Fußball-Niedersachsenpokal Wie Atlas in Lohne in die nächste Runde einzog

Von Frederik Böckmann

Ein Foul ohne Folgen: Atlas-Torwart Florian Urbainski fällt Lohnes Angreifer Tim Wernke, den folgenden Strafstoß jagt Lohnes Malte Beermann jedoch weit über das Delmenhorster Tor. Danach hat der SVA das Spiel im Griff – und trifft zwei Mal spät. Foto: Elke SchikoraEin Foul ohne Folgen: Atlas-Torwart Florian Urbainski fällt Lohnes Angreifer Tim Wernke, den folgenden Strafstoß jagt Lohnes Malte Beermann jedoch weit über das Delmenhorster Tor. Danach hat der SVA das Spiel im Griff – und trifft zwei Mal spät. Foto: Elke Schikora

Lohne Mit einem 3:1 (0:1) beim Landesligisten Blau-Weiß Lohne zieht Fußball-Oberligist SV Atlas Delmenhorst ins Viertelfinale des Niedersachsenpokals ein. Alle vier Treffer fallen vor 700 Zuschauern nach ruhenden Bällen. Atlas-Trainer Jürgen Hahn ist nach Spielende stolz auf seine Mannschaft. „Wir haben einen guten Willen, eine gute Einstellung gezeigt.“

Jürgen Hahn klatschte seine Spieler ab, er umarmte sie und war kurz nach Spielende zu Scherzen auf dem Spielfeld aufgelegt: Es benötigte gestern Nachmittag um kurz vor 17 Uhr nicht viel Interpretationsvermögen, um zu erkennen, dass Jürgen Hahn mächtig stolz war. Dank einer Leistungssteigerung im zweiten Durchgang setzte sich der SV Atlas Delmenhorst mit 3:1 (0:1) im Niedersachsenpokal beim Landesligisten BW Lohne durch. Der Oberligist steht damit zum ersten Mal seit 22 Jahren im Viertelfinale, schraubte sein Prämienkonto auf 3750 Euro und ist nur noch drei Siege vom DFB-Pokal entfernt. Doch darüber wollte Hahn nicht allzu viel philosophieren, viel lieber lobte der Trainer seine neu zusammengewürfelte Truppe.

„Ich freue mich riesig für die Jungs. Wir haben einen guten Willen, eine gute Einstellung, eine gute Moral gezeigt“, jubelte Hahn, während Spieler und Fans die Sieger-Humba zelebrierten. In seiner Analyse freute sich der Atlas-Coach auch darüber, dass seine Mannschaft die frühzeitigen Auswechslungen der Leistungsträger Patrick Degen (36., nach einem Schlag in den Nacken) und Musa Karli (72., Kreislaufprobleme) gut wegsteckte. Hahn lobte nach einem „aufregenden Spiel“ aber auch den Verlierer. „Lohne war stark, es war ein Duell auf Augenhöhe.“

SV Atlas fängt gut an, lässt dann aber nach

700 Zuschauer (davon rund 300 Delmenhorster) sahen eine gute Anfangsphase der Gäste. Dennis Mooy (7.) und Marco Prießner (14.) scheiterten mit sehr guten Möglichkeiten am glänzend reagierenden Lohner Torwart Kai Winkler. Später wurde auch noch ein Schuss von Tom Schmidt abgeblockt (43.). Aber: Der SVA hatte zwar viel Ballbesitz, es fehlte mit zunehmender Spielzeit jedoch das Tempo im Spiel.

