Sechster unter 240 Oberligisten SV Atlas mit Zuschauerschnitt bundesweit vorn dabei

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Wenn Atlas spielt, ist im Delmenhorster Stadion immer was los. 810 Fans kamen im Schnitt. Foto: Rolf TobisWenn Atlas spielt, ist im Delmenhorster Stadion immer was los. 810 Fans kamen im Schnitt. Foto: Rolf Tobis

Delmenhorst. Der SV Atlas Delmenhorst steht im bundesweiten Zuschauer-Ranking aller 240 Fußball-Oberligisten auf Rang sechs. Ins Delmenhorster Stadion pilgerten im Schnitt 810 Fans pro Spiel. Zufrieden ist der Verein trotzdem nicht.

Fußballspiele des TSV Grolland III gehören, bei allem Respekt, nicht zu den großen Publikumsevents im Norden – auch der bevorstehende Aufstieg in die 1. Kreisklasse Bremen-Stadt wird das Marktforschern zufolge nicht groß ändern. Tom Witte hat also allen Grund, der Atmosphäre im Delmenhorster Stadion nachzutrauern, er wechselt ja vom SV Atlas zur Grolländer Dritten. Zum Abschied beschrieb er das Ambiente in einer wehmütigen Liebeserklärung so: „Du kommst hierher und verstehst die Welt erst mal nicht mehr. Wir wurden so krass angefeuert. Und jetzt ist es für mich vorbei.“

Atlas, das wusste man natürlich schon vor Wittes Hommage, gehört zu den speziellen Erscheinungen in der deutschen Oberliga-Landschaft und nun endgültig auch zu den größten zehn Publikumsmagneten in der Fünftklassigkeit. Die Delmenhorster zogen in der Saison 2017/18 im Schnitt 810 Fans zu ihren Heimspielen und stehen damit unter den 240 Oberligisten aus 14 Staffeln bundesweit auf Platz sechs. Fan-Krösus und Ex-Bundesligist FC Homburg ist mit 1083 Schaulustigen pro Spiel zwar noch mal eine Klasse besser, nördlich von Rheinland-Pfalz hat aber kein Fünftligist mehr Publikum als der SVA, über dem mit dem SSV Reutlingen, Eintracht Trier und Viktoria Aschaffenburg noch drei weitere Ex-Zweitligisten stehen. „Unser Platz kann sich sehen lassen“, findet Sportvorstand Bastian Fuhrken, sagt aber gleich: „Die Spitze ist gar nicht so weit weg. Da geht eigentlich noch mehr.“

FC Homburg an der Spitze

Tatsächlich hatte sich Atlas einen 1000er-Schnitt vorgenommen, schon mit den 940 aus der vorangegangenen Landesliga-Meistersaison wäre man Vierter gewesen. Die Vorzeichen waren in der Oberliga aber andere. Ein Heimspiel gegen Kickers Emden vor 2200 Fans gab es dieses Mal nicht, und Fuhrken hat noch weitere Erklärungen: „Wir hatten viel schlechtes Wetter und haben allein in der Hinrunde dreimal zeitgleich mit Werder Bremen gespielt.“ In den vergangenen anderthalb Jahren kostete Atlas das pro Spiel in der Tat rund 200 Fans.

Und schließlich war die sportliche Lage – zum ersten Mal seit der Wiedergründung 2012 – für Erfolgsfans eher ungeeignet. Nach vier Aufstiegen in fünf Jahren kämpften die Delmenhorster bis zum vorletzten Spieltag um den Klassenerhalt – für das Publikum offenbar nicht ganz so spannend wie ein Titelrennen. „Wenn einige deshalb nicht gekommen sind, würde mich das sehr enttäuschen“, sagt Fuhrken. „Man darf nie vergessen, wo wir herkommen. Platz neun in der Oberliga verdient Respekt.“

Samstag bleibt Haupt-Spieltag

Allerdings ist das, wie 234 Oberligisten aus dem Rest der Republik bestätigen können, doch eher eine Klage auf hohem Niveau. Auch in der klassenhöheren Regionalliga Nord wäre Atlas Fünfter, bundesweit haben weniger als die Hälfte der Viertligisten mehr Zuschauer als Atlas. „Wir sind ein Treffpunkt geworden in der Stadt“, findet Fuhrken. Das soll so bleiben, auch wenn die Heimspiele weiterhin hauptsächlich samstags stattfinden werden – auf Wunsch der Spieler, der Helfer, aber auch der anderen Stadionnutzer. „Wenn wir sonntags spielen, ist der Tag für die anderen Teams gelaufen“, sagt Fuhrken und meint damit auch die eigene zweite Mannschaft, die künftig ebenfalls immer auf dem Hauptplatz spielen soll. „Mit dem Samstags-Termin machen wir für andere den Weg frei.“

Der Kampf um die Spitzenplätze in der bundesweiten Oberliga-Rangliste wird in der kommenden Saison in jedem Fall wieder hart. Mit Homburg, der TSG Balingen und Aschaffenburg gelang drei Vereinen aus den Top-Fünf der Regionalliga-Aufstieg. Dafür kommen von oben aber unter anderem Ex-DDR-Meister Chemie Leipzig und die Stuttgarter Kickers dazu, beide haben einen Schnitt weit im vierstelligen Bereich. Technisch gesehen wird das aktuelle Ranking ja auch erst am Sonntag offiziell, dann beendet mit der Mittelrheinliga die letzte Oberliga ihre Saison. Gefahr für Atlas besteht jedoch eher weniger, Fanprimus ist der VfL Vichttal mit 218 Zuschauern. Immerhin noch mehr als der TSV Grolland III.


Die 10 Fünftligisten mit dem höchsten Zuschauerschnitt

1. FC Homburg (Rheinland-Pfalz/Saar) 1083

2. TSG Balingen (Baden-Württemberg) 984

3. SSV Reutlingen (Baden-Württemberg) 960

4. Eintracht Trier (Rheinland-Pfalz/Saar) 861

5. Viktoria Aschaffenburg (Bayern-Nord) 844

6. SV Atlas Delmenhorst (Niedersachsen) 810

7. FC 08 Villingen (Baden-Württemberg) 780

8. Borussia Fulda (Hessen) 741

9. Sportfreunde Siegen (Westfalen) 729

10. SB Chiemgau Traunstein (Bayern-Süd) 633

Quelle: dk/transfermarkt.de

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