Championat Berufsreiter Springen 2018 Sandra Auffarth vom RV Ganderkesee siegt im Stechen

Von Lars Pingel


Bad Oeyenhausen. Sandra Auffarth vom RV Ganderkesee ist Championesse der Berufsreiter Springen 2018. Die 31-jährige Bergedorferin setzte sich in Bad Oeyenhausen im Stechen gegen Leonie Jonigkeit (Thüdinghausen) durch.

Der eine oder andere der vielen Zuschauer, die am Samstag auf dem Turnierplatz im Sielpark in Bad Oeyenhausen eine prächtige Kulisse bildeten, musste sich zusammenreißen, um nicht laut los zu klatschen. Im Parcours hatte Sandra Auffarth mit Landlord gerade einen Steilsprung überwunden. Das mitreißende Finale im Championat der Berufsreiter Springen 2018 war in diesem Moment so gut wie entschieden. Aber eben nur so gut wie. Und deshalb warteten die Fans noch mit dem Applaus; ein Raunen aus einigen Tausend Kehlen war aber deutlich zu vernehmen. Wenige Sekunden später bewältigte die 31-jährige Bergedorferin, die für den RV Ganderkesee startet, mit dem zehnjährigen Oldenburger einen weiteren Steilsprung ebenso sicher wie schon zuvor noch drei Einzelhindernisse und eine zweifache Kombination. Sie hob einmal kurz den linken Arm und lobte dann strahlend und länger ihren Sportpartner. Auffarth hatte das Stechen des Schlussakts der Meisterschaft, eine Springprüfung der Klasse S** mit Pferdewechsel, mit einem Null-Fehler-Ritt gewonnen.

Zum ersten Mal zwei Reiterinnen im Finale

Zweite in Prüfung und Championat wurde Leonie Jonigkeit (Thüdinghausen). Sie war mit dem neunjährigen westfälischen Hengst Dede nach den beiden Qualifikationen am Donnerstag (Springprüfung Kl. S**) und Freitag (Springprüfung Kl. S*** mit Stechen), in denen auch Auffarth überzeugte und deren Ergebnisse in Punkte umgerechnet worden waren, in das Finale der besten Drei eingezogen. Das gelang auch dem Titelverteidiger Mathis Schwentker (Kirchdorf) mit dem zehnjährigen ungarischen Wallach Louis Vitton. In der Entscheidung belegte Schwentker den dritten Platz. Zum ersten Mal standen übringens zwei Reiterinnen im Finale des Championats, das seit dem Jahr 2000 (seit 2006 in Bad Oeyenhausen) ausgetragen wird. Zwei Veranstaltungen fielen aus.

Fünf Minuten auf Abreiteplatz

Im Finale ritt jeder Reiter jedes Pferd. Die Ausrüstung durfte nicht verändert werden. Den Sportlern war es nur erlaubt, die Länge der Steigbügel anzupassen. Um sich auf ein fremdes Pferd einzustellen, hatte jeder der Reiter fünf Minuten Zeit sich mit diesem auf einem Abreiteplatz zu bewegen, der sich direkt neben dem Parcours und damit vor den Augen der Zuschauer befand. Auf diesem durften ein Steilsprung und ein Oxer je zweimal übersprungen werden.

Sandra Auffarth mit zwei Null-Fehler-Runden

Für die neun Final-Ritte war ein Kurzparcours aufgebaut worden, damit die Pferde die Anforderungen erfüllen konnten. Die Hindernisse waren bis zu 1,45 Meter hoch. Den ersten Umlauf gingen Auffarth, Jonigkeit und Schwentker mit ihren eigenen Pferden an - alle blieben ohne Hindernis- und Zeitfehler. 

Die zweite Runde eröffnete Schwentker mit Dede. Zwei Stangen fielen, acht Strafzähler. Auffarth gelang dann mit Louis Vitton wieder eine Null-Fehler-Runde. Jonigkeit verzeichnete mit Landlord einen Abwurf. Vier Strafzähler. Auffarth war anschließend mit Dede gefordert, an einem Oxer fing auch sie sich vier Fehlerpunkte ein. Da Jonigkeit mit Louis Vitton straffrei durch den Parcours kam, stand fest, dass Schwentker mit seinen acht Zählern aus dem Rennen war und dass ein Stechen über den Sieg entscheiden würde. Schwentker verzichtete auf den Ritt mit Landlord.

Kein Fehler mit Landlord

Alle Stangen blieben liegen: Sandra Auffarth vom RV Ganderkesee machte mit Landlord in Bad Oeyenhausen keinen Hindernis- und keinen Zeitfehler. Foto: Lars Pingel

„Ich bin das entspannt angegangen“, erklärte Auffarth. „Dritte war ich ja sowieso.“ Damit hatte sich die Doppel-Weltmeisterin und Olympiamedaillengewinnern in der Vielseitigkeit im Vergleich zum Vorjahr (Rang vier) schon verbessert, als sie zum ersten Mal im Championat der Springspezialisten gestartet war. „In so einem Finale entscheiden Kleinigkeiten. Du brauchst auch Glück. Ich hatte, zum Beispiel, Glück, dass ich im Stechen als Zweite starten durfte.“ Trotzdem, sie zeigte dort und in den anderen Prüfungen glänzende Leistungen. Außerdem bewies sie durchaus Nervenstärke. Mit Landlord legte sie nur Null-Fehler-Runden hin. Die letzte eben im Stechen, nachdem Jonigkeit zuvor mit Dede voll auf Angriff geritten war, also alles riskierte. Ihr unterliefen zwei Fehler, Auffarth dann keiner.

Lob vom Bundestrainer

„Das hat sie abgezockt gemacht“, lobte der Disziplintrainer des Spring-Kaders der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, Heinrich Hermann Engemann, die erst zweite Championesse der Berufsreiter Springen nach Judith Emmers aus Goch (2011 und 2012). Engemann machte dann noch allen drei Platzierten ein dickes Kompliment. Das Finale sei „eine Demonstration des Reitsports“ gewesen, sagte er.

Große Freude über Erfolg mit selbst ausgebildetem Pferd

Auffarth war am Samstag zum ersten Mal in einer Prüfung mit Pferdewechsel angetreten. In diesem Modus wird auch der Spring-Weltmeister ermittelt. „Es hat richtig Spaß gemacht“, sagte sie: „Das waren drei tolle Pferde.“ Die Einstellung auf die von Jonigkeit und Schwentker habe schon begonnen, als diese mit ihnen im Parcours waren. „Man guckt, wie machen die das, und versucht, das nachzumachen“, erzählte die Bergedorferin. 

Dieser Erfolg sei schon ein ganz Besonderer, sagte Auffarth nachdem sie während der Siegerehrung und der folgenden Ehrenrunde zum zweiten Mal gefeiert worden war. „Gerade, weil Landlord selbst gezogen und selbst ausgebildet ist. Sehr, sehr schön ist auch, dass die ganze Familie hier war und die Daumen gedrückt hat.“


Championat der Berufsreiter Springen

Die Bundesvereinigung der Berufsreiter im Deutschen Reit- und Fahrverand richtet das Championat aus. Sie ist die Interessenvertretung aller Fachrichtungen im Beruf Perdewirt und Pferdewirtin. An dem Championat können Pferdewirte und Pferdewirtschaftsmeister teilnehmen. Seit 2006 gehört es zum Programm des Sielturniers in Bad Oeyenhausen.