Handball-Landesliga TV Neerstedt mit mentaler Stärke zum Titel

Von Heinz Quahs

Mit Tempo auf die Gegenspielerin: Neerstedts Agnieszka Blacha (links) gegen die Bookholzbergerin Farrina Sanders. Foto: Rolf TobisMit Tempo auf die Gegenspielerin: Neerstedts Agnieszka Blacha (links) gegen die Bookholzbergerin Farrina Sanders. Foto: Rolf Tobis

Landkreis. Der TV Neerstedt steigt in die Oberliga auf, die HSG Grüppenbühren/Bookholzberg beendet eine Saison mit Höhen und Tiefen auf Rang sechs: Ein Rückblick auf die Saison in der Handball-Landesliga Weser-Ems der Frauen.

TV Neerstedt

Es waren erst drei Spiele absolviert, da schien das Saisonziel „Spitzengruppe“ für den TV Neerstedt schon kaum mehr realisierbar. Neerstedt startete nämlich mit 2:4-Punkten – und die Probleme aus der holprigen Vorbereitung wegen geringer Beteiligung schienen sich für das Trainergespann Maik Haverkamp und Michael Kolpack auch in den Punktspielen zu zeigen. Doch je größer die Mannschaftsstärke bei den Einheiten wurde, desto besser wurden auch die Spiele des TVN. Denn der Turnverein gewann plötzlich elf Begegnungen in Serie.

„Wir hatten nie damit gerechnet, diese Begegnungen alle zu gewinnen. Doch gab jeder Erfolg viel Selbstvertrauen und so zogen wir diese Spiele auch ohne einen spielerischen Einbruch konsequent bis zum Ende durch.“ Dank der mentalen Stärke der Mannschaft ließ sie sich auch nicht von Rückschlägen beeindrucken. Der Niederlage bei GW Mühlen folgten erneut fünf Siege; der Heimpleite gegen Vorwärts Nordhorn am vorletzten Spieltag – mit dem der Aufstieg schon perfekt gemacht hätte werden können –, folgte dann der letzte Meisterschritt mit dem 23:20 bei ASC GW Itterbeck.

„In der Vergangenheit war die Mannschaft mental noch nicht so stark, jetzt sieht man über 60 Minuten die Einsatzbereitschaft des kompletten Teams.“ Auch bei Wechseln gebe es keinen Bruch mehr Spiel, zudem zeigte sich Neerstedt im Verlauf der Saison sowohl in der Deckung als auch im Angriff deutlich verbessert. Auch das Konterspiel über die erste und zweite Welle hat sich deutlich verbessert, wobei hier noch deutlich Luft nach oben ist.

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Ebenfalls wichtig: Neerstedt war personell gut aufgestellt: Mit Sina Huntemann, Rieke von Seggern und Katharina Marks verfügte Neerstedt über starke Torhüterinnen. Der Innenblock mit Manuela Garms, Wiebke Haake und Nadine Menkens machte einen sehr guten Job. Im Angriff waren Nadja Albes (118 Tore) nach Kontern und mit sehenswerten Treffern von der rechten Außenbahn und Kirsten Kurok (101), die auch eine sichere Siebenmeterschützin war, die TVN-Haupttorschützinnen. Spielerisch verbessert haben sich Nadine Menkens und Stefanie Hanuschek.

In der kommenden Saison verlassen Katharina Marks, Nadine Menkens und nach 15 Jahren in der ersten Damen Manuel Garms (alle Laufbahnende) sowie Cordula Schröder-Brockshus (Teammanagerin) die Mannschaft. Der Meister hat bis jetzt durchtrainiert, um die neuen jungen Spielerinnen Lisa Rangnick und Nina Sempert von der TSG Hatten-Sandkrug zu integrieren.

