Unsichtbarer Helfer aus Delmenhorst Kim-Christoph Jokel ist Ordner bei der Leichtathletik-EM

Von Klaus Erdmann

Er zeigt er den Läufern vor dem Startschuss, wo es langgeht: Kim-Christoph Jokel, hier als Starter bei der Jugend-DM in Rostock, fungiert bei der Europameisterschaft in Berlin als Start-Ordner. Foto: Jörg GroßmannEr zeigt er den Läufern vor dem Startschuss, wo es langgeht: Kim-Christoph Jokel, hier als Starter bei der Jugend-DM in Rostock, fungiert bei der Europameisterschaft in Berlin als Start-Ordner. Foto: Jörg Großmann

Delmenhorst. Der gebürtige Delmenhorster Kim-Christoph Jokel fungiert bei der Leichtathletik-Europameisterschaft 2018 in Berlin als Start-Ordner. Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat den ehemaligen Sportler des Delmenhorster TV nominiert.

Hiesige Leichtathletik-Freunde, die die Übertragungen der Europameisterschaft in Berlin (7. bis 12. August) verfolgen, entdecken vielleicht einen alten Bekannten: Kim-Christoph Jokel. Dabei möchte er gar nicht so gerne entdeckt werden. „Eigentlich sind wir unsichtbar“, sagt er über sich und seine Kollegen. Jokel gehört nicht zu den Protagonisten, auf die sich das Licht der Scheinwerfer richtet. Er hält sich vielmehr im Hintergrund auf. Jokel befindet sich bei dem Event als Start-Ordner im Einsatz.

Als solcher zeigt er den Läufern vor dem Startschuss, wo es langgeht.

Bis 2001 ging der heute 34-Jährige für den Delmenhorster Turnverein (DTV) als Sprinter an den Start. Später wechselte er zum TV Langen und SV Werder Bremen. Hier erfüllte er sich einen Kindheitstraum: 2011 beteiligte sich Jokel mit der 4x400-Meter-Staffel an den Deutschen Meisterschaften. 2016 absolvierte er seinen letzten Start als Aktiver. Aktuell fungiert der Lehrer, der an der Oberschule Thedinghausen Sport und Mathe unterrichtet, als Leiter der Leichtathletik-Abteilung des Vereins Bremer 1860.

Berufung für vier Jahre

„Beim DTV habe ich den Kampfrichterschein bereits als Jugendlicher bei Wolfgang Budde (Vorsitzender des Kreises Delme-Hunte, Anm. d. Red.) gemacht“, blickt Jokel zurück. Inspiriert wurde er in seiner Jugend durch den 2009 verstorbenen Bruno Schminke, der seinen Karriere-Höhepunkt 1972 als Starter bei den Olympischen Spielen in München erlebte. „Das ist was ganz Besonderes“, unterstreicht Jokel. Und noch etwas hat ihn angetrieben: „Ich weiß, dass es ohne Kampfrichter nicht funktioniert und möchte etwas zurückgeben.“

Im November des vorletzten Jahres beteiligte sich Jokel in Würzburg an einem zweieinhalbtägigen Vorbereitungslehrgang zur Ausbildung zum nationalen Starter. Es handelt sich hierbei um die höchste Prüfung, die der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) anbietet. „Mein Ziel war es, 2018 bei der Europameisterschaft dabei zu sein“, betont Jokel. „Ich hätte auch die Latte beim Hochsprung aufgelegt.“ Im Mai 2017 folgten in Kamen die schriftliche („Sie dauerte dreieinhalb Stunden“) und die mündliche Prüfung. Jokels Berufung in den nationalen Kader, dem die 15 Besten angehören, erfolgte im August 2017 für die folgenden vier Jahre (2018 bis 2021).

Die Generalprobe für die Berliner Europameisterschaft, für die ihn die Verantwortlichen des DLV im Frühjahr nominierten, fand für den gebürtigen Delmenhorster in Rostock, Austragungsort der dreitägigen deutschen Jugendmeisterschaften, statt. Er habe, so Jokel, bei „allen Strecken“ als Starter fungiert. Sein erster offizieller Einsatz für den DLV sei eine „Herausforderung“ gewesen. „Ich habe die Wettkampfstätte nicht verlassen. Am Freitag und Samstag war ich von 10 bis 20 Uhr und am Sonntag fünf Stunden lang im Einsatz“, berichtet er und betont, dass er bei der DM in Rostock viele Erfahrungen gesammelt und sich mit Kollegen ausgetauscht habe.

Generalprobe am Sonntag

Jokel ist am Freitag nach Berlin gereist, wo zunächst unter anderem die Einkleidung auf seinem Terminplan stand. Am Sonntag werden die Funktionäre während einer Testveranstaltung (internationaler U20-Wettbewerb) auf das Spektakel EM eingestimmt. Nach dem Quali-Tag geht es am Dienstag um die ersten Titel. Der erste Veranstaltungstag hat es in sich: So befinden sich Zehnkämpfer im Einsatz, Frauen und Männer ermitteln die Europameister über die 100-Meter-Distanz.

Jokel gehört im Olympiastadion dem fünfköpfigen Start-Ordnerteam an. Er holt die Aktiven aus dem Callroom ab und legt mit ihnen den „langen Weg“ (Jokel) zum Start zurück. Gespräche werden vornehmlich in englischer Sprache geführt. „Ich verweile bis zum Startschuss auf meinem Platz“, sagt er.

Seine Aufgaben lassen ihm nur sehr wenig Zeit für andere Unternehmungen. „Von den anderen Wettkämpfen wird man wenig mitbekommen“, blickt er voraus. So ist ein ausführliches Sightseeing in der Hauptstadt nicht vorgesehen. Auch für einen Ausflug zum Breitscheidplatz, wo die EM-Organisatoren rund um die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche die Europäische Meile (mit Showprogrammen, Siegerehrungen und Wettbewerben) einrichten, dürfte nicht ausreichend Zeit vorhanden sein. „Wenn zwischendurch mal zwei Stunden Zeit sind, werde ich diese für ein Mittagessen oder kleines Nickerchen nutzen“, hat sich Jokel vorgenommen.

Einsatz in Berlin: Der ehemalige Leichtathlet des Delmenhorster TV Kim-Christoph Jokel ist bei der EM 2018 in Berlin dabei. Foto: Klaus Erdmann

Am Sonntag, 12. Dezember, enden die Titelkämpfe der Leichtathletik-Asse. Einen Tag später tritt der Start-Ordner die Rückreise an. „Für Berlin habe ich drei Tage Sonderurlaub bekommen“, sagt er. Denkbar ist, dass ihm der eine oder andere Schüler sagt: „Herr Jokel, ich habe Sie im Fernsehen gesehen.“ Sehr wahrscheinlich ist das aber nicht, denn Kim-Christoph Jokel gehört ja eigentlich zu den „unsichtbaren“ Teilnehmern der Leichtathletik-Europameisterschaft in Berlin.


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