Ab Mitte der ersten Halbzeit gestaltete Lohne das Geschehen ausgeglichener, vor allem die schnellen Flügelspieler Lars Scholz und Gino Lago-Bentron bereiteten den Gästen Probleme. Dazu war Lohne gefährlich bei Ecken: Erst setzte BWL-Kapitän Christian Bröring einen Kopfball an den Innenpfosten (20.), dann köpfte Florian Hoff zur Lohner Führung ein (29.). Unverdient war das nicht. „Unser Plan ist in der ersten Halbzeit voll aufgegangen“, sagte Lohnes Trainer David Riesner. „Wir haben relativ wenig zugelassen und waren selbst über die Außen gefährlich.“

SV Atlas stellt nach Degen-Aus taktisch um – mit Erfolg

Die Auswechslung von Linksaußen Patrick Degen hatte zumindest diesen Vorteil: Hahn stellte taktisch um, was dem Atlas-Spiel in Hälfte zwei mehr Stabilität in der Defensive und mehr Dominanz in der Offensive verlieh. Der eingewechselte Stefan Bruns rückte auf die Sechs und bei eigenem Spielaufbau zwischen die Innenverteidiger. Spielmacher Musa Karli, der zuvor von Lohne gut aus dem Spiel genommen wurde, rückte auf die defensivere Halbposition, während Leon Lingerski vom zentralen Mittelfeld auf Linksaußen wechselte.

Bereits wenige Minuten nach der Pause glich Bruns nach einem Eckball von Nick Köster und einer Kopfball-Verlängerung von Karlis Plendiskis per Fuß zum 1:1 aus (52.). Atlas war wieder besser im Spiel, ließ keine Hochkaräter für Lohne zu – bis auf eine Ausnahme. Nach einem Lohner Steilpass kam Atlas-Torwart Florian Urbainski, übrigens die alte und neue Nummer eins, gegen Tim Wernke zu spät. Schiedsrichter Stefan Zielsdorf entschied richtigerweise auf Foulelfmeter, doch Lohnes starker Malte Beermann jagte den Ball weit über das Tor (65.).

SV Atlas nach der Pause dominanter

„Da hatten wir Glück“, sagte Hahn. „Aber in der zweiten Halbzeit waren wir dominanter. Deshalb war unser Sieg nicht unverdient.“ Das räumte auch Lohnes-Coach David Riesner ein. „Wir waren in der zweiten Hälfte zu passiv. Wir haben keinen Druck mehr gegen den Ball bekommen.“ Es gab für Atlas Möglichkeiten durch Leon Lingerski (68.), Marco Prießner (80.) und gute Ansätze durch den eingewechselten Oliver Rauh. Als dann schon viel auf ein Elfmeterschießen hindeutete, schlug der SV Atlas gnadenlos zu.

Der SVA hatte Lohnes Torwart Winkler vor dem Spiel als Schwachpunkt ausgemacht und schlug seine Standards bewusst zum Tor. Diese Rechnung ging wie beim Ausgleich auf: Bruns köpfte nach einer Köster-Ecke freistehend im Fünf-Meter-Raum zum 2:1 ein (86.). Wenig später erlief Tom Schmidt mit einem überragenden Sprint den Ball und passte auf Prießner, der von Winkler gefoult wurde. Vom Elfmeterpunkt verlud Plendiskis dann Winkler, machte mit dem 3:1 alles klar – und sorgte für lauten blau-gelben Jubel (89.).

„Das Spiel hat unsere geile Mentalität gezeigt: Wir waren als Team einfach stark“, meinte Bruns. Seine beiden Treffer konnte der Matchwinner selbst kaum fassen. „Das waren Glücksgriffe. Ich stand irgendwie beide Male goldrichtig.“


BW Lohne - SV Atlas Delmenhorst 1:3

BW Lohne: Winkler - Placke, Bröring, Plog, Meyer (89. Schneppe) - Westerhoff (62. Müller), Beermann - Scholz, Hoff, Lago-Bentron - Liegmann (54. Wernke).

SV Atlas Delmenhorst: Urbainski - Köster, Plendiskis, Siech, Mooy - Schmidt, Lingerski (81. Mutlu) - Müller-Rautenberg, Karli (72. Rauh), Degen (36. Bruns) - Prießner.

Tore: 1:0 Hoff (29.), 1:1 Bruns (52.), 1:2 Bruns (86.), 1:3 Plendiskis (89., Foulelfmeter).

Bes. Vorkommnis: Beermann schießt Foulelfmeter über das Tor (65.).

Zuschauer: 700.

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