Grüppenbühren/Bookholzberger TB

Vier Siege zum Saisonauftakt – der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg gelang ein echter Traumstart; zumal die Landkreis-HSG in der Vorsaison nur ganze fünf Begegnungen gewonnen hatte. Doch nach dem fantastischen Saisonbeginn fand sich Grüppenbühren/Bookholzberg schnell im (vorderen) Mittelfeld wieder – und blieb dort bis zum Saisonende. „Es hatte mich zu Beginn der Saison schon etwas überrascht, dass wir mit vier Siegen starten konnten“, sagte Logemann. „Doch hat sich das sehr schnell relativiert. Denn solange mein Kader vollzählig ist, läuft es recht gut. Doch wenn Leistungsträger aus den verschiedensten Gründen ausfallen, wird es schwierig, das Niveau zu halten.“

Besonders das Fehlen von Jana Meenen, die beruflich für längere Zeit im Ausland weilte, riss eine Lücke in den Abwehrverband, zumal die reaktivierte Mareike Hermann ebenfalls ein paar Spiele verletzungsbedingt ausfiel. Doch dafür hatte die HSG wiederum mit den Torhüterinnen Sarah Grützmacher, Ann-Cathrin Müller und Anne Vormelchert einen hervorragenden Rückhalt.

Die Lücke gefunden: Grüppenbührens Farina Sanders im Rückspiel gegen Neerstedt. Foto: Rolf Tobis

Zu welchen Leistungen die Logemann-Sieben fähig war, mussten im Laufe der Saison noch zwei weitere Spitzenteams erfahren. Denn sowohl in der Hinrunde gegen den lange auf Platz eins stehenden SV GW Mühlen (25:26) als auch in der Rückrunde gegen den TVN (24:25) verlor die HSG nur hauchdünn. Den Tiefpunkt stellte hingegen die höchste Niederlage nach einer indiskutablen Leistung bei der HSG Osnabrück dar (23:36).

Besonders freute sich Logemann, dass Rückraumspielerin Wiebke Möller trotz häufiger kurzer Deckung mit 167 Treffern auf dem zweiten Platz der Torschützenliste der Landesliga steht und mit Katja Hammler (66), Nane Steinmann (64), Joana Oekermann (56) sowie Jana Folkerts (56) sich noch weitere Schützen etablierten. „Insgesamt ist das Spielverständnis innerhalb des Teams wesentlich besser geworden“, lobte Logemann.

Ganz erfreulich sieht Logemann die Verbesserung von Katja Hammler, die ihre Rolle am Kreis angenommen hat und bestens ausfüllt sowie Nane Steinmann, die in spielerischer Hinsicht den größten Sprung gemacht hat und sich sowohl auf der Außen- als auch in der Rückraumposition zu einer spielstarken Torschützin entwickelt hat.

Aus dem aktuellen Kader wird nur Mareike Hermann verletzungsbedingt aussteigen. Als Neuzugänge stehen Saskia Dierks (TuSG Ritterhude) und Laura Timmermann (Hatten-Sandkrug) fest.


TV Neerstedt:

. In der abgelaufenen Saison setzten Haverkamp/Kolpack folgende Spielerinnen ein: Im Tor Sina Huntemann (17 Einsätze), Katharina Marks (12) und Rieke von Seggern (22), im Feld Nadja Albes (21/118 Tore/11 Strafwürfe), Agnieszka Blacha (21/60), Manuela Garms (22/45/1), Wiebke Haake (20/63), Stefanie Hanuschek (22/61), Laura Huntemann (21/9/1), Kirsten Kurok (22/101/63), Delia Mathieu (13/15/1), Nadine Menkens (21/45/3), Anne Schmidt (20/26), Cordula Schröder-Brockshus (8/31/24), Sharleen Siemers (2/0), Johanna Stuffel (20/29) und Helen Tapkenhinrichs (10/7/1).

HSG Grüppenbühren/Bookholzberg:

In der abgelaufenen Saison waren Jana Folkerts, Sonja Gode, Wiebke Möller und Nane Steinmann bei allen Begegnungen dabei, doch auch weitere Spielerinnen fehlten nur wenig oder waren verletzungsbedingt langfristig außer Gefecht und so setzte der HSG-Coach folgende Spielerinnen ein: Im Tor Sarah Grützmacher (15 Spiele), Ann-Cathrin Müller (19) und Anne Vormelchert (16), im Feld Ivett Bazso (17/9 Tore), Annika Bodzian (12/8/1 Strafwurf), Jana Folkerts (22/56/2), Sonja Gode (22/22), Katja Hammler (21/66/31), Mareike Hermann (3/8), Franziska Hische (20/16), Frauke Hische (21/10), Lorena Krause (7/13), Jana Meenen (12/30), Wiebke Möller (22/167/54), Joana Oekermann (17/56), Farina Sanders (20/47) und Nane Steinmann (22/66).