dk-Serie Sportliche Rückblicke Vor 45 Jahren wird der SV Atlas Delmenhorst gegründet

Von Klaus Erdmann

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Blickt gerne zurück: Ex-Atlas-Manager Peter Theis. Foto: Klaus ErdmannBlickt gerne zurück: Ex-Atlas-Manager Peter Theis. Foto: Klaus Erdmann

Delmenhorst. Vor 45 Jahren erleben einige Delmenhorster Vereine turbulente Wochen – weil der FC Roland, SSV und VSK Bungerhof am 13. Juli 1973 den SV Atlas Delmenhorst gründeten. Der ehemalige Manager Peter Theis blickt auf die Geburtsstunden zurück.

Alles begann damit, dass der VSK Bungerhof, dessen Name in erster Linie mit Handball in Verbindung gebracht wurde, im Sommer 1973 eine Fußballabteilung aufbauen wollte. „Wir haben Hasbergen und Jahn angesprochen. Beide haben abgelehnt“, sagt Peter Theis, seinerzeit 2. Vorsitzender des VSK. „Damit war das Thema vom Tisch.“ Vorerst muss man hinzufügen, denn es gab schon bald weitere Gespräche mit anderen Protagonisten. Die Folge: Der Delmenhorster Sport erlebte im Juni/Juli 1973 turbulente Wochen, an deren Ende eine schlagzeilenträchtige Fusion stand. Die Fußballer des FC Roland und SSV schlossen sich mit dem VSK Bungerhof zum SV Atlas zusammen. Zum Schluss ging alles ganz schnell: „Vereinsgründung in 35 Minuten“, berichtete das Kreisblatt am Samstag, 14. Juli 1973 – also vor exakt 45 Jahren.

Theis, einer der Männer der ersten Stunde und bis zum 24. Juli 1982 dynamischer und erfolgreicher Manager der 1. Fußballherren des SVA, erinnert sich. „Ich unterhielt mich bei der Firma Weyhausen (Theis‘ Arbeitgeber, Anm. d. Red.) mit dem Unternehmer Karl-Heinz Schaffarzyk und legte ihm meine Ideen zu einem Zusammenschluss dar.“ Schaffarzyk habe dann Johann Wenke, den damaligen Vorsitzenden des SSV angerufen und dieser habe einer Fusion sofort zugestimmt. „So nahm alles seinen Lauf“, sagt der 74-jährige Theis. „Wenn wir schon etwas machen, dann richtig“, habe das Motto gelautet.

Am 22, Juni 1973 berichtete das dk unter der Überschrift „Fusion – der Schritt nach vorn!“ über eine Presseerklärung des „Jahn- und SSV-Vorstandes zum Zusammenschluss“. Nur einen Tag später lautete die Schlagzeile: „Sensation: SSV und VSK werden zum SV Atlas“. In der Unterzeile hieß es: „TV Jahn wurde vom SSV hinters Licht geführt – Nur zwei SSVer für Fusion mit Jahn – Fa. Weyhausen neuer Mäzen“. Aus dem Text: „Die bereits schriftlich zugesagte erhebliche Unterstützung der Firma Weyhausen im Falle einer Gemeinsamkeit von VSK und SSV, den dann neuen Verein SV Atlas Delmenhorst erheblich zu fördern, gab den Ausschlag: So stimmten plötzlich 88 Mitglieder für diesen Zusammenschluss und nur zwei für den TV Jahn bei drei ungültigen Stimmen.“ Bei den Jahnern waren sie natürlich nicht amüsiert. Es habe „Hohngelächter und Schmähungen für die ‚SSV-Schweinerei‘“ gegeben, war zu lesen.

Schlagzeilenträchtige Fusion

Zahlreiche Artikel in den Zeitungen, Kommentare und Leserbriefe folgten. Keine Frage: Das Thema „Fusion“ beschäftigte viele Delmenhorster. Am 27. Juni bekam dann auch der FC Roland seine Schlagzeile: „FC-Fusion mit SSV/VSK zum SVA?“.

„Alles klar: Roland, VSK und SSV nun SV Atlas“, hieß es am 7. Juli 1973. Die Mitglieder des VSK Bungerhof (sechs Gegenstimmen) und FC Roland (zwei) votierten für den neuen Großverein. Die von Berater Schaffarzyk eingeleitete Gründungsversammlung, die am Freitag, 13. Juli, in der Grafthalle stattfand, geriet zur Formsache. Sie endete bereits nach 35 Minuten. „Bei nur einer Gegenstimme wählten die Anwesenden einen funktionsfähigen Vorstand en bloc und konnten den Eindruck gewinnen, dass der neue Verein den richtigen Weg geht.“, teilte das dk einen Tag später mit.

Die Bungerhofer Heinrich Klattenhoff (verantwortlich für Breiten- und Freizeitsport) und Theis (zuständig für Leistungssport und Manager erste Herren) sowie der Roländer Bernhard Schmidt (Finanzen und Vermögen) bildeten den Hauptvorstand. Theis spricht von einer „guten Lösung“. Er sagt ferner: „Die Aufgaben waren klar getrennt. Die Zusammenarbeit lief gut.“ Dem erweiterten Vorstand gehörten u. a. Rechts- und Sozialwart Karl-Friedrich Schreckenberg, Käthe Stüve (Frauensport) und Günther Blauth, Leiter der Fußball-Abteilung, an.

Handballer Theis wächst an seinem Fußball-Posten

„Ich habe Handball gespielt, war aber auch fußballbegeistert“, blickt Theis zurück. Er habe durch den Beruf (Theis arbeitete bei der Firma Weyhausen als Verkaufsleiter, Anm. d. Red.) Einiges mitgebracht und Ahnung vom Fußball gehabt. Theis: „Aber ich habe auch viel aufgesogen. Man wächst mit der Aufgabe.“

Es gab Lob für den neuen Verein, aber, so Theis „wir hatten auch viele Neider“. Doch schon bald seien Spieler anderer Vereine unter den Zuschauern gewesen. Und: „Der Zuschauerzuspruch war groß.“ Das kann man wohl sagen: Am 18. Juli 1973 bestritt Verbandsligist SV Atlas ein Treffen mit Regionalliga-Vizemeister VfL Osnabrück (0:4). 1600 Zuschauer verfolgten das Freundschaftsspiel. Als das SVA-Team am 19. August gegen Falke Steinfeld in die neue Saison startete (3:2), kamen rund 2000 Besucher ins Stadion.

„Es war zeitaufwendig, aber ich war mit Leib und Seele dabei“, sagt Theis über seine Manager-Zeit bei Atlas. Und er sagt: „Bei der Fusion hat alles gepasst. Noch heute sprechen mich Leute an und schwärmen von tollen Zeiten.“


In unregelmäßigen Abständen blickt die Sportredaktion des dk samstags auf herausragende Ereignisse in der Stadt und im Landkreis Oldenburg oder auf große Erfolge von Sportlern zurück, die mindestens zehn Jahre zurückliegen. Heute: Vor 45 Jahren wurde der SV Atlas gegründet.

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