Fußball-Oberliga Atlas-Trainer Hahn lobt: „Die Mannschaft lebt“

Von Frederik Böckmann

Umkämpft: Florian Urbainski (rechts) und Marlo Siech (Zweiter von links) holten mit dem SV Atlas einen Punkt beim TB Uphusen um Dennis Janssen (links) und Frithjof Rathjen. Die Partie endete 2:2. Foto: BöckmannUmkämpft: Florian Urbainski (rechts) und Marlo Siech (Zweiter von links) holten mit dem SV Atlas einen Punkt beim TB Uphusen um Dennis Janssen (links) und Frithjof Rathjen. Die Partie endete 2:2. Foto: Böckmann

Achim. Nach dem 2:2 (2:1) beim TB Uphusen ist der SV Atlas Delmenhorst in der Fußball-Oberliga seit sieben Spielen sieglos. Trainer Jürgen Hahn ist mit der Leistung seiner Truppe dennoch sehr zufrieden und sagt: „Die Mannschaft lebt.“ Ein Sonderlob gab es für zwei Spieler, die zum ersten Mal überhaupt in diesem Jahr in der Startelf standen.

War es nun ein gewonnener Punkt? Oder doch eher zwei verschenkte Zähler? Wenige Minuten nach dem teilweise emotionsgeladenen Nachbarduell beim TB Uphusen wusste Jürgen Hahn den Spielverlauf nach dem 2:2 (2:1)-Unentschieden in der Fußball-Oberliga noch nicht einzuordnen. Wie er die Leistung seiner Mannschaft fand, dafür hatte der Trainer des SV Atlas Delmenhorst aber eine eindeutige Einschätzung parat. Denn Hahn war sehr zufrieden. „Kompliment an die Truppe. Fußballerisch, Kampf und Einstellung – das hat alles gestimmt. Wir hatten viele gute Phasen“, sagte der Coach und betonte mit voller Inbrunst: „Die Mannschaft lebt.“

Trotz des nun siebten sieglosen Spiels in Folge vergrößerte der SVA den Vorsprung auf die Abstiegsränge, weil die Keller-Kinder SSV Vorsfelde (0:3 bei Lupo Martini Wolfsburg) und TuS Sulingen (1:2 gegen den SVG Göttingen) am Samstag verloren. „Wir hätten einen großen Schritt machen können, jetzt war es eben nur ein kleiner“, kommentierte Hahn die Tabellensituation. Etwas überraschend siegte jedoch der MTV Gifhorn mit 2:0 gegen den 1. FC Wunstorf und zog damit nach Punkten mit dem SV Atlas gleich. Apropos Wunstorf: Beim zuvor achtmal in Folge ungeschlagenen Aufstiegskandidaten tritt der SVA bereits am Dienstag (15 Uhr) an. „Wunstorf ist ein richtig starker Gegner“, sagt Hahn, der seine Mannschaft beim regenerativen Training am Montag auf den kommenden Konkurrenten einstellen will.

SV Atlas schon am Dienstag nach Wunstorf

Die weiter ansteigende Formkurve der Blau-Gelben und die geschlossene Mannschaftsleistung gegen Uphusen dürfte dem Atlas-Coach jedoch Mut machen, am 1. Mai etwas aus dem Calenberger Land mitnehmen zu können. Ob in Wunstorf Sebastian Kmiec und Marco Prießner aufgrund ihrer muskulären Probleme mitwirken werden, ist zumindest fraglich. Verteidiger Kmiec musste in Uphusen bereits vor dem Anpfiff passen, Offensivmann Prießner wurde dort nach 29 Minuten ausgewechselt.

Im Duell der tabellarischen und geografischen Nachbarn hatte Hahn zwei Spieler in die Startelf beordert, die 2018 zuvor noch nicht von Beginn an gespielt hatten: Tom Witte und Lars Scholz. Beide Spieler zahlten das Vertrauen zurück. Während Angreifer Scholz mit seinen Tempodribblings mehrere gefährliche Angriffe initiierte, zeigte Witte als Linksverteidiger eine abgeklärte, clevere und für Hahn „ganz tolle“ Leistung.

Viele Fouls und Unterbrechungen

550 Zuschauer (davon 300 Delmenhorster Fans) sahen im Achimer Westen eine umkämpfte Partie mit bisweilen giftig geführten Zweikämpfen mit diversen Ellenbogeneinsätzen bei den Kopfballduellen, vielen Unterbrechungen und vielen Fouls. Zum zerfahrenen Spiel trug teilweise auch der Schiedsrichter Sebastian Otto (Hannover) bei, der in der Zweikampfbewertung und vor allem bei der Verteilung der vielen Gelben Karten (sechs für Atlas, drei für Uphusen) keine klare Linie pfiff.

