dk-Serie: Sportliche Rückblicke Als Alexander Zverev in Delmenhorst auf sich aufmerksam machte

Von Klaus Erdmann

2008: Alexander „Sascha“ Zverev gastiert auf der Anlage des TC Blau-Weiß. Experten trauen ihm eine große Karriere zu. Foto: Rolf Tobis2008: Alexander „Sascha“ Zverev gastiert auf der Anlage des TC Blau-Weiß. Experten trauen ihm eine große Karriere zu. Foto: Rolf Tobis

Delmenhorst. 2008 beteiligt sich Tennis-Star Alexander Zverev an einem Turnier des TC Blau-Weiß Delmenhorst. Elfjähriger Hamburger sorgt als „kleiner Bruder“ von Mischa Zverev, damals 72. der Weltrangliste, für Aufsehen. BWD-Pressewart Jens Werner erinnert sich an eine freundliche und hilfsbereite Familie.

Wie sich die Zeiten ändern. 22. Juli 2008: Das Delmenhorster Kreisblatt berichtet über ein internationales Jugendturnier beim Tennis-Club Blau-Weiß Delmenhorst und über einen der 101 Teilnehmer: Alexander Zverev, der den Spitznamen „Sascha“ trägt. „Es handelt sich um den Bruder von Mischa Zverev, deutscher Profi und Nummer 72 der Weltrangliste“, heißt es ergänzend. 27. Juli 2018: Das dk informiert darüber, dass Mischa Zverev beim ATP-Turnier in Atlanta das Viertelfinale erreicht. Die Rede ist vom „älteren Bruder von Alexander Zverev“.

Längst hat der „kleine“, 21-jährige Alexander den neun Jahre älteren Mischa überholt. Damals, im Juli 2008, belegt Zverev der Jüngere bei einem Turnier, das zur „Europe-Junior-Tour 12 & Under“ gehört, den dritten Rang. Heute nimmt er hinter den Routiniers Rafael Nadal (32) und Roger Federer (36) Platz drei der ATP-Weltrangliste ein.

In Delmenhorst ist der Elfjährige und für den Hamburger Verein Uhlenhorster TC startende Zverev hinter Viktor Kostin (SV Arnum), Lasse Muscheitis (Rasteder TC) und Andreas Cirja (Oldenburger TeV) die Nr. 4 der Setzliste. Er zeigt beeindruckende Auftritte. Aufgrund seiner guten Leistungen und seines „Managements“ steht fest, dass sich hier eine große Karriere andeutet.

Jens Werner, seit vielen Jahren Pressewart des TC Blau-Weiß, gehört im Juli 2008 zu den Mitgliedern der Turnierleitung. Er erinnert sich: „Ich habe damals schon gesagt, dass Alexander, wenn er auf dem Boden der Tatsachen bleibt, zehn Jahre später zu den zehn Besten der Welt gehören kann.“ Das Elternhaus habe bei dem talentierten Tennisspieler eine wichtige Rolle gespielt.

2018: Weltstar Alexander Zverev. Foto: Witters

Beim Turnier an der Lethestraße steht nicht nur Alexander Zverev im Mittelpunkt. Auch seinen Eltern wird große Aufmerksamkeit zuteil. Schließlich sind sie nicht nur Begleiter ihres Kindes, sondern auch ehemalige Tennisgrößen. Vater Alexander Michailowitsch Swerew, Trainer seiner Söhne, verweist auf eine Profikarriere und Einsätze für die sowjetische Davis-Cup-Mannschaft. Alexander Swerew und seine Frau Irina Swerewa ziehen 1991 mit dem kleinen Mischa nach Hamburg. Von hier aus starten die Zverev-Brüder ihre Karrieren.

Zurück zum Jahr 2008, zurück zur Anlage an der Lethestraße. Vater Alexander fällt nicht zuletzt dadurch auf, dass er viele Telefonate führt – in deutscher, englischer und russischer Sprache. Dabei kommt Alexander der Jüngere nie zu kurz. „Der Vater-Trainer hielt die schützende Hand über ihn“, sagt Werner. „Wenn der Vater der Trainer ist, ist es oftmals schwierig. Aber es gibt eben auch Ausnahmen.“

Obwohl die Zverevs zu den bestaunten Hauptdarstellern des Turniers, an dem sich junge Aktive aus vielen Nationen beteiligen, gehören, ist ihnen Arroganz fremd. „Arrogant? Ganz im Gegenteil“, sagt Werner. Die Zverevs präsentieren sich nie abgehoben, sondern freundlich und hilfsbereit. Irina Swerewa bietet ihre Hilfe an, sagt den Organisatoren, sie könne einspringen, wenn diese Unterstützung benötigten.

Alexander trifft im Halbfinale auf den topfavorisierten Viktor Kostin (aktuelle Nr. 270 der deutschen Rangliste), der heute für den Club zur Vahr antritt, und verliert mit 1:6 und 4:6. Nach dem Spiel um Platz drei hat Alexander Zverev wieder Grund zur Freude: Gegen den Italiener Roberto D’Ambrosio setzt er sich mit 6:2 und 6:1 durch.

Alexander Zverev tritt beim TC Blau-Weiß nicht „über-ehrgeizig“ (Werner) auf, aber nach der Niederlage im Halbfinale fließen bei ihm Tränen. Das sei, möchte man hinzufügen, einem Elfjährigen erlaubt.

Der Tennis-Club Blau-Weiß machte sich früher als Ausrichter vieler (internationaler) Turniere einen Namen. Viele junge Spielerinnen und Spieler stellten sich an der Lethestraße vor und einige von ihnen lösten bei den Zuschauern Erstaunen aus. Eines dieser Talente ist heute ein Weltstar: Alexander Zverev.


n unregelmäßigen Abständen blickt die dk-Sportredaktion samstags auf herausragende Ereignisse in der Stadt und im Landkreis oder auf große Erfolge von Sportlern zurück, die mindestens zehn Jahre zurückliegen. Heute: 2008 spielte Tennis-Star Alexander Zverev in Delmenhorst.

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