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26.06.2018, 21:17 Uhr KOLUMNE

DFB-Elf muss Steigerungslauf hinlegen

Von Tino Polster

Soll weitere WM-Siege bejubeln: dk-Kolumnist Tino Polster hofft, dass die Nationalmannschaft um Toni Kroos einen Steigerungslauf durch das WM-Turnier hinlegt. Foto: Imago/ULMER PressebildagenturSoll weitere WM-Siege bejubeln: dk-Kolumnist Tino Polster hofft, dass die Nationalmannschaft um Toni Kroos einen Steigerungslauf durch das WM-Turnier hinlegt. Foto: Imago/ULMER Pressebildagentur

Der Sportjournalist und gebürtige Delmenhorster Tino Polster analysiert exklusiv für das „Delmenhorster Kreisblatt“ die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Den Schwerpunkt legt er auf die Partien der DFB-Elf. Der langjährige Medienchef des Bundesligisten SV Werder arbeitet u. a. für das Sportportal DAZN, die TV-Sender sportdigital und SPORT1 sowie für die DFL.

Liebe Leser,

da ist aber ein Stein bis auf den Grund des Tegernsee geplumpst! Der Tourismusmanager der bayerischen Urlaubsregion hatte die kostenlose PR in der ARD schon abgehakt, das Ende der merkwürdigen Live-Schalten zu Philipp Lahm schien besiegelt. Bis Toni Kroos kam, fünf nach zwölf, aber das reichte! Lebenslang „Tegernseer Hell“ ist dem Kunstschützen jetzt mindestens sicher, denn das Außenstudio im „Ersten“ wird werbewirksam weiter zugeschaltet.

Wer zweifelt noch am Einzug ins Achtelfinale?

So schnell wie das Wetter in den Bergen wechselt, so heftig fiel jetzt der Stimmungsumschwung rund um „Die Mannschaft“ aus. Wer zweifelt noch am Einzug ins Achtelfinale? Gegen Südkorea, das darf, das kann nicht schiefgehen!

Der Bundestrainer hatte hoch, sehr hoch gepokert. Vor dem Spiel gegen Schweden verbal absolute Zuversicht demonstriert, obwohl er garantiert geahnt hat, wie knapp das werden könnte. Ist über die Promenade in Sotschi gejoggt, wie ein Urlauber. Feinstes Linsenfutter für begierige Fotografen und Kameraleute. Die Gelassenheit in Person. Seine Botschaft: volles Vertrauen ins Team und die eigene Stärke. Bei einer Niederlage wäre Jogi Löw diese Attitüde neben dem Ergebnis ganz sicher zum Verhängnis geworden. Er wird auch das gewusst haben.

Nochmal gut gegangen, auch weil der Video-Schiedsrichter beim elfmeterreifen Foul von Boateng nicht eingriff. Ach, der Videobeweis. Was anfangs fast schon zu gut funktionierte, erinnert jetzt wieder an die rumpelige Versuchssaison in der Bundesliga. In der Partie Saudi Arabien gegen Ägypten zum Beispiel wurde dem kolumbianischen Referee Roldan zweimal empfohlen, seine Strafstoßentscheidungen am Monitor zu überprüfen. Er mochte sich trotz deutlicher Bilder nicht revidieren. Die Empörung hielt sich nur deshalb in Grenzen, weil beide Teams bereits ausgeschieden waren. Roldan ist es jetzt auch.

Bei Jogis Jungs haben die Nerven gehalten

Beim Ellbogen gegen Ronaldo kann hingegen über das gerechte Strafmaß heftig gestritten werden. Ich hätte Rot gezogen und fühlte mich an mehrere „Attentate“ von Frank Ribéry erinnert. In die Kabine musste der Franzose auch nie, warum eigentlich nicht? Bei Jogis Jungs haben also die Nerven irgendwie gehalten, bei zwei DFB-Funktionären leider nicht. Passt zu dieser WM. Als für einen Moment alle Ampeln auf Grün stehen, würgen sie sich mit der Häme gegen die schwedischen Offiziellen selbst wieder ein Thema rein. Die unfairen Deutschen – wer brauchte das jetzt?

DFB-Elf muss sich weiter steigern

Und wer braucht eigentlich Brasilien schon im Achtelfinale? Der biedere Fußball der Schweden hätte fast zum Rausschmiss gereicht. Was unsere Mannschaft nun hinlegen muss, ist ein fulminanter Steigerungslauf durchs Turnier.


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