Uphusen hatte in der ersten Halbzeit leichte Feldvorteile und zwei, drei Halbchancen. Die bessere Elf in Durchgang eins waren jedoch die Gäste. Konzentriert, organisiert und zweikampfstark präsentierte sich der SV Atlas. Vor allem die zentralen Mittelfeldspieler mit dem bärenstarken Nick Köster, Thomas Mutlu und Sebastian Koltonowski räumten viele Bälle ab. In der Offensive hatte Hahn die Uphuser Außenverteidiger als Schwachpunkte ausgemacht, weshalb Atlas sein Spiel viel über die Flügelstürmer Scholz und Patrick Degen aufbaute.

Statt 2:0 steht‘s 1:1

Atlas führte verdient durch Kevin Radke, der nach einer Balleroberung und Zuspiel von Patrick Degen zum 1:0 einschob (20.). Die Gäste hätten danach bei einer Doppelchance für Marco Prießner (Pfosten) ihre Führung ausbauen können (26.). Doch statt 2:0 hieß wenige Momente später nach einem Torwart-Fehler 1:1. Weil Atlas-Keeper Florian Urbainski eine Flanke nicht zu packen bekam und Kevin Artmann zum Ausgleich traf (27.). „Das war unnötig“, sagte Jürgen Hahn über das Gegentor.

Kurz vor der Pause stand dann Lars Scholz dreimal im Mittelpunkt. Erst zielte er knapp daneben (37.). Dann wurde Scholz im Strafraum gezogen, erhielt statt Strafstoß aber Gelb für eine vermeintliche Schwalbe (42.). Und schließlich bekam der Stürmer nach einem herrlichen Pass von Marlo Siech für ein weniger Elfmeter reifes Foul doch einen Strafstoß zugesprochen, den der für Prießner eingewechselte Routinier Dominik Entelmann sicher verwandelte – 2:1 (45.+1).

Ohne Scholz weniger Schwung

Nach der Pause blieb Atlas weiter griffig. Uphusen rannte lange Zeit relativ planlos an. „Atlas hat die Räume geschickt dicht gestellt“, sagte Uphusens Trainer Fabrizio Muzzicato. „Gleichzeitig haben wir den letzten Pass auch nicht sauber gespielt.“ Auf der anderen Seite versäumte es Atlas, einige vielsprechende Konteransätze vernünftig auszuspielen. Und mit der Auswechslung des entkräfteten Scholz „ging uns auch ein wenig der Schwung verloren“, wie Jürgen Hahn einräumte.

Der Ausgleich für Uphusen durch Yagmar Horata fiel dennoch ein wenig aus dem Nichts, als der SV Atlas den Ball nicht aus dem Strafraum geklärt bekam und ein Handspiel eines Uphusers monierte (82.). Es war neben dem 1:1 der bis dato erst zweite Uphuser Schuss auf das SVA-Tor überhaupt. Der TBU bekam plötzlich Oberwasser und hatte noch zwei Großchancen durch Sebastian Kurkiewiecz (82., Pfosten) und David Airich (87.). Ein Sieg für die Gastgeber wäre jedoch nicht verdient gewesen. „In der zweiten Halbzeit haben wir besser gespielt“, meinte Uphusens Trainer Muzzicato. „Insgesamt bin ich froh über diesen Punkt, weil wir einfach keine gute Leistung gezeigt haben.“ Und Atlas ein starker Gegner war.


TB Uphusen: Ahlers-Ceglarek - Sahan, Rathjen, Janssen, Yigit - Laabs, Artmann (60. Falldorf), Rockahr - Achour (46. Airich), Kurkiewicz - Celik (70. Horata).

SV Atlas: Urbainski - Radke, Siech, Bruns, Witte - Köster, Koltonowski (90.+1 Immerthal), Mutlu - Scholz (70. Rauh), Prießner (29. Entelmann), Degen.

Tore: 0:1 Radke (20.), 1:1 Artmann (29.), 1:2 Entelmann (45.+1, Foulelfmeter), 2:2 Horata (82.).

Zuschauer: 550 (davon 300 Delmenhorster).

Schiedsrichter: Sebastian Otto (Hannoverscher SC) mit Malte Quoos und Philipp Kittel.

Gelbe Karten: Uphusen 3 – Atlas 6