Heimspiel gegen Spelle-Venhaus SV Atlas kann wohl ein letztes Mal frei aufspielen

Von Daniel Niebuhr und Dieter Kremer

Im letzten Moment von Florian Hoff abgegrätscht: Im Hinspiel beim SC Spelle-Venhaus hatte der SV Atlas um Kapitän Stefan Bruns viele gefährliche Aktionen. Foto: Dieter KremerIm letzten Moment von Florian Hoff abgegrätscht: Im Hinspiel beim SC Spelle-Venhaus hatte der SV Atlas um Kapitän Stefan Bruns viele gefährliche Aktionen. Foto: Dieter Kremer

Delmenhorst. Die Lage für den Fußball-Oberligisten SV Atlas Delmenhorst ist unverändert prekär. Die abstiegsbedrohten Delmenhorster haben ihr Schicksal aber in eigener Hand – und wollen die Unruhe beim Tabellenführer SC Spelle-Venhaus nutzen.

Auch ein Tabellenführer ist vor den Branchenmechanismen nicht sicher, das muss der SC Spelle-Venhaus momentan erfahren. Mit Kapitän Florian Hoff hat am Freitag schon der dritte Leistungsträger binnen einer Woche seinen Abschied (zum Landesligisten BW Lohne) angekündigt – obwohl die Emsländer in der Fußball-Oberliga gerade der Meisterschaft entgegenstürmen. Dass die Speller auf den Regionalliga-Aufstieg verzichten, mag dabei zumindest eine kleine Rolle gespielt haben. „Es gab einfach ein paar Momente, mit denen ich nicht einverstanden war“, sagte Hoff etwas rätselhaft. In den vergangenen Tagen war bereits bekannt geworden, dass mit Spielmacher Steffen Menke und Linksverteidiger Daniel Olthoff zwei Speller zum westfälischen Oberligisten FC Eintracht Rheine wechseln.

Das Punktekonto, so könnte man sagen, lässt also nicht immer direkte Schlüsse auf das Seelenheil einer Mannschaft zu – was für den SV Atlas nichts Neues ist. Die Delmenhorster, die Samstag ab 16 Uhr Spelle-Venhaus erwarten, haben nur eines ihrer letzten elf Spiele gewonnen und sind im Rahmen ihrer Ergebniskrise von Rang acht im Winter auf zwölf abgestürzt, der Vorsprung auf den ersten Abstiegsrang ist drei Partien vor Schluss auf zwei Punkte geschmolzen. Doch die Moral stimmt offenkundig, wie bei den drei Unentschieden zuletzt zu sehen war – vielleicht, weil Atlas in einer Kategorie selbst Spitzenreiter ist: Der SVA ist immer noch bester der vier Aufsteiger. „Das sagt vieles über die Oberliga aus“, sagt Trainer Jürgen Hahn. „Es gibt viele starke Teams. Man kann sich vor keinem Spiel sicher sein, was passiert.“

Druck auf den Gegenspieler: Atlas-Abräumer Thomas Mutlu (rechts) machte es im Hinspiel gegen den wechselnden Speller Kapitän Florian Hoff vor. Foto: Dieter Kremer

Der Coach suchte zuletzt oft das Gespräch mit seinen Spielern und erinnerte sie, was der Verein mit vier Aufstiegen in fünf Jahren geleistet hat – etwas positiver Druck hat ja selten geschadet. Gegen Spelle-Venhaus kann Atlas trotz der prekären Tabellensituation ein letztes Mal frei aufspielen, die Chancen auf die rettenden Punkte sind in den letzten beiden Spielen bei Schlusslicht SVG Göttingen 07 und gegen Arminia Hannover wohl größer. Noch können alle im Tabellenkeller darauf hoffen, dass es nur drei statt vier Absteiger geben wird, dafür muss in den oberen Ligen und in den Aufstiegsrunden aber alles passen.

Atlas hat sein Schicksal so oder so noch selbst in der Hand. „Und das fühlt sich immer gut an“, sagt Hahn. Vielleicht kann sein Team aus der Unruhe in Spelle Kapital schlagen. Der Titelanwärter leidet nicht nur unter den schmerzhaften Abgängen, sondern auch unter Ausfällen. Kapitän Hoff ist gelbgesperrt, der 26-fache Torschütze Sascha Wald angeschlagen. Trainer Sebastian Röttger will sich im Meisterrennen nicht aus der Ruhe bringen lassen, seine Mannschaft hat mit den Partien bei den drei Abstiegskandidaten Atlas, Eintracht Celle und SSV Vorsfelde ein vergleichbar machbares Restprogramm. Allerdings sagt Sebastian Röttger, ganz im Hahn’schen Ton: „In der Liga ist alles möglich.“


28. Spieltag, 5. Mai (Samstag)

16.00: SV Atlas - SC Spelle-Venhaus

29. Spieltag, 13. Mai (Sonntag)

15.00: SVG Göttingen - SV Atlas

30. Spieltag, 19. Mai (Samstag)

15.00: SV Atlas - Armina Hannover