„Wo ist der Plan B?“ Sportler in Delmenhorst schieben nach verlängerten Platzsperren Frust

Von Frederik Böckmann

Sattes Grün und eine große Kulisse: So beendete der SV Atlas Delmenhorst mit Marco Prießner seine vergangene Oberliga-Saison gegen Arminia Hannover. Möglicherweise müssen die Blau-Gelben für ihren Saisonstart auf eine andere Anlage ausweichen. Nur, wohin? Foto: Rolf TobisSattes Grün und eine große Kulisse: So beendete der SV Atlas Delmenhorst mit Marco Prießner seine vergangene Oberliga-Saison gegen Arminia Hannover. Möglicherweise müssen die Blau-Gelben für ihren Saisonstart auf eine andere Anlage ausweichen. Nur, wohin? Foto: Rolf Tobis

Delmenhorst. Der Hauptplatz und ein Nebenplatz im Delmenhorster Stadion bleiben bis auf Weiteres gesperrt. Die Sportler beklagen sich über fehlendende Einnahmen und einen eingeschränkten Trainingsbetrieb, dazu muss sich Atlas für seine Oberliga-Saison womöglich mit einem anderen Spielort beschäftigen.

Die Neuzugänge schlagen sehr gut ein, die Vorbereitungsspiele machen Lust auf mehr und die Fans fiebern schon dem Saisonstart in der Fußball-Oberliga entgegen: Beim SV Atlas Delmenhorst gibt es sportlich gesehen eigentlich wenig Grund zum Klagen. Doch ein Punkt bereitet dem SVA ebenso wie den anderen Nutzern im Delmenhorster Stadion Sorgen: die Platzsituation.

Seit dem 12. Juli sind der Hauptplatz und der Nebenplatz im hinteren Bereich nahe der Straße Am Stadion wegen Schäden an der Grasnarbe, vermutlich durch Herbizide ausgelöst, gesperrt – und möglicherweise noch für längere Zeit. Zumindest beantwortete die Stadt Delmenhorst die dk-Anfrage, wann die beiden Plätze im Stadion in Düsternort wieder freigegeben werden könnten, nicht.

Und das sorgt für mächtig Frust unter den Sportlern. In weiten Teilen der Saisonvorbereitung stand den Fußball-Mannschaften des SV Atlas, KSV Hicretspor, RW Hürriyet und SV Tur Abdin nämlich nur ein einziger Platz zur Verfügung, mittlerweile sind es zwei. Die Folge: Die Vereine mussten viel improvisieren.

Fußballer mit Einschränkungen im Trainingsbetrieb

Der SV Atlas wich zum Beispiel für Training und Freundschaftsspiele auf die Anlage des Delmenhorster TB sowie auf die Beachanlage der TS Hoykenkamp aus, der SV Tur Abdin trainierte beim TuS Hasbergen und testete beim DBV. Durch Turniere und Testspiele auf anderen Plätzen entschlackte sich der Trainingsbetrieb zumindest etwas, aber nicht viel.

„Das ist alles sehr blöd“, sagt Abdin Sportlicher Leiter Isa Tezel. „Wir müssen uns im Training sehr einschränken.“ Ein Dauerzustand sei dies jedoch nicht, sagt Atlas-Sportvorstand Bastian Fuhrken und ärgert sich darüber, „dass es seitens der Stadt überhaupt keinen Plan B für die Stadionnutzung gibt“.

Mit Blick auf die Oberliga-Saison schüttelt Fuhrken mit dem Kopf. „Wo sollen wir denn überhaupt spielen, wenn das Stadion gesperrt ist?“, fragt der Funktionär und macht deutlich, dass es kaum weitere Anlagen in der Stadt gibt, die den Oberliga-Standards überhaupt entsprechen würden (Ausnahme TuS Heidkrug?). Ähnlich problematisch könnte es auch für die Frauen des TV Jahn werden, die ihre Heimspiele bekanntlich ebenfalls im Stadion austragen.

Alles halb so schlimm? Oder doch nicht? Die vor drei Wochen aufgebrachte Markierungsfarbe – hier auf einem Nebenplatz – enthielt nach Erkenntnissen der Stadt Herbizide, also Unkrautvernichter. Diese hätten die Schäden an der Grasnarbe verursacht, teilte die Stadt mit. Foto: Rolf Tobis

Nach derzeitigem Kenntnisstand der Stadt enthielt die aufgebrachte Markierungsfarbe für die Linien Herbizide, also Unkrautvernichter. Diese hätten die Schäden an der Grasnarbe verursacht, teilte die Stadt mit. Darum hat die Stadt die Landwirtschaftskammer Niedersachsen eingeschaltet. Zudem hat der Fachdienst Schule und Sport Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt.

Dass die Stadtverwaltung die Plätze weiter sperre, ist für Bastian Fuhrken unverständlich. „Nach unseren Erkenntnissen ist die Substanz nicht gefährlich.“ Weshalb er die „große Bitte“ an die Stadt richtet, die gesperrten Plätze endlich wieder freizugeben und sich diesen in der fußballfreien Zeit im Winter anzunehmen.

Leichtathleten befürchten „kleine Katastrophe“

Nicht nur die Fußballer sind von den Platzsperren betroffen, sondern es waren als erstes die Leichtathleten. Denn das vom Leichtathletik-Kreis Delme-Hunte für den 13. Juli vorgesehene 1. Abendsportfest war damals abgesagt worden. Dadurch brachen dem Verband Einnahmen im hohen dreistelligen Bereich weg. „Wer ersetzt uns das?“, fragt Wettkampfwart Richard Schmid.

Würde auch noch das für den 3. August geplante 2. Ferienabendsportfest ausfallen, „wäre das schon fast eine kleine Katastrophe“, betont er. „Nicht nur finanziell, auch durch den Imageverlust, da aufgrund des ausgedünnten Wettkampfkalenders in den Sommerferien unser Sportfest bei vielen Aktiven fest im Terminkalender verankert ist.“

Leichtathlet Schmid ist auch Abteilungsleiter beim Delmenhorster TV. Dort ist das Training durch die Stadionsperrung jetzt deutlich eingeschränkt, dabei wollte der DTV in den Ferien bis zu drei Trainingseinheiten in der Woche anbieten. „Bestimmte Trainingseinheiten können so gut wie gar nicht durchgeführt werden. Das ist vor allem vor dem Hintergrund ärgerlich, da einige unserer Sportler sich in unmittelbarer Vorbereitung für die Landesmeisterschaften befinden.“

Ein Nebenplatz wird im August frei ...

Zum Beispiel habe die 4x100-Meter-Staffel der männlichen Jugend sogar Medaillenchancen bei ihren Meisterschaften, allerdings funktioniere das nur nach intensivem Staffeltraining, „was derzeit eben nicht möglich ist“, ärgert sich Schmid. Am 1. August will sich diese Staffel zum ersten Mal in diesem Jahr in einem Wettkampf stellen. „Nur, wie soll das gehen ohne spezielles Training?“, fragt Abteilungsleiter Schmid. „Fußballer haben ja vielleicht noch die Chance auf andere Plätze auszuweichen, wir Leichtathleten haben aber nur dieses Stadion.“

Eine gute Nachricht konnte die Stadt Delmenhorst am Mittwoch zumindest doch noch verkünden. Ein dritter Nebenplatz wird nach seiner turnusgemäßen Regenerationsphase voraussichtlich am 12. August freigegeben. Für die Vereine, die den Hauptplatz nutzen müssen, scheint dies aber wohl nur ein schwacher Trost zu sein.


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