Fußball-Kreisliga Traditionsclubs kämpfen gegen historische Abstiege

Von Daniel Niebuhr

Der TV Jahn Delmenhorst um Thomas Keilbach (links) und der SV Achternmeer stehen in der Kreisliga auf den Abstiegsplätzen. Foto: Rolf TobisDer TV Jahn Delmenhorst um Thomas Keilbach (links) und der SV Achternmeer stehen in der Kreisliga auf den Abstiegsplätzen. Foto: Rolf Tobis

Delmenhorst. Der TV Jahn Delmenhorst kämpft in der Fußball-Kreisliga gegen einen historischen Abstieg – dem Ahlhorner SV geht es ähnlich. Die Delmenhorster haben noch nie in der Kreisklasse gespielt, die Ahlhorner seit 33 Jahren nicht. Der Druck scheint im Abstiegskampf höher als bei der Konkurrenz.

Marco Castiglione hat immer so einen Es-wird-schon-alles-gut-Blick auf dem Gesicht, der Abteilungsleiter des TV Jahn könnte dem Volk ohne Zweifel mühelos jede Steuererhöhung schmackhaft machen. Der Optimismus des Delmenhorsters ist auch in schweren Zeiten scheinbar grenzenlos, er hat in seiner knapp vierjährigen Amtszeit auch schon einige erlebt. Eigentlich war nicht geplant, dass Castiglione schon wieder eine Krise der vor der Saison verstärkten Jahn-Fußballer moderieren muss, doch nun kommt er nicht mehr drumherum. „Ich glaube wie immer an ein gutes Ende“, sagt der Fußball-Chef unverdrossen. „Aber wir müssen dafür arbeiten.“

TV Jahn immer mindestens Kreisligist

Seit vergangenen Sonntag steht Jahn auf einem Abstiegsplatz, zum ersten Mal seit August, weil Konkurrent Ahlhorner SV sensationell mit 2:1 beim designierten Meister FC Hude gewann. Fünf Spiele haben die Delmenhorster nun noch Zeit, um einen Abstieg abzuwenden, den man nur als historisch bezeichnen könnte. Seit Wiederaufnahme des Fußballbetriebs nach dem zweiten Weltkrieg musste der stolze Verein nie in der Kreisklasse spielen. „Da haben wir wohl ein bisschen Druck“, sagt Castiglione, natürlich mit einem zuversichtlichen Lächeln.

Trainer Arend Arends tut zumindest alles und jagte seine Spieler in dieser Woche dreimal über den Trainingsplatz. „Alle werfen sich voll rein“, sagt Castiglione und schwärmt von seinem Trainer: „Arend ist ein Spitzenmann.“ Allerdings hat die mit etlichen ehemaligen Bezirksligakickern besetzte Mannschaft neun ihrer letzten elf Pflichtspiele verloren und in dieser Saison inzwischen 40 Spieler eingesetzt. 22 Punkte haben die Delmenhorster auf dem Konto, genauso viele wie Schlusslicht SV Achternmeer, einen weniger als Ahlhorn und drei weniger als die SVG Berne, die als Vierter im Bunde aber nur noch drei Spiele offen hat. Jahn hat in der Rückrunde gegen alle drei Konkurrenten verloren, spielt aber immerhin vier seiner letzten fünf Partien zuhause – bekommt dabei jedoch vier Teams aus den Top-Fünf vorgesetzt (VfR Wardenburg, SV Atlas II, TuS Heidkrug und Hude). Dazu kommt der wiedererstarkte TSV Ganderkesee. „Es ist Fußball. Wie es am Ende ausgeht, kann niemand vorher sagen“, sagt Castiglione.

Ahlhorn hat das Momentum

Es wird Jahn nicht trösten, dass Leidensgenosse Ahlhorn von einem Abstieg ähnlich getroffen werden würde. 33 Jahre ist es her, dass der ASV in der Kreisklasse spielen musste, in der Winterpause holte Trainer Jörg Beckmann deshalb einige Leistungsträger von Ex-Club VfR Wardenburg. „Wir können uns diesen Verein mit seinem Stadion und seinen Möglichkeiten nicht in der Kreisklasse vorstellen“, mahnt Abteilungsleiter Sascha Lanfermann.

Wie in Delmenhorst ist auch in Ahlhorn der Druck da, das Momentum nach sieben Punkten aus den drei letzten Spielen gegen namhafte Gegner aber auch. „Die Ergebnisse sind kein Zufall mehr. Wir haben immer gewusst, dass die Jungs das können“, sagt Beckmann. „Jetzt zahlt sich aus, was wir uns über Monate erarbeitet haben.“

Das Restprogramm spricht tatsächlich für den ASV, der zwar nur noch viermal spielt, aber mit Berne und zum Schluss Liga-Sorgenkind TSV Ippener mindestens zwei eher formschwache Gegner vor sich hat. Also zwei mehr als der TV Jahn.