Hauptplatz im Stadion gesperrt Delmenhorster Leichtathleten kritisieren Stadt für Kommunikation

Von Frederik Böckmann

Wird zumindest die Kunststoffbahn im Stadion bald freigegeben? Das hoffen die Vertreter des Leichtathletik-Kreises Delme-Hunte. Foto: Rolf TobisWird zumindest die Kunststoffbahn im Stadion bald freigegeben? Das hoffen die Vertreter des Leichtathletik-Kreises Delme-Hunte. Foto: Rolf Tobis

Delmenhorst. Kann der Leichtathletik-Kreis Delme-Hunte nach der Sperrung des Hauptplatzes seine Regionalmeisterschaften ausrichten? Wo sollen die Sportler des Delmenhorster TV alternativ trainieren? Wer ersetzt die finanziellen Verluste? Es gibt einige Fragen, auf die die Leichtathleten noch keine Antworten von der Stadt erhalten haben.

Wolfgang Budde ist ein wenig ratlos. Und auch frustriert. „Die Stadt Delmenhorst igelt sich ein. Man erfährt nichts, es bewegt sich rein gar nichts“, sagt der Vorsitzende des Leichtathletik-Kreises Delme-Hunte. Seit dem 13. Juli sind der Hauptplatz und ein Nebenplatz im Delmenhorster Stadion gesperrt, weil die aufgebrachte Markierungsfarbe wahrscheinlich Herbizide – also chemische Unkrautvernichter – enthielt und deshalb Schäden an der Grasnarbe verursacht hat. Zwei Ferien-Abendsportfeste sind bereits ausgefallen, die Austragung der Regionsmeisterschaften am 19. August der Jugendlichen (Mehrkampf und Langstrecken) steht auf der Kippe. Ob der Leichtathletik-Kreis an jenem Tag das Stadion nutzen kann? Weiterlesen: Sportler in Delmenhorst schieben nach verlängerten Platzsperren Frust

Das weiß der Dachverband nicht – und fühlt sich von der Stadt ein wenig im Stich gelassen. Auf eine E-Mail von Budde an das Schul- und Sportamt habe es bis Dienstagnachmittag von der Stadt keine Antwort gegeben. Der Kreischef bat die Verwaltung darum, die Kunststoffflächen um den Hauptplatz – vornehmlich die Laufbahn – für die Regionalmeisterschaften freizugeben. Und möglicherweise die Absperrgitter, die auch um den Nebenplatz stehen, um den Hauptplatz zu verteilen. Denn den Hauptplatz benötigten die Leichtathleten nicht zwingend. Budde wollte am Dienstagabend noch eine zweite E-Mail an die Verwaltung schicken. Auch, um möglicherweise einen Runden Tisch einzuberufen, in dem alle Beteiligten (neben den Leichtathleten auch fünf Fußball-Vereine) über den aktuellen Sachstand informiert würden.

Kreis Delme-Hunte droht jetzt ein negativer Haushalt

Für Budde stellt sich „allmählich auch die Frage, ob die Reaktion der Stadt nicht in eine Überreaktion ausgeartet ist“. Denn bei den Fußballern geht man davon aus, dass die aufgebrachte Markierungsfarbe nicht schädlich ist. Nach dem Dionysos-Cup des SV Tur Abdin, auf dem die Spieler die Markierungsfarbe über den gesamten Platz verteilten, klagte kein Spieler über Rötungen oder Ähnliches.

Wie der Kreis Delme-Hunte mit der derzeit unbefriedigenden Situation umgehen will, dass hat der Kreisvorstand am Montagabend bei einer Krisensitzung beraten. Fakt ist, dass dem Dachverband durch die Absage der beiden Feriensportfeste bislang 1700 Euro Einnahmen fehlen. Fallen die Regionsmeisterschaften aus, fehlen weitere 600 Euro – und die Verluste summieren sich damit auf die Hälfte des Jahresetats von 4000 bis 5000 Euro. Weil der Leichtathletik-Kreis zuletzt viel Geld in seine EDV-Ausrüstung investiert hat, „droht uns vielleicht sogar ein negativer Haushalt“, sagt Budde. (Weiterlesen: Leichtathletik-Verband drohen finanzielle Verluste)

Der Kreischef lotet derzeit Möglichkeiten aus, wo die Regionalmeisterschaften eventuell auszutragen sind. Das Marschweg-Stadion in Oldenburg steht nicht zur Verfügung, weil dort die Spiele von Fußball-Regionalligist VfB Vorrang haben. Also vielleicht auf die neue Leichtathletik-Anlage des TV Hude? Budde will am Samstag bei einem Gespräch mit seinem Neffen Thorsten Budde, der Trainer beim TVH ist, prüfen, inwieweit dort auf der Kunststoff-Anlage auch Wurfwettbewerbe durchführbar sind.

Ratlos – und ein wenig frustriert: Wolfgang Budde, Vorsitzender des Leichtathletik-Kreises Delme-Hunte. Foto: Rolf Tobis

Ratlos – und ein wenig frustriert: Wolfgang Budde, Vorsitzender des Leichtathletik-Kreises Delme-Hunte. Foto: Rolf Tobis

Und wenn das nicht klappt? Dann müsse der Leichtathletik-Kreis eventuell bis nach Nordenham, Westerstede oder Lohne ausweichen. Fest steht: „Bis Anfang der nächsten Woche müssen wir wissen, wo wir die Regionalmeisterschaften durchführen können.“ Sollte Delme-Hunte auch diese Wettkämpfe absagen müssen, wäre das für Budde ein weiteres „Desaster“. Imagemäßig und finanziell. Apropos Finanzen: Der Leichtathletik-Kreis will sich Anfang August rechtlichen Beistand eines Experten des Landesverbandes holen. „Denn wir möchten uns das entgangene Geld natürlich von irgendjemandem wiederholen“, betont Budde.

DTV bemüht sich selbst um alternative Sportstätten

Bei den Leichtathleten des Delmenhorster TV ist man über die derzeitige Situation im Stadion „nicht nur frustriert, sondern auch nachhaltig verärgert“, schimpft Abteilungsleiter Richard Schmid und bezieht dies auch auf die Kommunikation mit der Verwaltung. Er habe von der Sperrung nur über Umwege erfahren. „Insgesamt fühlen wir uns von der Stadt ein wenig im Stich gelassen, da wir weder darüber informiert werden, wie lange die Sperrung noch andauert, noch dass uns Alternativen angeboten wurden.“ Der DTV zahle für die Nutzung des Stadions eine vierstellige Summe, „da darf man schon erwarten, nicht völlig in der Luft hängengelassen zu werden“, findet Schmid. Die Stadtverwaltung hingegen betont, dass sie „seit Beginn der Sperrung mit den betroffenen Nutzern des Stadions in Kontakt“ stehe.

Die DTV-Sportler sind derzeit gezwungen, in der Halle zu trainieren. „Dort lassen sich leider natürlich nur im reduzierten Umfang leichtathletisch spezifische Übungen absolvieren“, sagt Abteilungsleiter Richard Schmid und ist derzeit auf eigene Faust bemüht, alternative Sportstätten für seine Leichathleten zu finden. Ausweichmöglichkeiten gäbe es möglicherweise auf den Anlagen von Borussia Delmenhorst (400-Meter-Kunststoff-Bahn, Kugelstoß- und Weitsprunganlage) und beim Delmenhorster Ballverein (50-Meter-Kunststoffbahn und Weitsprung-Anlage).


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