Nach Zweitliga-Abstieg TV Jahn Delmenhorst will in der Regionalliga neu angreifen

Von Daniel Niebuhr


Delmenhorst. Nach der gerade beendeten Saison in der 2. Bundesliga sprühen die Fußballerinnen des TV Jahn Delmenhorst schon vor Tatendrang und wollen in der Regionalliga direkt wieder oben mitspielen. Im Kampf um bessere Bedingungen sendet das Team ein Zeichen Richtung Stadt.

Um zu verstehen, in welcher Gesellschaft sich der TV Jahn Delmenhorst in der abgelaufenen Saison bewegt hat, taugt ein Fakt vom Wochenende vielleicht besonders gut. Der Absteiger unterlag am Sonntag dem SV Meppen mit 0:4, geleitet wurde das Spiel von der Sportkameradin Mirka Delin aus Bad Schwartau – und selbst die Schiedsrichterin hat einen eigenen Wikipedia-Eintrag. So ist das eben in der 2. Bundesliga.

Der Artikel des TV Jahn wurde bei Wikipedia übrigens bereits geändert, aktuell steht dort wieder die Regionalliga Nord als Spielklasse; die Zeit als Zweitligist ist mit dem Meppen-Spiel auf Platz zehn zu Ende gegangen. „Es war eine sehr emotionale, physisch und auch psychisch extrem anstrengende Saison“, sagte Torhüterin und Kapitänin Magdalena Flug im Flyer zum letzten Heimspiel.

Traum von der Rückkehr in Liga zwei

Dennoch gibt sich der Club in den Tagen nach dem Ende der sehr respektablen Saison überraschend angriffslustig. Trainer Claus-Dieter Meier war der erste, der vorausblickte. „Ich habe den Anspruch, in der Regionalliga gleich wieder oben anzuklopfen“, sagt er. „Wir haben gesehen, zu was wir fähig sind, und dass man Grenzen auch verschieben kann. Diese Erfahrungen helfen uns, falls wir noch mal so weit kommen.“

Sein Kader wird wohl einigermaßen intakt bleiben. Nele-Victoria Aufurth und Lena Funke, die zu Arminia Bielefeld geht, wurden am Sonntag verabschiedet, auch für Laura D’Elia war es das letzte Spiel. Lynn Janning kommt dafür aus den USA zurück, weitere Neuzugänge sind geplant. „Wir werden ein gutes Team haben“, sagt Frauen-Obmann Bernd Hannemann. Abteilungsleiter Marco Castiglione weiß aber: „Es gibt in der Region viel Konkurrenz. Wir müssen die Ohren offenhalten, ob bei Werder oder in Cloppenburg jemand vielleicht nicht zum Zug kommt, uns aber helfen kann.“

Jahn für DFB-Pokal qualifiziert

Er kann wohl mit der Aussicht auf einen Platz in der Spitzengruppe der kaum veränderten Regionalliga werben und mit dem DFB-Pokal, für den Jahn als Zweitligist der abgelaufenen Saison qualifiziert ist. Meier will aber nicht automatisch davon ausgehen, dass sein Team als Absteiger direkt durchstartet. „Ich weiß nicht, wie viel die 2. Liga jeder einzelnen Spielerin in der Entwicklung gebracht hat. Man wird eigentlich nur besser, wenn man mutig nach vorne spielt – das war in vielen Spielen aber nicht möglich. Sonst wären wir abgeschossen worden.“ Was abgesehen vom 1:9 bei Turbine Potsdam II und dem 0:9 beim VfL Wolfsburg II auch nicht passiert ist. Immerhin haben zwei Teams im Saisonverlauf noch höher verloren.

Werbung für Kunstrasen

Besorgniserregender sind ohnehin die Rahmenbedingungen, die für die eingleisige 2. Liga bisher nicht taugen. Die Mannschaft legte den Finger am Sonntag voll in die Wunde und lief mit einem Plakat auf, auf dem „2 Kunstrasen-Plätze für Delmenhorst“ gefordert wurden – ein Gruß auch an Oberbürgermeister Axel Jahnz im Publikum. „Mit Kunstrasen und einer vernünftigen Wintervorbereitung wäre noch mehr drin gewesen“, glaubt Hannemann, der das von der Mannschaft selbst finanzierte Plakat auch anderen Vereinen zur Verfügung stellen will. Meier ist ohnehin ein Dauer-Fürsprecher in der Kunstrasen-Debatte, er sagt aber auch: „Ich bin für das Sportliche zuständig. Den Rest müssen andere erledigen.“ Und vielleicht, wie er im Stadion-Flyer verkündet, wird Jahn tatsächlich irgendwann wieder „bereit sein, ein neues Abenteuer zu planen“.