Huder Leichtathlet im Porträt Kurt Riep gehört zu den besten Diskuswerfern in Europa

Von Richard Schmid

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Hude Er spielte Handball, er gründete eine Volleyballgruppe beim TV Hude und tanzte bis in die deutsche Spitzenklasse: Kurt Riep ist ein sportliches Multitalent. Seine größte Leidenschaft ist aber die Leichtathletik – mit der er sogar in Chile erfolgreich war.

Diskuswerfer, so die landläufige Meinung, das sind so Kerle wie der Olympiasieger Robert Harting. Mindestens 100 Kilogramm schwer, außerdem noch mit einer Körpergröße von gut 2,00 Metern und einer ebensolchen Spannweite ausgestattet. Kurt Riep ist das alles nicht. Gegen einen Riesen wie Robert Harting wirkt er geradezu schmächtig. Und dennoch gehört der Leichtathlet des TV Hude zu den besten Diskuswerfern. Nicht nur in Deutschland, sondern in Europa.

Auch in den vergangenen Monaten schrieb Kurt Riep wieder einmal ein wenig Leichtathletikgeschichte. Ganz früh in der Saison ließ der 80-Jährige mit zwei neuen niedersächsischen Landesrekorden in der Altersklasse M80 sowohl im Kugelstoßen als auch im Diskuswerfen aufhorchen. Dann schmückten Ende Mai zwei weitere Landesmeistertitel im Kugelstoßen und Diskuswerfen seine an Triumphen überaus erfolgreiche Vita. Und am 13. Juni verbesserte er beim Werfermeeting in Bremerhaven seinen eigenen erst im April aufgestellten Landesrekord im Kugelstoßen auf 11,61 Meter in der Altersklasse M 80.

Auch im Kugelstoßen sehr stark: Kurt Riep. Foto: R. Tobis

Eigentlich sei der zwei Kilogramm schwere Männerdiskus für ihn immer zu schwer gewesen, sagt Riep, der offen bekennt, dass ihm die ab der Altersklasse M50 leichteren Disken deutlich besser lagen. „Meine Stärke ist meine Technik, meine Schnelligkeit, die ich mir bis heute bewahrt habe“, sagt er. Diese technischen Fähigkeiten sind es, die Riep seit nahezu zwei Jahrzehnten in eben dieser wohl ältesten leichtathletischen Disziplin, dem Diskuswurf, so stark machen.

Neben den in diesem Jahr aufgestellten neuen Landesrekorden, ist Riep in der niedersächsischen Rangliste in allen Altersklassen ab M65 als Rekordhalter verzeichnet. Den diesjährigen Landesrekord im Kugelstoßen nahm Riep quasi im Vorbeigehen mit, denn das Kugelstoßen trainiert er eher nur nebenbei.

Titelkandidat bei der Senioren-DM

Am Freitag stehen für ihn in Mönchengladbach die deutschen Seniorenmeisterschaften an. Riep gilt heute in seiner Altersklasse sowohl im Kugelstoßen als auch in seiner Lieblingsdisziplin Diskuswurf, zu der er mit der zweitbesten Weite (36,20 Meter) anreist, als Favorit auf den Titel. Apropos Titel. Bereits zweimal (2007 und 2011) triumphierte er neben zahlreichen weiteren hervorragenden Platzierungen bei den deutschen Titelkämpfen. Von den Europameisterschaften 2005 im slowenischen Ljubljana kehrte er mit einer Bronzemedaille zurück.

Dabei wurden Riep, der 1938 im niederschlesischen Breslau geboren wurde, diese sportlichen Erfolge nicht in die Wiege gelegt. Als Flüchtlingskind landete er schließlich nach einigen Irrungen und Wirrungen in Bad Zwischenahn. An Sport, gar Leistungssport war in dieser Nachkriegszeit allerdings nicht zu denken. Erst ein Schularzt weckte Anfang der 1950er Jahre seinen sportlichen Ehrgeiz: „Der hat mich wegen meiner schlappen Haltung kritisiert. Das ließ ich mir nicht noch mal sagen, da habe ich mit Sport angefangen“, erinnert sich Riep.

Sport nicht nur Leidenschaft, sondern auch Berufung

Mit 14 Jahren wurde Leichtathletik neben Handball seine große Leidenschaft. „Ich habe damals alle Disziplinen und Wettkämpfe bestritten, die es gab, als Jugendlicher sogar den Zehnkampf“, erzählt er. Und Sport wurde nicht nur die große Leidenschaft des jungen Riep, sondern später – wenn man so will – auch sein Beruf.

Nach dem Abitur begann er in Oldenburg ein Pädagogikstudium mit dem Schwerpunkt Sport. Ein anschließendes Sportstudium an der Sporthochschule Köln rundete seine Ausbildung zum Schulsportlehrer ab. 1962 verschlug es Riep nach Hude, wo er zunächst zehn Jahre neben Sport auch Mathematik, Deutsch und Biologie unterrichtete.

Militärdiktatur in Chile miterlebt

Doch in Hude sollte er nicht bleiben. Ein Angebot, im chilenischen Valparaíso an einer deutschen Schule zu unterrichten, konnte und wollte er nicht ausschlagen. Fünf Jahre lang blieb Riep dort und erlebte ab September 1973 allerdings auch die ersten Jahre einer bedrückenden Militärdiktatur. In Chile feierte der damals 37-Jährige 1975 seinen bis dahin größten Erfolg: Bei den chilenischen Leichtathletikmeisterschaften wurde er Vizemeister im Diskuswurf. 1978 ging es zurück nach Hude und für 20 Jahre war erst einmal Schluss mit Leichtathletik.

Viele Aktivitäten beim TV Hude initiiert

Ohne Sport ging es jedoch nicht. Gemeinsam mit seiner Frau Gisela tanzte sich Riep bis in die deutsche Seniorenspitzenklasse. „Der Grund mit dem Tanzen anzufangen, war ganz einfach“, sagt Riep. „Meine Frau hat mich und meine leichtathletischen Ambitionen immer unterstützt. Aber irgendwann wollten wir mal etwas gemeinsam machen. Tanzen war da genau richtig.“ Daneben initiierte Riep zahlreiche Aktivitäten beim TV Hude. „Volleyball für Ehepaare“, nach einer Anregung seiner Frau, wurde fester Bestandteil im Breitensportangebot des Vereins.

Doch mit 60 Jahren, in einem Alter also, wo andere ihre sportlichen Ambitionen längst an den Nagel gehängt haben, packte Riep seine alte Leidenschaft für die Leichtathletik. Und speziell der Diskus hat es ihm – bis heute – angetan. „Endlich konnte ich mit der Ein-Kilo-Scheibe werfen, da tat ich mir doch deutlich leichter als mit dem zwei Kilo schweren Männerdiskus“, sagt er. „Vor allem meine Schnelligkeit kann ich mit dem leichteren Sportgerät viel besser zur Geltung bringen.“ Und wie man sieht, nach wie vor äußerst erfolgreich. „Solange ich mich im Diskusring noch drehen kann, werde ich weitermachen.“


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