiente mit seiner Leidenschaft Geld. Skateprofi ist Akbulut zwar nicht mehr. Mittlerweile schneidet er als selbstständiger Friseurmeister auch Prominenten die Haare und kommt in der Welt weiterhin viel herum.

Doch Street-Skateboard ist noch immer Akbuluts große Leidenschaft, in jeder freien Minute trainiert er vor allem auf den Bahnen in Lemwerder und Wildeshausen. Der Delmenhorster möchte in Zukunft die Trainer-Laufbahn einschlagen.

Akbulut fühlt sich in Form und topfit

Doch beim Training am Montagmittag im Skaterpark Ganderkesee stellt Akbulut auch selbstbewusst fest: „Ich bin noch in Form, ich bin körperlich topfit“, sagt der Familienvater und lächelt über das ganze Gesicht, wenn er an seine mögliche Olympia-Teilnahme, das Leben im Olympischen Dorf und die direkte Nähe zu den Sportstars der Welt denkt. „Es gibt für jeden Sportler nichts Größeres. Das wäre doch der Wahnsinn, wenn ich als Einzelsportler einer Randsportart nach Tokio fliegen könnte.“

Im Anflug auf die Olympischen Sommerspiele? Ümit Akbulut trainiert jede freie Minute für sein großes Ziel – wie hier im Skatepark Ganderkesee. Foto: Rolf Tobis

Street-Skateboard wird dort jedoch als Mannschaftwettbewerb ausgetragen. Für Akbulut und seine Teamkollegen geht es nun darum, in den diversen Vorabwettbewerben in Kanada, Schweiz und den USA das Tokio-Ticket zu lösen. Denn von 70 Nationen qualizieren sich nur 20 Länder für Tokio. „Die Olympischen Spiele sind also gar mehr so weit weg“, sagt Akbulut. Im Endeffekt haben die Vorbereitungen dafür schon begonnen.

Auch Schwimmen und Radfahren auf dem Trainingsplan

Der ehemalige Fußballer des Delmenhorser TB muss zum Beispiel insgesamt sechs Medizin-Checks absolvieren. Außerdem sieht sein Wochenprogramm so aus: er muss einen Kilometer schwimmen, 20 Kilometer Radfahren („Ich musste mir erst einmal ein Fahrrad kaufen“) – und soll sich gesund ernähren. „Das Rauchen habe ich zum Glück aufgegeben“, sagt Akbulut.

Neben Job und Hobby ist der Delmenhorster auch auf Sponsorenakquise. Einen Verband wie den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gibt es in der Türkei nicht. Viele Kosten muss Akbulut selbst tragen, zumal er auch seine Familie in Japan dabei haben möchte. Es gibt also einiges zu tun für Akbulut, dessen Vorbereitungen der Delmenhorster Triathlet und Fußballer Edgar Kary filmisch unter dem Motto „Road to Tokyo“ festhalten will. Akbuluts Traum von den Olympischen Spielen – er fängt nun an, zu leben.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN