Special Olympics 2018 in Kiel Rote Teufel der Lebenshilfe Delmenhorst stürmen zu Gold

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Delmenhorst/Kiel. Die Fußballer der Delmenhorster Lebenshilfe gewinnen ihr Turnier bei den Special Olympics. In Kiel bleiben die Roten Teufel als einzige von 91 Fußball-Mannschaften ohne Gegentor. Die Bundesspiele sind aber überhaupt ein historischer Erfolg.

Die Weltmusik hat in ihrer Geschichte so einiges an Liedgut hervorgebracht, mit dem man große Siege zelebrieren kann, die Organisatoren der Special Olympics in Kiel entschieden sich für Tina Turner. Als die Roten Teufel am Freitag das Podest erklommen und ihre Goldmedaillen entgegennahmen, kam also „Simply the Best“ aus den Boxen. Den Fußballern der Lebenshilfe Delmenhorst war die Songauswahl offenbar recht, sie jubelten und hüpften und feierten ihr sensationelles Gold bei den Bundesspielen für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung.

4600 Sportler in Kiel dabei

Es war das goldene Ende eines Trips in den Norden, der für alle zum denkwürdigen Abenteuer geworden ist. „Ein unvergessliches Erlebnis“, sagte Jutta Lobenstein – und die Trainerin hat mit ihrem Team immerhin schon große Titel gewonnen und als Aktive einst in der Bundesliga gespielt. Fünf Tage bewegten sich die zehn Delmenhorster Fußballer und ihre drei Begleiter unter den 4600 Sportlern aus ganz Deutschland und spielten nebenbei ziemlich erfolgreich Fußball.

Das Turnier wurde in verschiedene Kategorien eingeteilt, die Teufel traten in der Traditional-Gruppe 14 an – am Ende sollten sie als einzige der wettbewerbsübergreifend 91 Mannschaften ohne Gegentreffer bleiben.

Der Weg zum Gold war dennoch kein einfacher. Die Delmenhorster starteten mit einem 5:0 über ESH Benninghof. Am zweiten Tag folgten ein 3:0 über die Vorwerker Diakonie und ein 1:0 über die Gemeinnützigen Werkstätten Neuss. Tabellenführer war die Lebenshilfe trotzdem nicht, denn der Post SV Uelzen hatte seine Spiele deutlicher gewonnen. „Uelzen ist durchmarschiert und schien eigentlich nicht zu schlagen zu sein“, meinte Lobenstein.

Norman Mischke schießt das Siegtor

Allerdings bewies die Trainerin ein gutes Auge, sie änderte vor dem entscheidenden Spiel der beiden ungeschlagenen Favoriten die Strategie – und holte die eigentlich verstaubte Manndeckung aus der Taktik-Mottenkiste. „Wir haben uns bis dahin eher weniger auf das Spiel des Gegners eingestellt, sondern unsere eigenen Stärken ins Spiel gebracht. Dieser Gegner war jedoch nur durch den gezielten Fokus auf seine Spielweise zu schlagen“, erklärte sie.

Uelzen hatte die besseren Einzelspieler, doch die Roten Teufel verteidigten leidenschaftlich. Allerdings brauchten die Delmenhorster einen Sieg, um noch an Uelzen vorbei zu ziehen. Norman Mischke gelang tatsächlich das erlösende 1:0. „Wir haben das kaum Mögliche wahr gemacht“, jubelte Lobenstein.

27.000 Zuschauer und 230 Journalisten

Sie betreute das Team, für das Norman von Aschwege, Roy Clasen, Stephan Vagt, Marcel Kühne, Hans-Werner Hausmann, Kim Sanftleben, Dominik Brohmann, Bastian Fabianowicz, Florian Musial und Norman Mischke spielten, zusammen mit Marika Maus und Ulli Schulz. Im Kader standen sechs Spieler, die in der Vorsaison auch für die Roten Teufel in der 5. Kreisklasse aufgelaufen sind.

Die Special Olympics 2018 waren auch für den Organisator ein historischer Erfolg. 27000 Zuschauer verfolgten die Wettkämpfe in 19 Sportarten, das Medieninteresse war enorm. 230 Journalisten waren dabei, der NDR, die ARD und Sky, berichteten aus Kiel. „Das ist eine neue Qualität öffentlicher Wahrnehmung für Sportler mit geistiger Behinderung“, sagte Brigitte Lehnert, die Vizepräsidentin von Special Olympics Deutschland.


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